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Hohe Kosten, komplizierte Strukturen : Die Naspa in der Dauerkrise

Auch im Westerwald zu Hause: die Nassauische Sparkasse, hier die Zentrale in Wiesbaden Bild: Michael Kretzer

155 Zweigstellen unterhält die Nassauische Sparkasse, 2000 Menschen stehen bei ihr in Lohn und Brot. Doch verdient hat das öffentlich-rechtliche Kreditinstitut seit Jahren so gut wie nichts. Und für 2009 erwartet es wieder mehr faule Firmenkredite.

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          Auch wer weit, ganz weit in den Westerwald fährt, nach 56203 Höhr-Grenzhausen beispielsweise oder 56335 Neuhäusel, wird von der Naspa nicht alleine gelassen. Selbst in solch entlegenen Orten betreibt das Unternehmen mit Sitz in Wiesbaden noch Filialen, manche Dörfer werden sogar mit fahrenden Zweigstellen, einem in die Jahre gekommenen Omnibus, angesteuert. Kaum eine andere Sparkasse, deren Geschäftsgebiet größer ist – es reicht von Frankfurt nach Wiesbaden, wo das öffentlich-rechtliche Kreditinstitut seinen Sitz an der Rheinstraße hat, bis hinüber nach Rheinland-Pfalz, in den Westerwaldkreis und den Kreis Limburg-Weilburg.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          155 Zweigstellen unterhält die Naspa, gut 2000 Menschen stehen bei ihr in Lohn und Brot. Doch verdient hat das öffentlich-rechtliche Kreditinstitut seit Jahren so gut wie nichts. Nur mit größten Mühen konnte der Vorstand 2008 die Ausweisung eines Verlusts vermeiden – mit einem millionenschweren Griff in die Reserven und dem Verzicht auf Abschreibungen. Auch 2007, als andere Häuser noch Rekordgewinne machten, war in Wiesbaden am Jahresende nicht ein Euro Gewinn geblieben. Für Naspa-Kenner nichts Neues. Schon 2003 war ein Verlust nur durch die Hebung von Reserven ausgeblieben, 2004 ebenso. Allein in den Boomjahren 2005 und 2006 ließen sich magere Überschüsse erwirtschaften.

          Übermäßig viele faule Firmenkredite

          Die Naspa pflegt nichts auszulassen. Über Jahre hinweg plagte sie sich mit übermäßig vielen faulen Firmenkrediten herum, die das Gros des im laufenden Geschäft erzielten Gewinns auffraßen. Dann kam jemand auf die Idee, „Problemkunden“ mit einer Girokontogebühr von 20 Euro im Monat hinauszudrängen, was für einen Aufschrei in der Politik sorgte und ad acta gelegt werden musste. Zuletzt war es die Lehman-Pleite, die das Haus mit Wucht traf. Mit 42 Millionen Euro war die Naspa bei der insolventen Investmentbank engagiert. Weitere 17 Millionen musste sie wegen Engagements bei der IKB und in Island abschreiben.

          Derlei ließe sich besser wegstecken, wäre die Naspa sonst hochprofitabel. Auf den ersten Blick sind die Bedingungen dafür auch gut – schließlich zählt sie mit Frankfurt, Wiesbaden und dem Taunus eine der reichsten Regionen Deutschlands zu ihrem Geschäftsgebiet. Doch ist hier eben auch die Konkurrenz besonders groß, was die Margen schrumpfen lässt. In den entlegenen Gegenden wiederum ist dieser Druck geringer, dafür aber auch der Wohlstand. Das riesige Filialnetz und die große Zahl der Beschäftigen kosten viel Geld. In der Finanzbranche, in der man sich gerne anhand von Kennziffern vergleicht, wird stets berechnet, wie hoch die Personal- und Sachkosten im Verhältnis zu den Roherträgen sind, also dem, was beim Anlegen und Verleihen von Geld oder als Provision beim Aktienhandel der Kunden hängen bleibt. Mehr als 60 Cent soll ein Haus eigentlich nicht ausgeben, um einen Euro einzunehmen, so hatte der Sparkassenverband einmal vorgegeben. Bei der Naspa sind es 78 Cent.

          Straffung des Filialnetzes

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