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Hochschule : „Ilias“ korrigiert Klausuren sofort

  • -Aktualisiert am

In Mainz korrigiert das Prüfungsprogramm „Ilias” bis auf die Volltextantworten alle Ergebnisse direkt. Bild: AP

Nur vor dem Zentrum für Datenverarbeitung auf dem Mainzer Uni-Campus drängt sich ein Pulk junger Leute: Medizinstudenten, die zur Anatomieprüfung angetreten sind. Dort und in Frankfurt werden Studenten am Computer geprüft. Die Ergebnisse gibt es noch am selben Tag.

          Morgens um acht ist der Mainzer Uni-Campus noch fast menschenleer. Nur vor dem Zentrum für Datenverarbeitung drängt sich ein Pulk junger Leute: Medizinstudenten im ersten und zweiten Semester, die zur Anatomieprüfung angetreten sind. Drinnen erwartet sie allerdings kein Professorengremium und auch kein viele Seiten dickes Aufgabenheft. Diesmal stellt die Fragen der Computer.

          Etwa 440 Studenten nehmen an der bisher umfangreichsten elektronischen Klausur der Gutenberg-Universität teil. Prüfungen am Computer gebe es aber schon länger, sagt Günter Wetter, stellvertretender Leiter des Zentrums für Datenverarbeitung: Seit dem Wintersemester 2004/2005 seien mehr als 8500 Studenten auf diese Weise examiniert worden. Dabei würden sowohl Freitext-Aufgaben verwendet als auch Multiple-Choice-Fragen. In Spanisch-Prüfungen würden regelmäßig Audio-Sequenzen eingesetzt, die sich die Studenten über Kopfhörer anhören könnten. Bis auf die Volltextantworten korrigiere das Prüfungsprogramm „Ilias“ alle Ergebnisse direkt.

          Etwaige Fälschungsversuche sofort zu erkennen

          Damit die Studenten während der Klausur nicht ins Internet könnten, seien spezielle Benutzereinstellungen installiert worden, sagt Wetter. Außerdem werde bei allen Zugriffen auf „Ilias“ die Computerkennung erfasst. Falls sich Externe in das Programm einklinkten und die Ergebnisse zu fälschen versuchten, könne man dies sofort erkennen.

          Der Fachbereich Medizin der Universität Frankfurt hat sogar ein Netzwerk geschaffen, das nur für Prüfungen genutzt wird, um Manipulationen auszuschließen. Wie der zuständige Mitarbeiter Richard Melamed erläutert, gehört der Server der Universität; Computer und Säle müssten derzeit für die Prüfungen noch gemietet werden. Ein Raum, in dem Notebooks und Server fest installiert werden könnten, sei aber auf dem Gelände des Uni-Klinikums geplant. An diesem „europaweit einzigartigen Großvorhaben“ hätten schon andere Universitäten und weitere Fachbereiche der Uni Frankfurt Interesse bekundet, sagt Melamed.

          Seit Dezember 2006 werden die Abschlussklausuren der klinischen Semester in Frankfurt am Computer abgenommen. Die Studenten könnten sich dabei die Bilder, die vorher nur für kurze Zeit an die Wand projiziert worden seien, jetzt so lange ansehen, wie sie wollten, erläutert Prüfungsleiter Johannes Schulze. In Zukunft wolle man auch noch Audio- und Video-dateien integrieren, um medizinische Befunde besser darstellen zu können.

          Programm stürzt gelegentlich ab

          Große Unterschiede zur Prüfung auf Papier gebe es nicht, meint ein Student aus der Mediziner-Fachschaft. Ärgerlich sei allerdings, dass es gelegentlich zu Programmabstürzen komme. Das koste die Betroffenen Zeit und Nerven. Nach Angaben von Melamed schaffen die Aufseher in solchen Fällen aber schnell Abhilfe. Die Ausfallzeit werde vom Computer erfasst und dem Prüfling gutgeschrieben.

          An der Technischen Universität Darmstadt geht man solchen Schwierigkeiten bisher aus dem Weg: Dort werden Prüfungen noch auf herkömmliche Art abgenommen. Allerdings gebe es einige Seminare, in denen die Teilnahme an Diskussionsforen Voraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss sei, sagt Sprecher Lars Rosumek. In Pädagogik mache dies in manchen Kursen 20 Prozent der Endnote aus. Ein nur auf die Prüfung ausgerichtetes Lernen solle so verhindert werden. Die TU plane zudem, bis 2010 ihr elektronisches Lernangebot zu erweitern: Ein Drittel des Stoffes soll dann online abrufbar sein.

          Die Mainzer Anatomie-Prüflinge sind unterdessen froh, dass sie wieder eine Hürde ihres Studiums genommen haben. Auf die Ergebnisse müssen sie - dem Computer sei Dank - nicht lange warten: Sie werden schon um 11.30 Uhr veröffentlicht.

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