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Hofheim : Investor aus Wetzlar soll Chinonplatz bebauen

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Die seit Jahren diskutierte Bebauung des Chinonplatzes neben dem Hofheimer Rathaus ist ihrer Verwirklichung einen Schritt näher gerückt. Der Magistrat hat sich dafür ausgesprochen, mit der Scholz Verwaltung ...

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          Die seit Jahren diskutierte Bebauung des Chinonplatzes neben dem Hofheimer Rathaus ist ihrer Verwirklichung einen Schritt näher gerückt. Der Magistrat hat sich dafür ausgesprochen, mit der Scholz Verwaltung GmbH konkret über den Kauf der städtischen Grundstücke und die Errichtung eines Einkaufszentrums samt Kino zu verhandeln. Das Konzept des Wetzlarer Unternehmens sieht vor, auf dem etwa 10000 Quadratmeter großen Areal einen Komplex mit einem Verbrauchermarkt von 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche zu errichten. Ein Discounter mit 800 Quadratmeter, ein Bekleidungsgeschäft mit 1200 und ein Sportartikelanbieter mit 1800 Quadratmeter Verkaufsfläche könnten nach den Vorstellungen des Investors dort ebenfalls einziehen. Außerdem schwebt ihm ein Elektrofachmarkt mit 2000 Quadratmetern vor. Zu diesen insgesamt 9800 Quadratmeter Verkaufsfläche kämen ein kleines Kino mit drei Sälen zu je 120 bis 150 Plätzen und Gastronomie.

          Von den ursprünglich acht Investoren, die sich für das Projekt interessiert hatten, waren seit Oktober mit dreien vertiefende Gespräche geführt worden. Die anderen beiden waren die GEG Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH Köln-Marsdorf und die Stuttgarter Sepa Projekt- und Entwicklungsgesellschaft im Städtebau mbH. Alle drei Unternehmen hatten die Bedingungen, zu denen sie das Grundstück kaufen, Altbauten abreißen und Vorgaben der Stadt akzeptieren wollten, jeweils in einem "Letter of Intent" festgehalten. Darin sei der Gesprächsstand so konkret wie möglich fixiert worden, sagte Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD). Das Areal umfaßt den Parkplatz vor der Stadthalle, die Baugrube des ehemaligen Hallenbads, einen kleineren Gewerbebau mit Restaurant und das alte Feuerwehrgelände. Es sei klar, daß der Chinonplatz "nicht über den Preis verkauft wird", sagte Stang. Er sei vor allem städtebaulich wichtig. Deshalb wolle die Stadt ihre Vorstellungen durch eine Dienstbarkeit im Grundbuch und Regelungen im Bebauungsplan festschreiben. Dazu gehöre die Schaffung großflächigen Einzelhandels, der beim Scholz-Vorschlag größer ausfalle als bei den Mitbewerbern. Das Einzelhandelsgutachten aus dem Jahr 2000 habe gezeigt, daß ein solcher "Frequenzbringer für die Kernstadt" wichtig sei, um den Kaufkraftabfluß aufzuhalten. Entscheidend sei, daß sich der neue Verbrauchermarkt vom vorhandenen Angebot, etwa des Innenstadtkaufhauses, absetze. Dies könne zum Beispiel "weniger Frische und Beratung" bedeuten. Mit den Einträgen ins Grundbuch wolle die Stadt sicherstellen, daß nicht später kleinflächiger Einzelhandel einziehe oder "Shop-in-Shop"-Konzepte den großen Markt ersetzten.

          Das Konzept von Scholz hat nach Worten Stangs bei den drei Kriterien Nutzung, städtebauliche Einbindung und Kaufpreis am ehesten überzeugt. Die Anbindung solle über die Rudolf-Mohr-Straße erfolgen, ebenso die Anlieferung. Das Verkehrsgutachten habe eine Obergrenze von 800 zusätzlichen Parkplätzen gesetzt, sagte Stadtrat Wolfgang Winckler (SPD). Davon benötige Scholz 580, so daß die Stadt weitere 200 beanspruchen könne. Wesentliche Änderungen zu dem im vergangenen Jahr präsentierten Entwurf hätten sich bisher nicht ergeben, sagte Stang, was sich aber ändern könne, wenn die Mieter feststünden. Architektonisch überzeuge das Konzept aus Wetzlar durch die Einbeziehung der Topographie. Die Pläne von Scholz sehen ein gläsernes, in mehrere Baukörper gegliedertes Einkaufszentrum mit einem terrassierten, amphitheaterähnlichen Platz vor. Ob tatsächlich ein Kino zum späteren Angebot gehört, müssen noch die Verhandlungen mit möglichen Betreibern zeigen. Entsprechende Forderungen in der öffentlichen Diskussion hätten die Preisvorstellungen der Betreiber beeinflußt, sagte Winckler. Dabei sei ein Kino für den Investor ohnehin nicht gewinnbringend, sondern werde vermutlich nur die Kosten decken.

          Allen Entwürfen gemeinsam ist ein zum Kellereiplatz hin gelegener Haupteingang für Fußgänger. Eine Überquerung der Elisabethenstraße müsse eine gute Anbindung nicht verhindern, sagte Stang. Winckler ergänzte dazu, die Stadt wolle sich mit relativ geringem Aufwand und zeitnah darum bemühen, die Fußgängerführung über das jetzt ausschließlich als Parkplatz genutzte Kellereigelände zu verbessern. Auch die Pläne für eine Kleinmarkthalle in einer Scheune des Hofs Ehry sollten vorangetrieben werden. Gedanken haben sich alle drei Investoren auch über die Bebauung des Grundstücks an der Ecke von Pfarrgasse, Elisabethenstraße und Kellereiplatz gemacht. Weil die Nutzung noch "wenig belastbar" sei und die Kaufpreisvorstellungen unter dem Einstandspreis der Stadt lägen, schlägt der Magistrat allerdings vor, dieses Projekt zurückzustellen. bie.

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