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HR-Intendant Manfred Krupp : Ehrgeiz, Fleiß und Macht

  • -Aktualisiert am

Manfred Krupp ist 64, der gleichaltrige Hörfunkdirektor Heinz Sommer, der dienstälteste in der ARD, wird am 31. Juli ausscheiden. Die langjährige HR2-Wellenchefin Angelika Bierbaum ist soeben in den Ruhestand verabschiedet worden, der Leiter des Wiesbadener Landesstudios Christopher Plass gleichfalls, der in der Radiokulturwelle programmprägende Hans Sarkowicz wird auch bald Rentner sein.

Pläne für die verbleibende Zeit

Der Hessische Rundfunk steht also vor einem Generationenwechsel. Die ihm verbleibenden zwei Jahre will der auf sechs Jahre gewählte Krupp dabei nicht tatenlos verstreichen lassen. Er will Strukturen und Denkweisen so weit wie möglich ändern. Die Richtung heißt mehr Eigenverantwortung für den Einzelnen bei gleichzeitig gesteigertem Gemeinschaftsgefühl. Krupp sagt, manchmal werde er gefragt, warum er gegen Ende seiner Laufbahn noch so viel Stress auf sich nehme, aber das lässt er nicht gelten, dazu liegt ihm auch der Auftrag des Gesetzes von 1948 über den Hessischen Rundfunk, „als Medium und Faktor freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken“, zu sehr am Herzen.

Ein wenig hat in den vergangenen Wochen das Virus etwas gegen den Stress getan: Die sonst üblichen drei bis fünf Abendtermine in der Woche sind im Corona-Krisen-Modus entfallen. Krupp hat jetzt mehr über die Phase nachgedacht, die in zwei Jahren für ihn beginnen wird. Er hat sich vorgenommen, im Ruhestand keinen beruflichen Ehrgeiz mehr zu entwickeln, vielleicht Ehrenämter zu übernehmen und auf jeden Fall mehr Zeit für Freunde zu haben. Seinen Leidenschaften, der Musik und dem Fußball, geht er heute schon nach, man sieht ihn regelmäßig in den Opernhäusern in Frankfurt und Wiesbaden und bei den Konzerten des hauseigenen Symphonieorchesters. Im Stadion geht er als Fan und Mitglied der Eintracht aus sich heraus und wird richtig laut.

Noch ist viel zu tun, die Transformation der Kulturwelle HR2 etwa, deren Achtung unter kulturaffinen Hörern größer ist als der Massenzuspruch. Auch die Frage, wie man das neue Interesse der Jüngeren, die in Corona-Zeiten den HR entdeckten, in die Zukunft hinüberretten könnte, will geklärt sein. Die Verankerung der Crossmedialität in den Köpfen der Redakteure ist längst noch nicht abgeschlossen. Die Finanzen samt den Sorgen um die Rückstellungen für die Pensionen bleiben drückend, auch der Kampf um die Marktanteile in Hörfunk und Fernsehen ist ein Dauerthema.

Und dann ist da auch noch die ARD, jene von außen schwer zu durchschauende Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten mit ihren eigenen Gesetzlichkeiten und gleißenden Gestalten. Krupp versteht sich mit so gegensätzlichen Intendantenkollegen wie Ulrich Wilhelm (Bayerischer Rundfunk) und Tom Buhrow (Westdeutscher Rundfunk). Er ist sowieso nicht auf Krawall gebürstet, kommt gut zurecht mit einem selbstbewussten Rundfunkrat und einem vielleicht noch robusteren Verwaltungsrat. Richtig aus der Haut fahren kann er nur, wenn er sich erpresst fühlt. Die Frage nach seinen drei Haupteigenschaften beantwortet er ohne Bedenkzeit mit „optimistisch, strukturiert und neugierig“. Dann lehnt er sich zurück, lacht und ist ein bisschen stolz, dass er die Antwort so spontan hingekriegt hat. „Ehrgeizig“ wäre sicher auch nicht falsch gewesen.

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