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Test des Warnsystems : Probealarm auf allen Kanälen

Alarmsirene auf einem Hausdach: Am Donnerstag sollen bundesweit unterschiedliche Warnmöglichkeiten für den Katastrophenfall getestet werden. Bild: dpa

Sie sind trotz Warn-App auf dem Smartphone unverzichtbar: An diesem Donnerstag um 11 Uhr sollten bundesweit die Sirenen heulen. Geplant war außerdem, auch alle sonstigen „Warnmittel“ zu testen.

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          Naturkatastrophen, Hitzewellen, Terroranschläge, die Corona-Pandemie – manche Ereignisse der vergangenen Jahre rufen schon auf den ersten Blick Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf den Plan. Wohl deswegen hat der Präsident des dafür zuständigen Bundesamts, des BBK, diese Ereignisse als Beispiele dafür genannt, wie wichtig ein funktionierendes Warnsystem ist. Und da ein solches System eingeübt werden will, wird es am Donnerstag getestet – in einem bundesweit ersten Versuch. Es ist der zweite Donnerstag im September, ab sofort soll an diesem Tag jährlich ein Probealarm ausgelöst werden.

          Jannik Waidner
          Redakteur in der Wirtschaft

          Einige dürften sich an eine Zeit erinnern, in der die Probleme noch ganz andere waren: Den letzten bundesweiten Probealarm hat es im Wiedervereinigungsjahr 1990 gegeben. Das flächendeckende Sirenennetz des Bundes wurde damals zum Teil den Kommunen übergeben, in vielen Städten wurden die Sirenen jedoch stillgelegt. So auch in Frankfurt, das sich im Gegensatz etwa zu Mainz und Wiesbaden, wo das Sirenennetz noch intakt ist, stärker auf moderne Warnsysteme verlassen muss. „Am Donnerstag werden nur rund um den Industriepark Höchst und am Alessa-Werk im Osten der Stadt Sirenen zu hören sein“, hatte Rainer Heisterkamp, Pressesprecher der Feuerwehr Frankfurt angekündigt. Sonst gebe es keine Sirenen im Stadtgebiet, die für allgemeine Gefährdungslagen benutzt würden.

          Beuth wirbt für Hessenwarn-App

          Da Frankfurt damit nicht allein ist, soll der Warntag auch die verschiedenen Warn-Apps, die es mittlerweile gibt, bekannter machen. Innenminister Peter Beuth (CDU) hat anlässlich des Warntags dazu aufgerufen, die Hessenwarn-App zu nutzen: „In Zeiten sogenannter Fake News ist es von zentraler Bedeutung, dass wir im Falle einer konkreten Bedrohung schnelle und verlässliche Informationen bieten. Daher rufe ich die Bürgerinnen und Bürger in Hessen auf, die App auf ihren Smartphones zu installieren“, so Beuth.

          Bild: F.A.Z.

          Über Hessenwarn sind nach Angaben des hessischen Innenministeriums mehr als 280.000 aktive Nutzer erreichbar, die kompatible Vorläufer-App Katwarn informiert zusätzlich mehr als eine halbe Million Menschen in Hessen. Im Gegensatz zur bundesweiten Warn-App Nina (Notfall-Informations- und Nachrichten-App) lässt sich Hessenwarn detaillierter auf das lokale Umfeld personalisieren. Bei einer Bombenentschärfung können etwa einzelne Straßenzüge gewarnt werden. Passend zum aktuellen Standort empfängt Hessenwarn auch außerhalb des Bundeslands Warnungen.

          Hessenwarn sollte am Donnerstag schon um 10.45 Uhr per Push-Mitteilung Alarm auslösen, von 11 Uhr an waren bundesweit Sirenen, Lautsprecherwagen, Rundfunksender, Infotafeln und Warn-Apps am Probealarm beteiligt. So lautete jedenfalls der Plan. Doch vielerorts blieben die Sirenen stumm oder heulten verspätet los und eine Warn-App funktionierte nicht überall. In Frankfurt-Höchst tönten sie derweil zur sichtlichen Überraschung vieler Passanten lautstark, in der Ortsmitte gut vernehmbar.

          „Sämtliche Warnmittel“ in allen 16 Bundesländern sollten laut BBK getestet werden, sie alle sind Teil des Modularen Warnsystems (Mowas) des Bundes. Nach dem ersten, einminütigen Sirenensignal „Warnung der Bevölkerung“ war für 11.20 Uhr das Signal „Entwarnung“ vorgesehen. „Die Sirenen-Netze sind Sache der Städte und Gemeinden und werden nicht von Landesseite geplant“, so ein Sprecher des Innenministeriums. Es sei Teil der Strategie, auf verschiedene Warninstrumente zuzugreifen. In jedem Fall sei der Alarm ein Aufruf, sich zu informieren – ob über das Netz, über Warn-Apps oder über klassische Medien. Der Vorteil von Apps gegenüber den Sirenen sei, dass sie mit dem Warnsignal gleich die Gefahrenlage übermittelten. Wer keine App und kein Internet nutzt, bekommt am schnellsten Informationen über die Radiosender des Hessischen Rundfunks außer hr2 sowie über Hit Radio FFH.

          Auch wenn App-Nutzer im Idealfall einen Informationsvorsprung haben, hält die Feuerwehr Frankfurt wie auch der Landesfeuerwehrverband Sirenen für unverzichtbar. „Das Sirenen-Netz ist alternativlos“, sagt Heisterkamp. Mit seinem „flächendeckenden Weckeffekt“ sei es gegenüber Smartphones im Vorteil – die können schließlich auch stumm geschaltet werden.

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