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HR-Intendant Manfred Krupp : Ehrgeiz, Fleiß und Macht

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Dabei ist die Stellung eines Intendanten in keiner anderen Landesrundfunkanstalt so mächtig wie im Hessischen Rundfunk: Der Dienstherr von 1700 Beschäftigten und mehr als 800 freien Mitarbeitern darf über jede Position außer der des Betriebsdirektors allein bestimmen. Der Gefahr, ob solcher Machtfülle pompös oder gravitätisch zu werden, ist Krupp entgangen. Er ist ansprechbar geblieben, auch bei Zufallsbegegnungen auf dem Gang. Allerdings verspürt er die starke Intendantenverfassung bei Terminen außerhalb des Hauses, wenn er nicht bei seinem Namen angesprochen wird, sondern als „Herr Intendant.“

„Gewaltiger Zuspruch“

Gegen die heftige öffentliche Kritik, die ihm entgegenschlug bei den Umbauplänen für die Kulturwelle HR2, ist er gefeit durch frühere umstrittene Entscheidungen. Als er in seiner Zeit als Chefredakteur die beliebte Tierfreunde-Sendung „Herrchen gesucht“ einstellte, kündigten ihm zeitweise sogar die beiden Töchter die Freundschaft. Natürlich ist der Konflikt längst überwunden. Krupp und seine Frau, eine Soziologin, sind engagierte Eltern. Der Vater kann sogar die Titel der Abschluss- oder Doktorarbeit seiner erwachsenen Töchter zitieren, die eine Bioinformatikerin, die andere als Sinologin in einer Unternehmensberatung tätig.

Hoch erfreut zeigt sich der Intendant über eine in der Corona-Krise nicht nur nach seiner Wahrnehmung stark gestiegene Wertschätzung der klassischen Medien, also auch seines Senders. Die Hessenschau, nach wie vor journalistisches Aushängeschild des Hauses, brach vor zwei Wochen Tag für Tag den Allzeit-Zuschauerrekord. Sogar auf den Instagram-Accounts des HR sei „gewaltiger Zuspruch“ zu registrieren, sagt der Intendant. Bei aller Freude verstellt solcher Zuspruch Krupp nicht den Blick auf die Fakten. Er muss beispielsweise zur Kenntnis nehmen, dass für die Hälfte der Deutschen, die jünger als 25 Jahre sind, „Youtube“ und Instagram die wichtigsten Informationsquellen sind. Aber auch die Älteren nutzen oft den Hörfunk nicht mehr klassisch, sondern über Podcasts und schalten den Fernseher nicht mehr zur Sendezeit ein, sondern nutzen die Mediatheken dann, wenn es ihnen genehm ist – Krupp nennt das „einen enormen digitalen Schub bei unseren älteren Kernzielgruppen“. Folgerichtig lässt sich das, was den Intendanten seit vier Jahren umtreibt, auf einen einfachen Nenner bringen: Der Chef des Hessischen Rundfunks hat sein Haus darauf auszurichten, dass es seine inneren Strukturen dem geänderten Nutzungsverhalten der Gebührenzahler anpasst.

Das klingt einfach. Aber es gilt, eingerostete Strukturen sowie Besitz- und Machtansprüche zu überwinden. Wie in Großunternehmen gerät auch in einer öffentlich-rechtlichen Anstalt über Eitelkeiten oder Leidenschaft für das eigene Metier gern das Gesamtinteresse aus dem Blickfeld. Niemand will Zuständigkeiten „verlieren“, Mitarbeiter schon gar nicht. Abteilungen und Personen bekämpfen sich dann eher, als harmonisch dem Ganzen zu dienen. Krupp hat früh erkannt, dass erst die Mentalitäten, dann die Strukturen zu verändern sind. Die Zauberworte dabei heißen Teamgeist und permanenter Austausch. Nicht ohne Stolz berichtet der Intendant, dass Vorschläge für die Änderung von Zuständigkeiten sogar von denen gekommen seien, die ein Stück ihrer „Macht“ hätten abgeben müssen. Als wichtigste Antwort auf das geänderte Nutzerverhalten zählt er längst die Crossmedialität, also das Zusammenspiel von Fernsehen, Hörfunk und Internetauftritt. Krupp hat entschieden, dass vom 1. August an die Zuständigkeit für alle drei Kanäle bei einer Person gebündelt wird, der 60 Jahre alten Gabriele Holzner, bis dato Fernsehdirektorin des Hessischen Rundfunks.

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