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Hochschulen : Lehrstoff an der FH Gießen: Liebe und Sex

  • -Aktualisiert am

Die FH Gießen wird zur „Schule des Lebens” Bild: dpa

Ein besonderes Angebot hält die Fachhochschule Gießen-Friedberg bereit: In einer „Schule des Lebens“ bekommen die angehenden Maschinenbauer, Informatiker und Betriebswirte Nachhilfe in Liebe, Sex und Lebensgestaltung.

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          Guter Sex ist für Christian Zielke reine Kopfsache. Da gibt es den visuellen Typ, der Dessous und Kerzenlicht zu schätzen weiß. Bei manchen steht das Fühlen im Vordergrund, bei anderen das Hören. „Finden Sie heraus, was Sie selbst brauchen und was Ihr Partner braucht - und das bedienen Sie dann“, erklärt der Professor der Fachhochschule Gießen-Friedberg dem gebannt lauschenden Publikum. Zur Illustration des Lehrstoffs zeigt Zielke einen kurzen Sexfilm im Hörsaal. Wo sonst komplexe Formeln aufgemalt sind, räkelt sich nun ein Pärchen auf einem Küchentisch und in der Badewanne.

          Geradezu fürsorglich kümmert sich die mittelhessische Hochschule um das sexuelle Wohl ihrer Studenten: In einer „Schule des Lebens“ bekommen die angehenden Maschinenbauer, Informatiker und Betriebswirte Nachhilfe in Liebe, Sex und Lebensgestaltung. „Während meines Studiums hat mir keiner gesagt, was ich tun muß, um glücklich und wohlhabend zu sein“, begründet Zielke seine angeblich bundesweit einzigartige Initiative. „Die Ausbildung an Hochschulen ist sehr einseitig.“ Für den beruflichen Aufstieg jedoch brauche man höchstens zehn Prozent des gelernten Fachwissens.

          Techniken aus dem Management- und Verkaufstraining

          In die Welt der restlichen 90 Prozent können Interessierte in der „Schule des Lebens“ hineinschnuppern - und sich etwa die Kunst des Flirtens, den Umgang mit Niederlagen und den Weg zum Reichtum zeigen lassen. All das erreiche man ganz einfach mit Techniken aus dem Management- und Verkaufstraining, verspricht der dynamisch wirkende 42 Jahre alte, der sich vom Hauptschüler zum Professor für Kommunikation in der Wirtschaft emporgearbeitet hat. „Die Tricks aus dem Marketing gehen auch bei der Partnersuche.“

          Die eigenen Vorzüge jedoch als „Produkt“ und künftige Partner als „Zielgruppe“ zu definieren, sorgt bei den Studenten für Erheiterung. Erst recht, als Zielke eine Checkliste für potentielle Lebensgefährten präsentiert - inklusive Einkommen und Gewicht. Bei der Besprechung eines „Aktionsplans“ dagegen werden eifrig Notizen gemacht: An drei Abenden pro Woche auf die Pirsch gehen, mehrere Wunschpartner in die Auswahl nehmen, nicht mehr über alte Affären grübeln. Wenn man streng nach Plan vorgehe, lockt Zielke, „haben Sie Ihren Traumpartner im Dezember unter dem Weihnachtsbaum“.

          Auch für das „Leben nach dem Flirt“ hat der Wissenschaftler und Managertrainer ein Patentrezept parat. Damit der Alltag nicht zum Beziehungskiller werde, müsse man lediglich die Werte des Partners erfüllen, rät Zielke, der seit 20 Jahren mit derselben Frau zusammen ist. Was ist dem anderen wichtig - Abenteuer, Harmonie, finanzielle Sicherheit? „Wenn Sie die Werte eines Menschen kennen, kennen Sie die Knöpfe, die Sie drücken müssen, um ihn glücklich zu machen.“

          „Sie müssen nicht schön sein, um sexy zu sein“

          „Das ist ja wohl ein bißchen simpel“, raunt eine 30 Jahre alte Grundschullehrerin ihrer Nachbarin zu. Ein anderer BWL-Student dagegen findet die Denkanstöße zwar überzogen, aber gut: „So wissenschaftlich hab ich darüber noch nie nachgedacht.“ Und eine Frau um die 40 schwärmt, daß Zielke seine Theorie „so locker rüberbringt“. Sätze wie „Sie müssen nicht schön sein, um sexy zu sein“ perlen aus dem Mund des Professors, von Dozieren keine Spur: Im Hörsaal wummert Musik, Bilder von Karibik-Stränden leuchten an der Wand, und in nachdenklichen Momenten ertönen sanfte Streicherklänge.

          Die unkonventionellen Themen ziehen alle zwei Wochen gut 100 Studenten an die Hochschule statt in die Kneipe, wie Zielke berichtet. „Schon bei der Premiere der Veranstaltungsreihe im vergangenen Wintersemester war immer volles Haus - obwohl wir mit dem Freitagabend einen unmöglichen Termin gewählt haben.“

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