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Neubau in Bad Homburg : Ideen-Melange für das Kurhaus

1984 ist das derzeitige Kurhaus eröffnet worden. Nun soll es entweder saniert oder abgerissen und neu gebaut werden. Bild: Axel Häsler

Es ist ein Wettbewerb ohne klaren Sieger. Für einen Neubau des Kurhauses in Bad Homburg sollen mehrere Vorschläge zusammengeführt werden. Die Bürger werden gefragt, aber können nicht entscheiden.

          3 Min.

          Wie das Kurhaus aussehen könnte, sollte es neu gebaut und nicht saniert werden, erfahren die Bad Homburger erst im Spätsommer oder Herbst. Das Preisgericht des Ideenwettbewerbs, für den die Teilnehmer jeweils eine moderne Variante und eine mit historisierender Fassade vorlegen sollten, hat sich am Dienstag und Mittwoch nicht für einen einzelnen Sieger entschieden.

          Bernhard Biener
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Stattdessen wurden mehrere Entwürfe ausgewählt, aus denen nun eine Lösung erarbeitet werden soll, mit der alle drei Eigentümer leben können. Denn außer der Stadt sind auch das Maritim-Hotel und die Taunussparkasse über komplizierte Konstruktionen an der Immobilie beteiligt.

          Sieben Architekturbüros aus Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Stuttgart haben für den Wettbewerb Beiträge eingereicht. Sie waren nicht nur zu zwei unterschiedlichen optischen Lösungen aufgefordert.

          Keine falschen Erwartungen

          Im Aufgabenheft standen vielfältige Nutzungsmöglichkeiten einschließlich eines Theaters, aber auch Vorschläge für die Verkehrsanbindung und die angrenzende Umgebung.

          So liegt vor dem Kurhaus nicht nur ein für viele Veranstaltungen genutzter Platz, sondern auch ein Busbahnhof. Die bisherigen Tiefgaragenausfahrten führen ins Kurviertel und quer über eine Fußgängerzone.

          Eigentlich hatten die Entwürfe im Juli präsentiert werden sollen. Doch man wolle keine falschen Erwartungen wecken, sagte Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU), denn was sich am Ende tatsächlich verwirklichen lasse, werde jetzt in der Projektphase in Absprache mit den Miteigentümern ausgearbeitet.

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          Es helfe nichts, schöne Modelle zu zeigen, die am Ende anders ausfielen. „Auch die Fachpreisrichter haben dazu geraten, nicht auf diese Weise Emotionen zu schüren“, sagte Kurdirektor Holger Reuter. Aus den Beiträgen seien drei Entwürfe mit historischer Fassade und zwei mit moderner Gestaltung ausgewählt worden. Da ein moderner und ein historischer von einem Büro stammen, sind noch vier Architekturbüros beteiligt.

          Man habe sich bewusst gegen einen Realisierungs- und für einen Ideenwettbewerb entschieden, sagte Hetjes. Auf diese Weise sei man nicht auf einen Siegerentwurf festgelegt, sondern könne einzelne Lösungen zusammenführen: „Wir kaufen uns Ideen ein.“

          Enorme Herausforderungen

          Einige hätten gute Vorschläge für den Verkehr, andere für die Raumaufteilung. Ohnehin seien die Herausforderungen enorm, denn der denkmalgeschützte Kurhausgarten und die historischen Häuser ringsum zögen eine enge Baugrenze. Außerdem wolle sich das Maritim-Hotel vergrößern. „Die Frage ist jetzt: Womit können die Eigentümer leben, und was lässt sich umsetzen?“

          Mitreden sollen auch die Bürger. Doch einen Bürgerentscheid, den die Stadtverordneten gewünscht hatten, wird es nicht geben. Das war abzusehen: „Die Hessische Gemeindeordnung lässt nur Fragen zu, die mit Ja oder Nein zu beantworten sind“, sagte der Oberbürgermeister.

          Doch in Bad Homburg steht außer zwei Neubauvarianten auch eine Sanierung des Kurhauses zur Debatte. Gedacht ist daher an eine „Trendumfrage“. Jeder Bad Homburger, der älter als 16 Jahre sei, werde angeschrieben und informiert, kündigte Hetjes an. Es werde auch eine digitale Abstimmung über das Internet möglich sein.

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          Rechtlich bindende Wirkung hat die Umfrage nicht. „Wir werden das Ergebnis der Stadtverordnetenversammlung mit den Eigentümern kommunizieren“, sagte der Oberbürgermeister. Letztere sind ein weiterer Grund, warum ein Bürgerentscheid an rechtliche Grenzen gestoßen wäre: Die Bürger hätten über privates Eigentum Dritter bestimmt.

          Hetjes erwartet, dass die Ausstellung eines realisierbaren Entwurfs und die Bürgerbeteiligung noch in diesem Jahr möglich sind. Bis dahin soll auch das Sanierungsgutachten vorliegen. Reuter zeigte sich von den aufwändigen Untersuchungen beeindruckt, für die Ingenieure die Versorgungsstruktur bewertet und Kernbohrungen in die Substanz vorgenommen hätten.

          „Ein belastbares Preisschild“

          „Wir werden am Ende ein belastbares Preisschild haben“, sagte der Kurdirektor. Hetjes nannte es eine weitere Herausforderung, aus den groben Kostenschätzungen für die Neubauentwürfe eine Zahl zu entwickeln, die mit den recht genau kalkulierten Sanierungskosten vergleichbar ist. Für die bisherigen Vorbereitungen wie die Machbarkeitsstudie, den Wettbewerb und das Sanierungsgutachten sind zwei Millionen Euro veranschlagt.

          Das heutige Kurhaus ist 1984 eröffnet worden. Sollte die Entscheidung für eine historisierende Fassade fallen, würde es künftig an den von 1863 bis 1945 bestehenden Bau des belgischen Architekten Jean-Pierre Cluysenaar erinnern.

          Noch ist unklar, was ein neues oder neuwertiges Kurhaus kosten wird. Für den Oberbürgermeister steht fest, dass es so oder so das größte und wichtigste Projekt der Stadt für die nächsten 60 Jahre werde.

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