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Main-Deich kann saniert werden : Hochwasserschutz für Offenbach

Nur etwas mehr Durchblick: Auch nach der Deichsanierung wird es aus Sicherheitsgründen keinen freien Blick in Höhe des Isenburger Schlosses geben. Bild: Cornelia Sick

Der Hochwasserschutz am Main wird erneuert. Denn eine grundlegende Sanierung des Main-Deiches ist dringend notwendig. Bis zum eigentlichen Baubeginn dauert es aber noch Jahre.

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          Es gab Zeiten, da hat das Hochwasser des Mains in Offenbach ganze Häuser zum Einsturz gebracht und Todesopfer gefordert, allein 1882 starben so vier Menschen. Der Main war schon damals wichtig für die Industrie der Stadt, aber eben auch unberechenbar. Der Fluss reichte auch ohne Hochwasser bis an das Isenburger Schloss heran, und einen schützenden Wall gab es noch nicht.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Das änderte sich erst 1890, als die Stadt einen Vertrag mit dem Frankfurter Unternehmen Philipp Holzmann und der Offenbacher Firma Philipp Forster schloss. Für die enorme Summe von 840.000 Mark sollte ein knapp 1,7 Kilometer langer Deich entstehen. Der wurde auch gebaut, beschäftigt aber die Offenbacher auch heute noch immer wieder. Denn die stetigen Ausbesserungen reichen schon lange nicht mehr aus, eine grundlegende Sanierung ist überfällig.

          Nun sind alle Hindernisse für eine solche grundlegende Ertüchtigung beseitigt: Der erforderliche Planfeststellungsbeschluss liegt vor, alle Einspruchsfristen sind abgelaufen, und der Beschluss hat Rechtskraft, wie Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) erleichtert wissen lässt. Das Regierungspräsidium in Darmstadt hat schon vor Jahren angemahnt, dass der Deich nicht nur erneuert, sondern auch erhöht werden müsse. Und zwar so, dass er auch einem Hochwasser standhält, das statistisch nur alle 200 Jahre vorkommt. Deshalb muss der Wall um bis zu 50 Zentimeter wachsen.

          Eine europaweite Ausschreibung

          Das Regierungspräsidium ist aus historischen Gründen für Teile des Deichs zuständig, für einen Großteil trägt aber Offenbach die Verantwortung. „Nach Jahren der Planung und Umplanungen wurde am Ende eine überzeugende Variante für den Ausbau erarbeitet, die alle Anforderungen an den Hochwasserschutz erfüllt und gleichzeitig wichtige städtebauliche Interessen vereint“, sagt Dezernent Weiß.

          Das bedeutet allerdings nicht, dass es nun bald mit dem Bau losgehen wird. Erst einmal muss eine detaillierte Ausführungsplanung beginnen. Das geht nicht ohne Ausschreibung, die wegen des erheblichen Umfangs der Planungsarbeit europaweit erfolgen muss. Allein das dauert wiederum Monate. Derzeit geht die Stadt davon aus, dass im Frühjahr 2021 die Planung vergeben werden kann. Ein Jahr darauf könnten dann die eigentlichen Arbeiten am Deich beginnen. Das allerdings ist auch in der Prognose der Stadt der frühestmögliche Zeitpunkt. Der Verlauf anderer Projekte solcher Dimensionen spricht dafür, dass sich die Ertüchtigung des Deichs länger hinziehen wird.

          Die Detailplanungen lassen sich in drei Abschnitte unterteilen, die allesamt in der Verantwortung der Stadt liegen. Dazu zählt der innerstädtische Deichabschnitt, der von der Carl-Ulrich-Brücke an der Grenze zu Frankfurt bis zum ehemaligen Allessa-Gelände reicht, auf dem die Stadt den Innovationscampus plant. Der zweite, rund einen halben Kilometer lange Abschnitt umfasst das Areal vor Rumpenheim bis zu Höhe des Schlosses. Der dritte und mit 160 Metern kürzeste Abschnitt liegt in Rumpenheim an der Gemarkungsgrenze zu Mühlheim. Die erste Variante, in die 2011 auch Wünsche der Bürger eingeflossen waren, hatte das Regierungspräsidium mit der Begründung abgewiesen, sie biete keinen hinreichenden Schutz gegen Jahrhunderthochwasser.

          Der Idee, die Sanierung dazu zu nutzen, vom Fluss aus einen freieren Blick auf städtebauliche Schmuckstücke wie das Isenburger Schloss zu schaffen, wollte das Regierungspräsidium nicht folgen. Die notwendige Lücke im Deich in Höhe der Schloßstraße bei Hochwassergefahr nur mit mobilen Elementen zu schließen sei nicht sicher genug, hieß es.

          Nun wird der rund fünf Meter breite Durchgang in Höhe des Schlosses auf 15 Meter ausgedehnt und erhöht. So soll dem Wunsch der Bürgerschaft wenigstens teilweise entsprochen werden, die Sicht von der Stadt auf das Wasser zu ermöglichen. Die Gesamtkosten für Offenbach wurden zuletzt mit knapp 19 Millionen Euro beziffert. Gut zehn Millionen soll das Land Hessen zuschießen.

          Kern der Ertüchtigung sind bis zu zehn Meter lange Spundwände, die in das Erdreich gedrückt werden. Der Wunsch vieler Offenbacher, möglichst alle Bäume auf dem Deich zu erhalten, wird sich nicht erfüllen. Die Eingriffe in den Deich seien zu erheblich. 135 von 250 Bäumen werden fallen müssen. Etwa dieselbe Menge werde aber neu gepflanzt, verspricht die Stadt.

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