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HR-Intendant Manfred Krupp : Ehrgeiz, Fleiß und Macht

  • -Aktualisiert am

Bündelt die Zuständigkeiten für alle Sparten des Senders neu: Krupp in seinem Büro Bild: Helmut Fricke

Seit vier Jahren ist Manfred Krupp Intendant des Hessischen Rundfunks. In der Zeit, die ihm noch bleibt, will er vor allem auf veränderte Nutzung von Medien reagieren.

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          Als er vierzehn war, stand er freiwillig um halb sieben auf, um Zeitung zu lesen. Noch als Schüler schrieb er bald für das örtliche Blatt in seiner Heimatstadt Neuwied. Seine Zeit in der Bundeswehr verbrachte er bei der Pressestelle. Und folgerichtig wurde er Journalist. Manfred Krupp ist im Hessischen Rundfunk das, was man ein Eigengewächs nennt. 32 Jahre gehörte er dem Hause an, als ihn der Rundfunkrat im Februar 2016 mit 21 von 30 Stimmen zum Intendanten wählte.

          Dass er keine größere Mehrheit erzielte – sein Vorgänger Helmut Reitze war mit 28 von 29 Stimmen wiedergewählt worden –, scheint Krupp bis heute ein wenig zu wurmen. Nach der Abstimmung gaben ihm aber einige Rundfunkratsmitglieder zu verstehen, sie hätten sich nicht für ihn entscheiden können, weil sie eine Frau wollten. Krupp hebt hervor, dass niemand, auch kein Politiker, vor der Intendantenwahl seine Stimme an eine Bedingung geknüpft habe.

          Hessen in allen Facetten

          Krupp sagt von sich: „Ich bin der geborene Nachrichtenmensch.“ Und fügt hinzu: „Ich will alles verstehen, alles durchdringen.“ In drei Jahrzehnten hat er sich über zahlreiche Stationen aus der aktuellen Tagesarbeit ins redaktionelle Management und dann zum obersten Exekutivorgan einer öffentlich-rechtlichen Anstalt hochgearbeitet. Sollten Neider ihn bei diesem stetigen Aufstieg scheel angesehen haben, so mussten sie wohl zugeben, dass er seine Sache gut machte. Seine Kernkompetenz auf dem Weg nach oben hieß immer „Hessen“, in allen Facetten von Politik und Geschichte bis Geographie und Kultur.

          Krupp unterschied sich außerdem von den meisten anderen Journalisten, weil er sich nicht nur für Inhalte, sondern auch für Administration interessierte. Das hilft ihm heute bei einer Aufgabe, in der dauernd juristische und finanzielle Rahmenbedingungen das Handeln steuern oder einschränken.

          Krupp weiß, wie Digitalkameras funktionieren und schlägt mühelos Erklär-Schneisen in das Dickicht der ARD-Zuständigkeiten. Er spricht ausführlich, fast sprudelnd, manchmal überlaut, gelegentlich unterbrochen durch ein langgezogenes Ääääh. Er ist dabei der Typ, der, wenn man ihn im mündlichen Abitur nach den Planeten unseres Sonnensystems gefragt hätte, nicht nur alle brav aufgezählt hätte, sondern auch noch in der richtigen Reihenfolge der Entfernung von der Erde. Und der dann auch noch, schwer unterbrechbar, erwähnt hätte, warum Planeten Monde haben und dass außer Merkur und Venus alle mindestens einen Mond vorweisen könnten – bis die Prüfer halb beeindruckt, halb enerviert gerufen hätten: „Danke, danke, das reicht.“

          Immer informiert

          Krupp hat immer hart gearbeitet, der Drang, stets informiert zu sein, gehöre zu seinem genetischen Code, sagt er. Noch immer hört und liest er morgens als Erstes die Nachrichten und geht nie zu Bett, ohne sich noch einmal einen Überblick über das Geschehen in Deutschland und der Welt verschafft zu haben. Faktensicher und bestimmt vom Streben nach Leistungsvollkommenheit stieg er vom Volontär zum politischen Korrespondenten auf, wurde Leiter des Landesstudios Wiesbaden und der Hessenschau. Die nächsten Stationen hießen Chefredakteur, Fernsehdirektor, stellvertretender Intendant, Intendant.

          Anders als sein Vorvorgänger Klaus Berg, der in zehn Jahren nicht ein einziges Mal an eine Person aus seinem unmittelbaren dienstlichen Umfeld ein persönliches Wort gerichtet haben soll, scheint für Krupp ein Tag ohne Gespräche, ohne Austausch, ohne Lachen kein guter Tag zu sein.

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