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Hochschule Fresenius : Geschäftsführer im Studium

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Auf eine bestimmte Branche sind die Labs nicht festgelegt. „Aber wir clustern, denn jeder Gründer benötigt eine eigene und individuelle Förderung“, stellt Faust klar. Da die Gründungen jedoch oft aus dem Studienfach heraus erfolgten, gäbe es zwangsläufig Schwerpunkte. In Frankfurt und Idstein werden zahlreiche Studiengänge aus dem Gesundheitssektor angeboten, daher dominierten dort Startups aus diesem Gebiet. „Da ist dann aber auch alles dabei, von der Gründung einer Praxis bis zu digitalen Angeboten“, erläutert der Leiter und fügt an: „In Wiesbaden sitzt eher die Klientel für digitale und medienstarke Geschäftsmodelle.“

Etwa 80 Prozent aller Gründungen erfolgen aus dem „Ökosystem der Hochschule“ heraus, bestätigt Dennis Lotter, Studiendekan für den Master of Entrepreneurship an der Hochschule. Das Masterprogramm ist ihm zufolge an dem Gründungsprozess ausgerichtet. „Wir haben das Masterprogramm so entwickelt, dass man schon während des Studiums gründen kann“, sagt Lotter. So gebe es etwa Module, mit deren Hilfe Studenten an ihren eigenen Geschäftsideen arbeiten können. „Die Studenten erhalten von uns Methoden und Werkzeuge und können diese unmittelbar anwenden“, schildert er das Verfahren.

Mehrere Alleinstellungsmerkmale

Die Hochschule stellt zudem den Kontakt zu Investoren her, ergänzt Faust. Beispielhaft nennt er das Investorennetzwerk Wiesbaden und die Business Angels Frankfurt Rhein-Main. Beide seien Kooperationspartner der Hochschule. In Zukunft wolle sich die Hochschule selbst an Start-ups beteiligen und auch Geld bereitstellen. „Das ist sozusagen die erste Tankfüllung, um das Förderkonzept rund abzuschließen“, sagt Faust.

Was aber macht die Hochschule besser als andere Gründerzentren? „Ich bin selbst Gründer und diesen harten Weg gegangen. Ich erzähle nicht nur etwas aus dem schlauen Lehrbüchlein“, antwortet Lotter auf die Frage. „Die Hochschule Fresenius ist durch zwei große Unternehmerfamilien geprägt, die gemeinsam mit uns diesen Geist leben: die Familien Fresenius und Oetker. Johanna und Arend Oetker sind bei uns fest verankert. Das ist etwas, was uns auszeichnet und uns Exklusivität verleiht. Das können viele andere Hochschulen nicht“, ergänzt Faust. Zudem sei die Hochschule Fresenius an neun Standorten in ganz Deutschland vertreten, auch dies bezeichnet er als Alleinstellungsmerkmal.

Als weiteren Vorteil skizzieren Faust und Lotter die enge Verzahnung von akademischer Gründungsvorbereitung und der praktischen Ausgestaltung in den neuen Pioneer Labs. Es gehe auch darum, die „absoluten Potentialträger“ zu identifizieren und diese mit Hilfe des Accelerator-Programms „noch schneller und besser“ zu machen, sagt Faust und fügt an: „Wir haben Freiberufler, wir haben Existenzgründer, und wir haben Start-ups. Jede dieser Formen braucht eine andere Art der Förderung.“

Die zielgerichtete Unterstützung kommt gut an. „Mit Hilfe von Dennis Lotter und dessen Netzwerk hat uns ein Mentor zum Thema Vertrieb aufgeschlaut“, berichtet Kaulfuß und nennt ein Beispiel: „Wenn man nicht weiß, wie der Hase läuft, verkauft man sich unter Wert, und die Provisionen im Vertrieb fallen viel zu üppig aus.“ Ohne die Beratung der Mentoren „hätte uns das sehr weh getan“.

Für Faust und Lotter ist das eine Bestätigung, die sie aber noch steigern können. „Es gibt ein Beispiel, das den absoluten Erfolg darstellt. Das ist die Gründung von Westwing mit Delia Fischer. Sie hat bei uns in München im Fachbereich Design studiert. Westwing ist ein echtes Unicorn und hat eine Marktbewertung von nahezu einer Milliarde Euro“, erläutert Faust. Das börsennotierte Einrichtungsunternehmen sei eine der zehn erfolgreichsten Gründungen der vergangenen Jahre in Deutschland. „Das ist das absolute Aushängeschild, das wir haben“, sagt Faust, aber auch Systolics habe das „Potential für den ganz großen Wurf“.

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