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Ausgrabungen am Taunus : Hoffen auf Keramik-Scherben

Studenten suchen zunächst mit Schaufeln und dann mit Spateln nach Bodenverfärbungen, die auf Relikte im Untergrund hinweisen können. Bild: Marcus Kaufhold

Auf einer Fläche für ein Neubaugebiet bei Hofheim am Taunus befand sich einst ein Lager der römischen Armee. Archäologen graben dort — aber nicht nach wertvollen Schätzen.

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          Die runde Ecke ist verräterisch. An dieser typischen Form können Archäologen ein Lager der römischen Armee erkennen. Die Soldaten des Imperiums zogen stehts einen Graben um den Lagerplatz, auf dem sie für die Nacht die Zelte aufschlugen. Die Erde aus dem Graben schichteten sie zu einem Wall auf, auf dem sie aus angespitzten Holzpfählen einen Palisadenzaun bauten. Diese Befestigung gehörte bei den Römern zu jedem Lager, auch wenn es nur für eine Nacht war. Die Form war immer gleich, das Lager rechteckig, längs und quer hindurch führten die beiden Hauptstraßen, und die Ecken waren eben abgerundet. Und diese Befestigung hat Spuren im Erdreich hinterlassen, die auch nach Jahrhunderten noch sichtbar sind.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die runde Ecke des Römerlagers haben Archäologen auf dem Ackerland östlich des Hofheimer Stadtteils Marxheim entdeckt. Festgestellt wurden die Spuren ohne einen Spatenstich, nur durch eine magnetische Messung vor einigen Jahren. Wo einst ein Graben ausgehoben wurde, gibt das Magnetfeld der Erde ein verändertes Bild an, wie der Archäologe Daniel Burger-Völlmecke von der Frankfurter Universität erläutert. So lässt sich in einer Voruntersuchung klären, wo eine Grabung lohnt.

          Anlass für die magnetische Messung sind die Pläne für das Gebiet östlich der Frankfurter Straße. Dort soll in den nächsten Jahren das große Baugebiet Marxheim II entstehen. Die Fläche muss auf Spuren der Vergangenheit untersucht werden, bevor die Überbleibsel durch die Bauarbeiten zerstört werden, wie Dieter Neubauer sagt, Bezirksarchäologe beim Landesamt für Denkmalpflege. Die Magnetfeldmessung zog sich über mehrere Jahre hin, daher haben die Forscher schon eine gute Vorstellung von dem Lager, das sie freilegen wollen, wie Burger-Völlmecke sagt.

          Nach Waffen oder Schmuck wird nicht gesucht

          Es handelt sich um ein Marschlager, also nicht um ein Kastell mit Bauten aus Stein, sondern um einen Lagerplatz für eine Zeltstadt, der vielleicht nur für eine Nacht, vielleicht aber auch einen ganzen Sommer lang benutzt wurde. Das Lager für eine Legion, das heißt für bis zu 6000 Mann, lag genau neben einer Fernstraße, welche die Römer um das Jahr 85 nach Christus gebaut hatten und die am heutigen Hofheim vorbei von dem römischen Stützpunkt in Mainz in die Wetterau führte. Die Längsseiten des Lagers liegen genau parallel zur Straße, wie die Archäologen aus der Magnetmessung wissen.

          Lageplan: Die beiden Römerlager sind unter dem Kreishaus entdeckt worden.

          Die Altertumsforscher machen sich allerdings wenig Hoffnung auf spektakuläre Funde wie Waffen oder Schmuck aus Edelmetall, wie der Ausgräber sagt. Sie erwarten nicht Funde, die in einem Museum ausgestellt werden könnten, sondern Befunde, wie es in der Sprache der Wissenschaftler heißt, also Spuren im Boden, die belegen, wo etwa die Befestigung verlief oder wo es Abfallgruben gab.

          Die Forscher können Graben oder Gruben der Römer anhand von Verfärbungen im Erdreich erkennen. Dazu trägt ein Bagger die Humusschicht des Ackers ab, so dass eine 30 Zentimeter tiefe Grube entsteht. Darin geht das Grabungsteam zu Werk. Studenten sind in Handarbeit dabei, mit einem Spatel den Boden zu glätten. Auf dieser ebenen Fläche sind die Verfärbungen des Bodens zu erkennen, wie Burger-Völlmecke sagt.

          Nach Abfallgruben suchen die Archäologen, weil sie sich Hinweise auf das genaue Alter des Lagers erhoffen. Finden sie Scherben aus Keramik, können sie aus deren Form eine Datierung ableiten. Bisher wissen sie nur, dass das Marschlager vermutlich aus der Zeit vom ersten bis zum dritten Jahrhundert stammt.

          Schon vor der am Montag begonnenen Ausgrabung wurden bereits Funde gemacht. Vor zwei Jahren gingen Helfer mit Metalldetektoren über das Feld. Dabei mussten die Wissenschaftler sich allerdings mit bescheidenen Entdeckungen zufriedengeben. Zutage kam eine Münze aus späterer Zeit und ein Metallring, der als Führung für einen Zügel gedient hatte.

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