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Hochtaunus : Wahlkampf über die Höhe hinweg

Markus Koob, CDU-Bundestagskandidat im Wahlkreis Hochtaunus Bild: Cornelia Sick

Im Wahlkreis Hochtaunus, der sich von Bad Homburg und Oberursel bis in den Westerwald erstreckt, stellt die CDU seit Jahrzehnten den Abgeordneten. Für die anderen Kandidaten kommt es auf den Listenplatz an.

          Es ist Stand der historischen Forschung, den Limes eher als Grenzlinie mit der Möglichkeit zu Handel und Austausch zu betrachten. Seine Rolle als unüberwindbares römisches Bollwerk gegen germanische Barbaren ist in den Hintergrund getreten. Eine solche Sicht verlangt auch der Bundestagswahlkreis 176 den Kandidaten ab, die dort um die Erststimmen am 24.September kämpfen. Denn er erstreckt sich zu beiden Seiten des zum Welterbe erklärten Bodendenkmals, und die Fahrt über den Taunuskamm gehört für die Bewerber zum guten Ton. Weshalb Markus Koob (CDU) nicht nur auf der Podiumsdiskussion im Gymnasium Oberursel, sondern auch auf der Fleckviehschau in Runkel zu finden ist. Und Hans-Joachim Schabedoth (SPD) der Rot-Kreuz-Rettungswache in Bad Homburg einen Besuch abstattet, ohne seine Weilroder Genossen zu vernachlässigen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Zum Wahlkreis gehören der Hochtaunuskreis mit Ausnahme von Königstein, Kronberg und Steinbach und der ehemalige Oberlahnkreis. Die CDU ist im Vordertaunus traditionell stark, während die SPD in den Kommunen Beselich, Löhnberg, Mengerskirchen, Merenberg, Runkel, Villmar, Weilburg, Weilmünster und Weinbach im heutigen Landkreis Limburg-Weilburg eher einmal punkten konnte. Sie sind allerdings deutlich kleiner als die Städte vor der Höhe, so dass es dem Sozialdemokraten Schabedoth auch diesmal schwerfallen dürfte, der Union nach 41 Jahren das Wahlkreismandat streitig zu machen. Als Koob 2013 zum ersten Mal antrat, konnte er die Premiere sogleich mit 43 Prozent für sich entscheiden. Schabedoth musste sich mit 24,7 Prozent zufriedengeben, hatte gegenüber 2009 aber immerhin 3,3 Punkte hinzugewonnen.

          Koobs Weg nach Berlin führte über die Kommunalpolitik

          Die beiden Kandidaten liegen nicht nur eine Generation auseinander – Schabedoth ist 65, Koob 39 Jahre alt. Sie unterscheiden sich auch in ihrem politischen Werdegang. Der aus dem Kreis Höxter stammende Sozialdemokrat, der nach der Lehre als Elektromechaniker studiert hat und promoviert wurde, kommt aus der Gewerkschaftspolitik. Er war Referent für Grundsatzfragen beim Vorstand der IG Metall und Leiter der Abteilung Gesellschaftspolitik beim Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Als Mitglied im Ausschuss Wirtschaft und Energie sieht er seine Aufgabe darin, die Arbeitsplätze von morgen zu sichern. „Mit dem Koalitionspartner CDU haben wir das Mögliche realisiert, aber mit einem besseren Ergebnis wollen wir endlich das Nötige tun“, sagte er dieser Tage auf einer Podiumsdiskussion des Bad Homburger Jugendbeirats.

          Koob gehört dem Ausschuss für Familie, Frauen, Senioren und Jugend an und sieht sich als Anwalt für Generationengerechtigkeit. Dabei will er, dass die Interessen der jungen Menschen nicht zu kurz kommen. Sein Weg nach Berlin führte über die Kommunalpolitik: Er war Oberurseler Stadtverordneter und gehört dem Kreistag an. Der Jurist und Politikwissenschaftler arbeitete mehrere Jahre als persönlicher Referent von Landrat Ulrich Krebs (CDU). Bei seiner ersten Nominierung vor vier Jahren hatte er noch reichlich innerparteiliche Konkurrenz. Sein Wahlergebnis, aber auch die Verbindung in den Wahlkreis, aus dem Koob zahlreiche Besuchergruppen in Berlin empfangen hat, haben diesmal Ambitionen anderer gar nicht aufkommen lassen. Das galt auch für das Weilburger Land, wo Koob nach eigener Aussage inzwischen jedes Blitzgerät an der B456 kennt.

          Nicht nur in Berlin stehen Koob und Schabedoth derzeit als Koalitionspartner auf derselben Seite. Schwarz-Rot ist als Folge der Kommunalwahl auch im Taunus die Farbkombination der Stunde geworden. Sowohl im Kreistag als auch in den beiden größten Städten Bad Homburg und Oberursel sind CDU und SPD eine Verbindung eingegangen. Damit musste sich die FDP abfinden, lange der natürliche Partner der Union. Stefan Ruppert hat diese Zeiten als Oberurseler Stadtverordneter und Kreistagsabgeordneter erlebt. Er will in den Bundestag zurückkehren, wohin ihn der Ausnahmeerfolg der Liberalen im Jahr 2009 getragen hatte. Damals kam die FDP bei der Bundestagswahl mit 20,1 Prozent im Wahlkreis fast an die 21,4 Prozent der SPD heran. Umso bitterer war der Absturz vier Jahre später. Diesmal kann der 46 Jahre alte Landesvorsitzende zuversichtlicher sein. Schafft es die FDP in den Bundestag, wird er mit Platz zwei auf der Landesliste dabei sein. Für den SPD-Kandidaten Schabedoth könnte es mit Listenplatz 17 knapper werden. Derzeit gibt es 16 hessische SPD-Bundestagsabgeordnete.

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          Bei der AfD schien es noch vor wenigen Monaten so, als hätte Landessprecher Peter Münch aus Bad Homburg ein Bundestagsmandat so gut wie sicher. Doch dann musste die Liste wegen eines Formfehlers neu aufgestellt werden. Münch war seinen zweiten Platz los und zog sich ganz zurück. Jetzt tritt die Nummer sieben der Liste, der 41 Jahre alte Andreas Lichert aus Bad Nauheim, an. Wie Ruppert hat auch Wolfgang Schmitt, der 58 Jahre alte Kandidat der Grünen, Bundestagserfahrung. Sie liegt allerdings schon länger zurück: Von 1994 bis 1998 gehörte Schmitt, zuvor Landesvorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, dem Parlament an. Seit längerem lebt der frühere Geschäftsführer der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Oberursel, wo er Stadtverordneter ist. Einer Rückkehr in den Bundestag dürfte sein Listenplatz zwölf entgegenstehen. Die Linke schickt ihre Vorstandssprecherin im Hochtaunus, Silvia Lehmann, ins Rennen. Die 54 Jahre alte Marketing-Fachfrau engagiert sich für Tierschutzvereine im In- und Ausland. Vervollständigt wird die Riege der Wahlkreisbewerber durch den Auszubildenden Peter Schüppenhauer aus Wehrheim, der für die Freien Wähler antritt.

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