https://www.faz.net/-gzg-a0sej

Historisches Rathaus : Marode Balken, bröckelnder Putz

Dach droht einzustürzen: Das historische Rathaus in Ober-Rosbach soll wieder hergerichtet werden. Bild: Wolfgang Eilmes

Das historische Rathaus von Ober-Rosbach muss umfassend saniert werden. Über die künftige Nutzung sollen die Bürger mitreden.

          3 Min.

          Die Standfestigkeit des Dachstuhls ist so weit gesichert, dass die Konstruktion nicht weiter aus den Fugen gerät. Selbst wenn die größte Gefahr damit gebannt ist: Um das Alte Rathaus in Ober-Rosbach ist es nicht gut bestellt. Marode Balken, Putz, der von den Wänden rieselt, der Fußboden in desolatem Zustand – das obere Stockwerk des prägenden Gebäudes im Ortskern des größten Rosbacher Stadtteils lässt sich wohl eher als Ruine bezeichnen. Auch die Fassade bietet keinen erfreulichen Anblick: Das Fachwerkgebälk weist Risse auf, aus dem Gefach bröckelt es an manchen Stellen so stark, dass Netze angebracht werden mussten. Im Untergeschoss sieht es zwar besser aus, weil Handwerker dort vor einigen Jahren Hand angelegt hatten, gleichwohl bedarf das historische Bauwerk umfassender Sanierung.

          Wolfram Ahlers
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Es müsse etwas geschehen, sagt Bürgermeister Steffen Maar (parteilos) und denkt dabei nicht nur an den kulturhistorischen Wert des Gebäudes. Der Bau habe auch eine wichtige soziale Funktion als Treffpunkt der Ortsgemeinschaft. Das finden auch die politischen Gremien und haben für die Finanzierung bis 2022 schon einmal zwei Millionen Euro bewilligt. Ein Betrag, der auf Kostenvoranschlägen beruht. Daraus ergibt sich ein Zeitplan, wonach bis Ende dieses Jahres die Sanierungsplanung auf dem Tisch liegen soll. Im nächsten Jahr könnten dann die Renovierungstrupps anrücken. Mindestens zwei Jahre werde es dauern, bis sich der alte Bau in neuem Glanz zeigt, sagt der Bürgermeister.

          Zuerst wird das Dach erneuert

          Denn es gibt viel zu tun. Zunächst werden sich die Arbeiten wohl auf das Dach konzentrieren, wo unter anderem sämtliche Stützenbalken und Verstrebungen zu erneuern sind, um die Standsicherheit der Konstruktion auf Dauer zu gewährleisten. Auch die Fassade braucht eine Generalüberholung, alle Gewerke gilt es zu erneuern, und ein neuer Anstrich von Balken und Fächern ist ebenfalls nötig, um das Bauwerk optisch herauszuputzen.

          Details: Schäden am Gefach
          Details: Schäden am Gefach : Bild: Wolfgang Eilmes

          Nicht weniger Aufwand ist im Innern erforderlich. Leitungen und Sanitäranlagen müssen erneuert werden. Vor allem aber geht es darum, den Grundriss im oberen Teil mit neuer Raumaufteilung zu ändern. Was bedeutet, dass Wände abgebrochen und an anderer Stelle wieder hochzuziehen sind. Geschehen wird das alles natürlich in Abstimmung mit der Denkmalpflege, aber auch mit den Bürgern. Denn die Stadt will nicht allein entscheiden, wenn es um die künftige Nutzung des Alten Rathauses geht. Was wiederum Einfluss auf das Raumkonzept hat.

          Ende vergangenen Jahres fand dafür eine erste Bürgerversammlung statt. Dabei kristallisierte sich klar der Wunsch heraus, dass das Alte Rathaus für jedermann zugänglich bleiben und vielseitig genutzt werden solle. Das Bekenntnis, das Haus möge in städtischem Besitz bleiben, dürfte nicht zuletzt mit der Diskussion vor ein paar Jahren zu tun haben. Damals ging es um die Frage, ob das Alte Rathaus an einen Investor verkauft werden sollte. Was aber letztlich daran scheiterte, dass sich unter den Bürgern Widerstand formierte und sich auch kein Investor fand, wie Maar sagt.

          Untergeschoss soll für Versammlungen genutzt werden

          Erste Vorschläge gehen nun dahin, das Untergeschoss für Versammlungen von Vereinen und Institutionen, aber auch für private Feiern und nicht zuletzt kulturellen Darbietungen zu nutzen. Im oberen Teil könnten zusätzliche Räume für Vereine entstehen, ebenso sind Probenzimmer für Musik- und Theatergruppen angedacht. In die Planungen einbezogen wird auch das Nebengebäude, in dem zurzeit unter anderem ein Trauzimmer untergebracht ist. Weitere Bürgerforen zur Detailplanung sollen folgen, wobei es dabei zu berücksichtigen gilt, was Architekten und Denkmalpflege für machbar halten.

          Das Alte Rathaus stammt in seinen Ursprüngen aus dem frühen 16. Jahrhundert, errichtet am Marktplatz nahe einer damaligen Handelsstraße. Im Untergeschoss befand sich einst ein Gemeindewirtshaus, zu dem vermutlich auch ein Wachlokal gehörte. Im Obergeschoss tagte unter anderen das örtliche Gericht, auch Versammlungsräume soll es dort schon in früheren Jahrhunderten gegeben haben. Im 18. Jahrhundert wurde neben dem Rathaus ein weiteres Gebäude errichtet, das einen zusätzlichen Ratssaal und die Gemeindewaage beherbergte. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts befand sich im Alten Rathaus die Bürgermeisterei von Ober-Rosbach.

          Danach diente das Haus verschiedenen Zwecken, unter anderem als Gaststätte, die Anfang der siebziger Jahr schloss. Dann stand das Haus mehrere Jahre leer, bis es die Stadt nach Instandsetzungen gemeinsam mit der Sparkasse nutzte, die dort eine Filiale einrichtete. Ende der neunziger Jahre übernahm die Stadt den Eigentumsanteil der Sparkasse, die noch für eine Weile als Mieterin blieb, bis die Zweigstelle aufgegeben wurde. Das Obergeschoss nutzte die Stadt bis vor einigen Jahren noch für die Verwaltung. Pläne, im Alten Rathaus wieder eine Gaststätte zu etablieren, zerschlugen sich. Dafür entstand im Untergeschoss eine Art Dorfgemeinschaftsraum.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kliniken bereiten Triage vor : An den Grenzen der Medizin

          Die Infektionszahlen schießen in die Höhe. Immer mehr Krankenhäuser müssen auf die Triage zurückgreifen. Etwas, das Ärzte eigentlich nur aus Kriegseinsätzen und der Katastrophenmedizin kennen. Aber was bedeutet das genau?
           Passagiere stehen am Flughafen München an einem Check-In-Schalter.

          Corona-Liveblog : Zwei Omikron-Fälle in München bestätigt

          Omikron-Verdachtsfall in Frankfurt vollständig geimpft +++ Spahn will Gültigkeitsdauer von Impfzertifikaten verkürzen +++ Leopoldina empfiehlt umfassende Kontaktbeschränkungen +++ Entwicklungen zur Pandemie im Corona-Liveblog.
          Bleibt im Rennen dank der Ampel: EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen

          Die Ampel und ihr EU-Kurs : Von der Leyens Chance

          Die Ampel eröffnet Ursula von der Leyen einen Weg zur zweiten Amtszeit als EU-Kommissionspräsidentin. Denn die Grünen haben zur CDU-Politikerin ein von Kooperation geprägtes Verhältnis.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.