https://www.faz.net/-gzg-9qenv

Hessischer Wald : „100 Millionen neue Bäume“

Nachwuchs: Nach den Vorstellungen der Landesregierung werden in Hessens Wäldern bald massenhaft junge Bäume gepflanzt. Bild: dpa

Durch Hitze und Wassermangel sterben so viele Bäume ab, wie wohl nie zuvor. Mit Neupflanzungen und viel Geld will das Land Hessen dagegenhalten. Der SPD reicht das nicht.

          Die hessische Landesregierung will 200 Millionen Euro in den „Wiederaufbau“ des hessischen Waldes investieren. Das kündigten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Umweltministern Priska Hinz (Die Grünen) in Wiesbaden an. Das aus zwölf Punkten bestehende „Aktionsprogramm“ entspricht in seiner finanziellen Größenordnung ungefähr den Forderungen der Waldbesitzer. Auch deren Bewertung des Waldzustandes teilt die Landesregierung offensichtlich. In ihrem Konzept heißt es, dass das trockene Wetter und unterschiedliche Schädlinge bei allen Baumarten zu einem „in dieser Dimension noch nie dagewesenen Krankheitsbild und zum Absterben der Bäume auf großer Fläche“ geführt hätten. „Die Folgen des Klimawandels finden in unseren Wäldern real statt und verursachen erhebliche Schäden.“

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Für die Wiederaufforstung seien in den nächsten Jahren 100 Millionen neue Bäume nötig. Hessen ist mit einem Anteil von 42 Prozent das waldreichste Bundesland. „Für uns ist der Wald ein Stück Mystik“, konstatierte Bouffier. Er diene als Erholungsraum, sei aber auch ein wichtiges Wirtschaftsgut und trage durch die Bindung von Kohlendioxid zum Klimaschutz bei. Von 2020 an wird der Landesbetrieb Hessen Forst zusätzlich mit 30 Millionen Euro im Jahr unterstützt. Damit sollen die Schäden im Staatswald beseitigt und die Flächen zügig als Mischwald wieder aufgebaut werden. Zu dem geplanten Abbau von Personal und Zusammenlegungen von Revieren auf dem Land soll es zunächst nicht kommen. Vakante Stellen würden so lange wiederbesetzt, bis ein neues Personalkonzept vorliege, sagte Hinz. Nach ihren Angaben beschäftigt der Landesbetrieb rund 2000 Menschen.

          Für den Herbst kündigte die Ministerin ein Symposion an, bei dem Verbände und Wissenschaftler erörtern sollen, welche Baumarten am besten zu den sich ändernden klimatischen Bedingungen passen. Von der Forschung erwarte man außerdem Konzepte für den Schutz der Bäume gegen den Befall durch Schädlinge und deren nachhaltige Bekämpfung. Alle Erkenntnisse sollen auch privaten Waldbesitzern und Kommunen zur Verfügung gestellt werden.

          Wenn sie den Empfehlungen folgen und an das Klima angepasste Mischwälder anlegen, werden sie finanziell unterstützt. Als Soforthilfe sollen fünf Millionen Euro für die erste Beseitigung der Sturm- und Dürreschäden bereitstehen. Dazu zählen Aufräumarbeiten, Prävention und Bekämpfung von Waldbränden sowie das Anlegen von Lagerplätzen für große Mengen an Schadholz. Den kleineren Waldbesitzern macht nach Bouffiers Worten nicht nur der übersättigte Holzmarkt zu schaffen.

          Jahrzehnte, bis hessischer Wald wieder aufgeforstet ist

          Das Bundeskartellamt habe die gemeinsame Vermarktung durch Hessen Forst verboten. Darum müssten für diesen Zweck neue Gesellschaften aufgebaut werden. Dafür biete das Land nicht nur Beratung, sondern auch eine Anschubfinanzierung an. Von den 200 Millionen Euro, die es ausgibt, stammen laut Landesregierung 30 Millionen aus dem Bundesprogramm „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“. Der zur Verteilung des Geldes unter den Ländern zugrunde gelegte Schlüssel benachteilige Hessen, meinte Hinz. Sie will sich dafür einsetzen, dass diese Ungerechtigkeit aufhöre und Hessen mehr Geld aus Berlin erhalte.

          Der Landesverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald betrachtet das Konzept der Landesregierung als „einen ersten guten Schritt zur Rettung der hessischen Wälder“. Mit dem Plan, so schnell wie möglich klimastabile und artenreiche Wälder wieder aufzuforsten, komme man einer alten Forderung des Verbandes nach, äußerte Geschäftsführer Christoph von Eisenhart Rothe. Dasselbe gelte für die Ankündigung, rund 100 Millionen Bäume zu pflanzen. Der Sprecher des Verbandes lobte auch den Stopp des Stellenabbaus bei Hessen Forst.

          Den hält die SPD-Fraktion im Landtag nicht für ausreichend. Sie solidarisierte sich gestern mit der Forderung der IG Bau nach 200 zusätzlichen Stellen. Es werde Jahrzehnte dauern, bis der Wald wieder aufgeforstet sei, sagte der forstpolitische Sprecher Heinz Lotz. Darum werde mehr Personal gebraucht. In nahezu allen Punkten des Aktionsprogramms seien zusätzliche Aufgaben für die Mitarbeiter von Hessen Forst enthalten. Sie stünden jedoch auch in den anderen Bundesländern an, so dass ein bundesweiter Fachkräftemangel zu erwarten sei. Hessen Forst benötige darum eine Ausbildungs- und Einstellungsoffensive.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Hoeneß versus ter Stegen : Abteilung Torwartverteidiger

          Das Schauspiel um die deutschen Torhüter geht weiter: Uli Hoeneß macht sich in einem Fernsehinterview die Welt, wie sie ihm für Bayern-Torwart Manuel Neuer gefällt. Er fordert unter anderem von süddeutschen Medien mehr Rückhalt und droht dem DFB.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.