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Hofheimer Stadtmuseum : Leihgaben für Tate Modern und Centre Pompidou

Ausdrucksstark: Karl Schmitt-Rottluffs „Veranda mit Sonnenschirm“ in der Ausstellung „Malgründe“ im Stadtmuseum in Hofheim Bild: Cornelia Sick

Vor 25 Jahren wurde das Hofheimer Stadtmuseum gegründet. Dank expressionistischer Künstler von Rang pflegt das Haus heute internationale Kontakte in der Kunstwelt.

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          Das Schreiben aus dem Centre Pompidou landete vor wenigen Tagen auf dem Tisch von Museumsleiterin Eva Scheid. Die Kollegen der berühmten Pariser Schaustätte erkundigten sich nach den Hofheimer Depotbeständen und wollten eine mögliche Zusammenarbeit ausloten. In der Tate Modern in London hängen derzeit schon Leihgaben aus dem Hofheimer Stadtmuseum – drei experimentelle Fotos der Künstlerin Marta Hoepffner. Die beiden Beispiele sind Beleg dafür, dass sogar internationale Institutionen mitunter auf die kleine Kreisstadt des Main-Taunus-Kreises blicken. Wenn das Hofheimer Stadtmuseum an diesem Sonntag mit einem Tag der offenen Tür seine Eröffnung vor 25 Jahren feiert, tut es das in dem Bewusstsein, weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt zu sein.

          Refugium für verfemte Künstler

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Mehr als 120 Ausstellungen gab es in den vergangenen 25 Jahren. Allein die Schau der expressionistischen Gemälde mit dem Titel „Brücke und Blaues Haus“ in Kooperation mit dem Kulturfonds Rhein-Main zog vor acht Jahren mehr als 10.000 Besucher an. Dabei war der Museumsbau in Hofheim lange Zeit umstritten. Mehr als 30 Jahre währte die Diskussion, bis das Projekt für damals 6,4 Millionen Mark in die Tat umgesetzt werden konnte. In zweieinhalb Jahren Bauzeit wurde das ehemalige kurmainzische Hofgut aus dem 18. Jahrhundert umgebaut und um einen modernen Anbau ergänzt. Als das neue Museum am 5. November 1993 zum hundertsten Geburtstag der Kunstmäzenin Hanna Bekker vom Rath seine Pforten öffnete, erwies das Museum mit der Farbe Blau an Fensterrahmen, Geländern und Dachstreben im oberen Stockwerk dem legendären „Blauen Haus“ auf den Kapellenberg optisch seine Reverenz.

          Das Hofheimer Refugium bot den von Nazis verfemten und verfolgten Künstlern von internationalem Rang wie Karl Schmidt-Rottluff, Ludwig Meidner oder Ernst Wilhelm Nay vor und nach dem Krieg eine Heimstätte. In zahlreichen Hofheim-Motiven widmeten sich die Expressionisten der Stadt, wie die morgen eröffnete Ausstellung „Malgründe“ zeigt. Ein Alleinstellungsmerkmal, das jedes Museum benötigt, bieten ebenjene Verbindungen zum Blauen Haus und Hanna Bekker vom Rath. Aber wenn die Sonderausstellungen auch besondere Attraktionen sind, so gibt es auch spezifische Hofheimer Themen, die neue und andere Besuchergruppen anziehen.

          Das Konzept für die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte entwickelte Scheid schon 1989 zusammen mit der Stadtarchivarin Roswitha Schlecker. Längst wurde die Schau modernisiert. An Hörstationen werden die Dialekte verschiedener Hofheimer Stadtteile geboten, oder es erklingt das Hofheim-Lied, gesungen vom Chor Concordia. An die Geschichte der Lederindustrie im Lorsbachtal erinnert die hydraulische Chagrinier- und Bügelpresse. Wie zahlreich die Mühlen entlang des Schwarzbachs einst gewesen sind, lässt sich anhand eines Modells erkennen. Längst sind auch die Römer-Funde der Ausgrabungen vom Hochfeld, die zur Eröffnung noch nicht allesamt von den Archäologen gefunden waren, im Stadtmuseum zu sehen.

          Es sei gelungen, sich im Spannungsfeld der Großstädte Frankfurt, Mainz und Wiesbaden zu bewähren, sagt Scheid. Es gebe ein gutes Netzwerk, in der Sponsorensuche und bei Kooperationen öffne sich das Museum seit Jahren, so dass ihr um die Zukunft nicht bange sei, sagt sie. Die nächste Generation der Museumsmacher werde sich stärker mit der Digitalisierung zu beschäftigen haben. Wie das Hofheimer Stadtmuseum mit seiner Leiterin, den zwei Teilzeitkräften und den 30 ehrenamtlichen Mitarbeitern diese Aufgabe bewältigen könne, wisse sie allerdings heute noch nicht.

          Zum Tag der offenen Tür am Sonntag von 11 bis 18 Uhr gibt es römische Flechtfrisuren und Körpermalereien von 13 Uhr an, das szenische Puppenspiel „Der Hessebub und die Feine“ wird um 14 Uhr gezeigt. Um 15 Uhr hält Markus Scholz einen Vortrag zu den „Römern in Hofheim“, es folgt eine Jam-Session mit den Sängerinnen Carla Rupperti und Alicia Sprey um 16 Uhr.

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