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Hessisches Landesmuseum : Sanierung mit dem Blick des Archäologen

  • -Aktualisiert am

Leerstand: Ulrich Pfeiffer und Eva Kühne-Hörmann besichtigen das ausgeräumte Landesmuseum Bild: F.A.Z. - Wolfgang Eilmes

Ein Jahr lang wurden Kisten gepackt, nun beginnt die Grunderneuerung des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt. In den nächsten Jahren soll es um einen Anbau erweitert werden.

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          Mit einem energischen Ruck, die die Plane über dem Bauschild vor dem Hessischen Landesmuseum in Darmstadt löste, hat Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann (CDU), offiziell die Sanierung des Museumskomplexes eingeleitet. Für die Instandsetzung und Erweiterung des 1906 eröffneten Baus stellt das Land 51,5 Millionen Euro zur Verfügung, zu denen weitere 12,5 Millionen Euro für die Ausstattung kommen.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Teil der Modernisierung ist der Abriss des sogenannten Kargelbaus, an dessen Stelle ein neues Gebäude errichtet wird, dessen Pläne vom Architekturbüro Kleffel Papay Warncke stammen. Die Arbeiten am Hauptgebäude sollen im Herbst 2011 abgeschlossen sein, die am Erweiterungsbau im Frühjahr 2012. Im Sommer des gleichen Jahres ist die Wiedereröffnung des Altbaus vorgesehen, dem Ende des Jahres der Neubau folgt.

          Eine Million Objekte zu verstauen

          Kühne-Hörmann verwies nicht nur auf die bedeutenden Sammlungen des Landesmuseums zur Kunst- und Naturgeschichte, denen das Land einen „ihrem Rang angemessenen Rahmen“ gebe wolle. Auch das zwischen 1897 und 1906 unter Großherzog Ernst Ludwig nach den Plänen des Architekten Alfred Messel errichtete Gebäude gehöre zum „bedeutenden architektonischen Erbe in Hessen“, das für künftige Generationen zu bewahren sei. Da die Sanierung des Messelbaus so umfangreich ausfalle, müsse das Haus während der Bauzeit geschlossen bleiben.

          Wie Ulrich Pfeiffer vom Hessischen Baumanagement erläuterte, beginnen noch in diesem Jahr die Arbeiten an der Fassade und dem Dach des Gebäudes sowie die Erneuerung der Fenster. Im Frühjahr nächsten Jahres solle dann der Kargelbau abgerissen und im Sommer der Grundstein für den Erweiterungsbau gelegt werden. Das Architekturbüro hat zwar einen eigenständigen, klassisch in Sockelzone, Mittelteil und Dachabschluss gegliederten Baukörper entworfen, dessen Gebäude- und Traufkanten aber die Fluchten des Messelbaus aufnehmen.

          Eine wichtige Rolle hat bei der Sanierung das Landesamt für Denkmalschutz gespielt. Der Mollerbau war während des Zweiten Weltkrieges schwer beschädigt worden und brannte zum Teil aus. Bis 1955 war der Komplex in Nachbarschaft des Darmstädter Schlosses von Georg Zimmermann weitgehend unverändert wieder errichtet worden. Allerdings kam es in den Folgejahren wegen des ständig steigenden Platzbedarfs der wachsenden Sammlungen zur Ein- und Umbauten, die die ursprüngliche Architektur verdrängten. Ein Ziel der Sanierungsarbeiten, so sagte Stephan Perry vom Hamburger Büro, sei daher, „auf fast archäologische Weise Messels Idee wieder freizulegen“.

          Für den stellvertretenden Direktor des Landesmuseums, Theo Jülich, steht die Überarbeitung der Ausstellungskonzeption unter der Leitidee „Wir wollen faszinieren und informieren“. Ziel sei ein „Erlebnismuseum“. Dazu kann nach Jülichs Auffassung an vielen Stellen die Architektur Messels hervorragend beitragen. So könnten beispielsweise die bestehenden Innenhöfe aufgewertet und als Ruheräume oder für Schauspiel, Kino und Lesungen genutzt werden. Im 9000 Quadratmeter großen Erweiterungsbau, durch den sich die Fläche des Landesmuseums um mehr als ein Viertel erweitert, ist künftig Platz für die Darmstädter Gemäldegalerie und den Internationalen Jugendstil sowie wechselnde Ausstellungen.

          Das Landesmuseum öffnet heute noch einmal seine Türen. Die Besucher werden aber weder Funde aus Messel noch mittelalterliche Altäre finden, denn das Haus ist komplett ausgeräumt. Da eine Million Objekte zu sichten, zu verstauen und abzutransportieren waren, dauerte der Umzug ein Jahr. Nach Jülich handelte es sich bei der Aktion um den größten Umzug eines Museums „seit der Flucht des chinesischen Nationalmuseums vor der Roten Armee“. Ein Besuch des Hauses, dessen Exponate nicht nur in Kisten lagern, sondern als Leihgaben in Museen in ganz Europa und den Vereinigten Staaten zu sehen sind, lohnt sich dennoch. Denn ohne Ablenkung, so die Ministerin, könne sich der Blick ganz auf Messels Architektur konzentrieren. Einzige Ausnahme ist der Block Beuys. Dessen Vitrinen stehen noch und sollen während der Sanierung auch auf dem gleichen Stockwerk mit einer Methode verschoben werden, bei der es zu keinen Erschütterungen kommt.

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