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Hochzeitsmesse : Jawort im Weinberg und Flitterwochen in Grönland

Traum für einen Tag: Romantik sei angesagt, meinen die Leute, die sich von Berufs wegen mit Brautkleidern beschäftigen. Bild: Cornelia Sick

Ein teures Vergnügen: 20 000 Euro sind für eine festliche Hochzeit nicht eben viel Geld. 120 Aussteller zeigen in Mainz, worauf Braut und Bräutigam auf keinen Fall verzichten sollten.

          Die vorgesehene Grönlandreise haben sie noch gar nicht gebucht. Doch auch so rechnen Biggi und Christian (die ihre Nachnamen lieber für sich behalten möchten) schon jetzt mit Kosten in Höhe von rund 18.000 Euro für ihre Hochzeit, die am Pfingstsamstag in einem Weindorf auf der rechten Rheinseite gefeiert werden soll. Schließlich wollen am Festtag 130 Gäste bewirtet werden. Zuvor möchten die beiden Achtundzwanzigjährigen, die bereits einige Jahre zusammenleben und deshalb eher auf unterstützende Geldgeschenke denn auf Haushaltsgeräte und Porzellan Wert legen, den Polterabend genießen; und sich zudem – selbstverständlich getrennt voneinander – von Freunden zum Junggesellen- respektive Junggesellinnenabschied einladen lassen. Beide gönnen sich das volle Programm, bei dem auch ein weißer Hochzeitswagen nicht fehlen darf, der sie von der Kirche im Weinberg in die bereits gemietete Festhalle bringen soll.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

          Seit Juni 2009 laufen die Vorbereitungen für den 22. Mai 2010. Dazu gehörte nicht zuletzt ein Besuch der Hochzeitsmesse Rhein-Main, bei der am Wochenende rund 120 Aussteller in der Mainzer Rheingoldhalle einem durchweg interessierten Publikum gezeigt haben, was Braut und Bräutigam im Jahr 2010 auf alle Fälle benötigen: Hübsch verzierte Ringkissen beispielsweise, zu Preisen von 40 Euro an aufwärts, sowie handliche Blütenkörbchen mit Stoffbezug: Beides gab es am Wedding-Stand von Anna Laurenz, an dem darüber hinaus lange haltbare Aufbewahrungsboxen für Erinnerungsstücke präsentiert wurden. Auch an Trauringen, in allen erdenklichen Farben, Formen und Materialien, mangelte es in der Rheingoldhalle nicht.

          Eher zögerlich

          Biggi und Christian sind jedenfalls fündig geworden. Auf die beiden nun zurückgelegten Modelle im Gesamtwert von 1000 Euro hat ihnen der Juwelier gar einen Messerabatt von zehn Prozent gewährt. Bei der Suche nach Einladungskarten waren sie gleichfalls erfolgreich, so dass ein weiterer Punkt auf der langen Vorbereitungsliste erleichtert abgehakt werden konnte.

          Der Herr zeigt sich ganz in Schwarz - die Braut trägt dagegen auch Grün um den Bauch, denn Gün ist ja die Hoffnung

          Auf Fragen zum Brautkleid antwortete die junge Frau im Beisein des Auserwählten verständlicherweise eher zögerlich. Am Ende verriet sie dann aber doch, dass es eine champagnerfarbene Kreation sein wird. Womit sie voll in dem von der verstorbenen „Lady Di“ begründeten Trend liegt, wie die Modeberaterinnen des Wiesbadener Enzoani-Teams bestätigten. Romantik sei gefragt – angefangen bei der Kirche über den Veranstaltungsort bis hin zum Hochzeitskleid, das nur noch selten in Weiß, sondern meist in einem Elfenbeinton gehalten und möglichst noch dazu mit prachtvoller Stickerei versehen sei. Wofür in der Regel Preise zwischen 600 und 2500 Euro verlangt werden. Männer kommen mit rund 500 Euro für einen aus Hemd, Weste, Plastron, Jacke und Hose bestehenden Fünfteiler vergleichsweise günstig weg.

          Gute Ausbeute

          Richtig teuer kann es werden, mit vielen Gästen in einer „außergewöhnlichen Event-Location“ zu feiern: in einer alten Burg beispielsweise oder einem mit mehreren Sternen dekorierten Hotel. Um nichts falsch zu machen, könne sich der Einsatz eines professionellen „Weddingplaners“ durchaus lohnen, sagte Roman Kerber, der als Projektmanager des Congress Centrums Mainz auch bei der 15. Auflage der Hochzeitsmesse wieder gut 5000 Besucher erwartete, von denen erfahrungsgemäß „mehr als 90 Prozent ganz konkret mit der Vorbereitung eines größeren Familienfests oder Jubiläums beschäftigt sind“. Schließlich werden in Mainz jährlich rund 800 Ehen geschlossen.

          Von einer guten Ausbeute spricht Touristikexperte Markus Michel immer dann, wenn etwa jeder Dritte, mit dem er an seinem Messestand ein intensives Vorgespräch geführt hat, später tatsächlich in seinem Wiesbadener Reisecenter vorbeischaut. Bali liege im Trend, aber auch andere Fernreiseziele wie Kuba, Jamaika, die Seychellen und Mauritius seien für den Honeymoon beliebt – nur eben nicht Europa. Eine Hochzeitsreise nach Grönland, wo Biggi und Christian „noch einmal diese gewaltigen Eisblöcke sehen möchten, bevor die Kinder auf die Welt kommen“ und sie dann ja wohl erst einmal einige Jahre Familienurlaub machen müssten, entspricht dagegen nicht so ganz den üblichen Vorstellungen von traumhaften Flitterwochen.

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