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Unterricht mal anders : Aus der Schule direkt auf den Chefsessel

  • -Aktualisiert am

Warum sich der Chefsessel lohnt Bild: dpa

Frankfurts kleiner Nachbar Offenbach rühmt sich gern als Hessens Gründerhauptstadt. Um diesen Titel zu halten, werden dort nun schon Schüler mit der Idee vertraut gemacht, später ihr eigenes Unternehmen zu gründen.

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          Gestern begann für 150 Zwölftklässler der Theodor-Heuss-Schule ein Projekt, in dessen Verlauf sie ihre eigene Geschäftsidee entwickeln werden und dafür auch eine wirtschaftliche Kalkulation aufstellen müssen. Es ist die dritte Auflage der Gründer-Initiative, die von der Berufsfachschule in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach organisiert wird.

          Für das Offenbacher Selbstverständnis als Gründerhauptstadt sprechen die Zahlen. Nirgendwo in Deutschland machen sich, statistisch betrachtet, so viele Menschen selbständig. Auf 1000 Einwohner kommen dort 11,11 Gründungen, hessenweit liegt der Wert bei knapp neun neuen Unternehmen, deutschlandweit bei 7,3. Allerdings sinken wegen der Konjunktur bundesweit die Gründerzahlen.

          Das „Projekt Unternehmensgründung“ will den angehenden Abiturienten zeigen, was es braucht, um Unternehmer zu sein. Bis Januar sollen die Jugendlichen, die in kleinen Gruppen zusammenarbeiten, für ihre fiktive Firma einen realistischen Geschäftsplan entwickeln. In welcher Branche sie aktiv werden wollen, ist ihnen dabei freigestellt. Ob ihre Geschäftsidee funktionieren und ihr Unternehmen tatsächlich laufen könnte, wird am Ende eine Jury aus Unternehmern und Fachleuten der IHK bewerten. Offiziell als Gewerbe angemeldet werden die Schüler-Start-ups nach Projekt-Abschluss zwar nicht, aber es locken gute Noten, und in dem ein oder anderen wird der Unternehmergeist geweckt sein.

          „Mit flammendem Enthusiasmus“

          Darauf hofft auch Lehrer Hanno Schäfers, der das Projekt an der Berufsschule initiiert hat. „Um sich in die Höhle der Löwen zu wagen, braucht es Mut“, sagte er in Anspielung auf die erfolgreiche Gründer-Show im Fernsehen. Von deren Vorgehensweise haben sich die Offenbacher einiges abgeschaut. So müssen die Teilnehmer ihre Geschäftsideen am Ende vor Profis so präsentieren, als würden sie um Investoren werben. „Sie werden aus diesem Projekt anders herauskommen, als Sie hineingegangen sind“, versprach Schäfers seinen Schülern. Er unterrichtet an der Theodor-Heuss-Schule Politik, Wirtschaft und Mathematik. „Mit flammendem Enthusiasmus“, ergänzte Schulleiter Horst Schad, wolle er den Schülern die Selbständigkeit schmackhaft machen.

          Mit weniger Schwung kam der Vortrag der IHK-Berater bei den Schülern an. Wie das Projekt ablaufen soll, hatten sie vorab schon im Unterricht erfahren. „Das meiste wussten wir schon, viel spannender war, was die erfahrenen Start-up-Inhaber berichtet haben“, urteilte Florjeta und sprach damit ihren Mitschülern aus der Seele. Vier junge Unternehmer hatte Schäfers in die Schule eingeladen, die den Jugendlichen von ihrem Erfahrungen berichteten. Alle vier werden im Januar auch als Juroren dabei sein.

          Auf die Leidenschaft kommt es an

          Fabian Rusko, Jamal Barrajjal und Timo Bauer haben gemeinsam das Unternehmen Baruba Immobilienmanagement gegründet, Sitz der Firma ist in Neu-Isenburg. Nicht immer sei es die vollkommen innovative Geschäftsidee, die zum Erfolg führe, erklärte Bauer. Wichtiger sei, wie man seiner Kundschaft gegenübertrete. Er zeigte wie zum Beweis ein Foto der scheinbar endlos langen Menschenschlange vor „Mustafa‘s Gemüse Kebap“, einem bundesweit bekannten Dönerladen in Berlin. „Der Kebap schmeckt, aber eher normal“, kommentierte Bauer. Der riesige Erfolg hänge nicht am Produkt allein. Ausschlaggebend sei die Leidenschaft: „Es ist einfach mit Herzblut gemacht.“

          Bei den Schülern kam die Begegnung mit den Praktikern gut an. „Das motiviert sie mehr als eine Klausur“, weiß Lehrer Schäfers. Im vergangenen Jahr hätten einige Schüler so gute Geschäftsideen dargeboten, dass sie danach sogar Angebote von Investoren bekamen. Doch der direkte Weg von der Schulbank in den Chefsessel sei ihnen zu schnell gewesen, sie gingen lieber auf Entdeckungsreise nach Australien.

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