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Neue Rekorde erwartet : Hitzesommer werden auch in Hessen zur Normalität

Wohin die Reise geht, machen die Jahresdurchschnittstemperaturen deutlich: Im Rekordjahr 2018 lag das Jahresmittel in Frankfurt bei 12,48 Grad – der höchste Wert, der an der Messstation am Flughafen je registriert wurde. Damit wurde der bisherige Spitzenwert von 12,11 Grad aus dem Jahr 2014 viel deutlicher übertroffen als in Hessen und Deutschland insgesamt, wo das Jahr 2018 mit 10,6 Grad beziehungsweise 10,4 Grad nur 0,3 respektive 0,1 Grad über den Rekorden von 2014 lag. Noch vor 30 Jahren war an solche Werte im Grunde nicht zu denken. Der offizielle langjährige Normalwert, der sich auf die Periode von 1961 bis 1990 bezieht, liegt in Frankfurt bei lediglich 9,7 Grad. Bis 1990 blieben die Jahrestemperaturen in der Mainmetropole zumindest stets unterhalb der Elf-Grad-Schwelle – seitdem sind Werte darüber aber zur Normalität geworden.

Aktuelle Hitzewelle noch nicht beendet

Noch deutlicher zeigt sich diese Tendenz zur Erwärmung bei einem Blick auf die wärmsten Jahre: Sämtliche Werte in den Frankfurter Wärme-Top-Ten stammen aus der Zeit seit 1994. Allein in den vergangenen fünf Jahren haben es vier in diese Liste geschafft: 2018 mit 12,48 Grad als neuer Spitzenreiter, 2014 mit 12,11 Grad auf dem zweiten, 2015 mit 11,58 Grad auf dem vierten und 2017 mit 11,23 Grad auf dem zehnten Platz. Mit einem Jahr wie 1940, als der Jahresmittelwert in Frankfurt unter der Acht-Grad-Schwelle blieb, ist heutzutage nicht mehr zu rechnen – mit Mittelwerten von 13 und mehr Grad dagegen schon.

Abweichungen gibt es: Doch besonders in den in den vergangenen fünf Jahren ist die Temperatur stark angestiegen.

Anders als die offizielle Deutschlandstatistik des Deutschen Wetterdienstes reicht die Datenreihe an der Wetterstation am Frankfurter Flughafen zwar nicht bis 1881 zurück. Die am Flughafen im Jahr 1936 begonnene Messreihe umfasst aber inzwischen auch mehr als 80 Jahre und hat zudem den Vorteil, dass sie außer den Tagestemperaturen auch andere Werte enthält, etwa die schon erwähnte Zahl der heißen Tage. Denn die zeigen zusammen mit den sogenannten Sommertagen, an denen der jeweilige Höchstwert 25 oder mehr Grad erreicht, besonders deutlich, wie sehr sich das Klima auch in Frankfurt und Umgebung in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

Die Frankfurter Statistik für diese Werte wurde im Jahr 1949 begonnen, und der Verlauf der beiden Kurven in der Grafik unten auf dieser Seite zeigt deutlich, dass sowohl die Zahl der Sommertage als auch die der heißen Tage bei allen Ausschlägen in den vergangenen Jahrzehnten tendenziell zugenommen und im vergangenen Jahr ihren bisherigen Höhepunkt erreicht haben: Mit 108 Sommertagen und 43 heißen Tagen lag 2018 einsam an der Spitze. Das sind fast dreimal beziehungsweise fünfmal so viele solcher Tage, wie es im langjährigen Mittel normal wäre, nämlich 42 beziehungsweise neun.

Solche extremen Ausprägungen des Wetters sind nach Ansicht der Klimaforscher eine plausible Begleiterscheinung der fortschreitenden globalen Erwärmung. Als deren Folge sagen die Experten schon seit Jahren nicht nur steigende Durchschnittstemperaturen, heißere Sommer und mildere Winter voraus, sondern auch längere Trockenperioden und extremere Niederschläge mit heftigen Gewittern, unwetterartigem Starkregen und Hagelschlag. Die hat es zuletzt im vergangenen Jahr mit seiner ungewöhnlichen Wärme und vor allem der monatelangen extremen Trockenheit gegeben.

Dazu passt eine Auswertung des Deutschen Wetterdienstes zu „markanten Hitzewellen“ in ausgewählten deutschen Städten. Diese erfasst den Zeitraum von 1950 bis 2015 und beschreibt die Häufigkeit von Perioden, in denen mindestens einmal im Jahr an mindestens 14 zusammenhängenden Tagen das mittlere Tagesmaximum bei 30 oder mehr Grad lag. In Frankfurt hat es solche extremen Hitzephasen in den 65 erfassten Jahren insgesamt 18 Mal gegeben – und 13 davon wurden in den Jahren seit 1990 registriert. Die Rekorde-Jagd ist also noch lange nicht abgeschlossen. Und auch die aktuelle Hitzewelle ist noch nicht beendet: Nach den Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes setzt sich das „störungsfreie Hochdruckwetter“ der vergangenen Tage fort – und es könnte schon heute neue Spitzenwerte geben. In ihren Prognosen für den letzten Juni-Tag sprechen die Meteorologen von Höchsttemperaturen zwischen 34 und 38 Grad in Frankfurt und Umgebung. Es ist demnach noch einmal alles drin: ein neuer Juni-Höchstwert ebenso wie ein Rekord für die Ewigkeit.

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