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Historisches Bad Homburg : Zwischen Pariser Hintern und leichtem Sportleibchen

Mit Schirm und Hut: Sommerkleider aus der Saison 1902 im Bad Homburger Kurbad Bild: Stadtarchiv Bad Homburg

Promenieren auf der „Lästerallee“: In einem Modebad wie Bad Homburg galt einst ganz besonders, dass Kleider Leute machen. Der einzige Beitrag der Stadt zur Mode war ein Hut.

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          Es klingt ein wenig nach angestaubtem Klischee, das Grübeln vor dem geöffneten Kleiderschrank: „Was soll ich nur anziehen?“ Vor mehr als 100 Jahren, als in Bad Homburg Kurgäste aus aller Welt neben der Heilung ihrer Leiden vor allem Zerstreuung suchten, stellte sich die Frage gleich mehrmals am Tag. Morgens auf dem Weg zum Brunnen trug man schließlich etwas anderes als beim Nachmittagstee, und das passende Abendkleid war natürlich eine eigene Herausforderung. Die mondänen Kurorte, mit denen sich Bad Homburg vor einigen Jahren vergeblich um die Anerkennung als Weltkulturerbe beworben hat, nannte man Modebäder. Das Wort hatte schon damals eine doppelte Bedeutung. Sie waren beliebt, der Aufenthalt dort also „à la mode“. Zugleich aber boten sie Gelegenheit, die neuesten Kleiderschöpfungen auszuführen.

          Bernhard Biener
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Mit dem zweiten Aspekt befasst sich die Historikerin Isabelle Berens für ihre Dissertation „Bekleidung und Mode in Kurorten der 1910er Jahre“. Ein lohnendes Thema, denn die Taktung des Bäderlebens in den morgendlichen Schluck Natriumchlorid-Säuerling, das anschließende gesundheitsfördernde Gehen an der frischen Luft, das Kurkonzert und den Restaurantbesuch verlangten nach jeweils angepasster Garderobe. Mindestens drei Kostüme empfahl 1912 die Zeitschrift „Elegante Welt“.

          Die „Fashion Week“ im Kurort

          Womit sich die erste Herausforderung schon vor der Anreise stellte, nämlich in welche Koffer die reiche Auswahl passt. Das Packen werde zur eigenen Kunst, meinte eine Berliner Zeitung. Typischerweise ergänzte die Dame dabei den Schrankkoffer um ein Behältnis für ihre Hüte, während der Herr mit Stiefelkoffer anreiste. Mit Beginn der Hauptsaison im Frühjahr war damit auch in Bad Homburg jedes Jahr „Fashion Week“.

          Es gab zwar keine offizielle Kleiderordnung, wie Berens jetzt in einem Vortrag des Stadtarchivs in der Villa Wertheimber schilderte. Sieht man von einer später aufgehobenen Vorschrift aus dem Jahr 1865 ab, nur „sauber und anständig gekleidet“ das Wasser am Brunnen zu holen. Aber inoffiziell war natürlich klar geregelt, was als schicklich galt. Die Anleitung dazu gaben Anstands- und Benimmbücher. „Zeitweise waren 145 Publikationen gleichzeitig auf dem Markt“, sagte Berens.

          Die jährlich erschienenen Kurlisten sind noch heute eine dankbare Quelle, um sich einen Überblick über das illustre Publikum aus Adel, gehobenem Bürgertum, Industrie und Künsten zu verschaffen. Dort inserierten die Frankfurter Modehäuser, in denen sich die Kundinnen die Kleider nicht selbst überzogen. Stattdessen führten Anprobierdamen das Sortiment vor. Vorbilder kamen aus Paris, wo 1858 mit Charles Frederick Worth ausgerechnet ein Engländer die erste Modenschau abhielt und zum Begründer der Haute Couture wurde.

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