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Hessischer Wald : „Die Eiche wird überdauern“

Nachgepflanzt: Millionen von jungen Eichen aus der eigenen Baumschule sind im Gebiet des Forstamts Hanau-Wolfgang in jüngster Zeit gesetzt worden Bild: Helmut Fricke

Christian Schaefer ist Hüter von 14.000 Hektar Fläche für Hessenforst. Nun geht er in den Ruhestand. Damit überlässt der Förster seinem Nachfolger wichtige Zukunftsaufgaben – nicht nur im Wald.

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          Wald ist die große Leidenschaft von Christian Schaefer. Elf Jahre lang hat er als Leiter die Verantwortung getragen für rund 14.000 Hektar Wald des Forstamts Hanau-Wolfgang zwischen Vogelsberg und Spessart mit neun Revierförstereien und rund 65 Mitarbeitern des Landesbetriebs Hessenforst. Als der Forstwissenschaftler in der vergangenen Woche im Alter von 66 Jahren seine vielfältigen Aufgaben an Nachfolger Lutz Hofheinz übergab, nahm er ein gutes Stück dieser Verantwortung mit. Denn was er in der Forstwirtschaft veranlasste, hat Auswirkungen auf die kommenden Generationen.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Schaefers Zeit in Hanau-Wolfgang fiel in einen besonders schwierigen Abschnitt der Waldgeschichte. Der Klimawandel mit heißen, trockenen Sommern und wiederkehrenden schweren Stürmen stellte in den vergangenen drei Jahren, aber auch schon lange vorher, die Betreuer der Wälder vor große Herausforderungen. Es mussten wesentliche Entscheidungen getroffen werden, um den Weg für die Überlebensfähigkeit des Waldes in den nächsten Jahrhunderten zu bereiten. Das betrifft vor allen die Anpflanzung von widerstandsfähigeren Baumarten. Dazu gehören Douglasie, Weißtanne, Spitzahorn und Lärche. Die anfälligeren heimischen Arten wie Fichte, Buche und Erle wird es laut Schaefer nur noch in begrenzter Zahl geben. Die gerade im Spessart heimische Eiche aber werde den Wandel überstehen.

          Schaefer vergleicht die Strategie mit der Börse. Wer ein Depot anlege, müsse auch auf viele verschiedene Aktien setzen, damit langfristig Verluste ausgeglichen werden könnten. Schon vor 30 Jahren sei der Waldumbau angestoßen worden, doch jetzt müsse es unbedingt schneller gehen. Es sei fast schon zu spät für die Rettung des Waldes. Deshalb müsse intensiv geforscht werden, auch was die Nutzung von Holz als umweltfreundlichen Baustoff angehe. Die regionale Nutzung des Holzes müsse unbedingt verstärkt werden, um Importe aus Brasilien, Russland oder anderen Ländern zu vermeiden, nennt Schaefer als ein Fazit seines Berufslebens.

          Qualitativ hochwertiger Bestand

          Zur Nachhaltigkeit gehört für Schaefer, sich für einen gesunden Nachwuchs bei den Bäumen zu engagieren. Das fängt beim Saatgut an. Hessenforst unterhält am Stammsitz Wolfgang die größte Samendarre Hessens. Das Saatgut stammt zum größten Teil von eigenen gesunden Bäumen. Es wird nach der Ernte getrocknet und entweder weiterverkauft oder fachgerecht aufbewahrt. So kann kontinuierlich für einen qualitativ hochwertigen Bestand und eine Verjüngung der Wälder in Hessen gesorgt werden.

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          Einen großen Teil der Samen verwendet das Forstamt in seiner Baumschule. Besonders gefragt ist nach den Worten Schaefers derzeit die Eiche, die unter den heimischen Bäumen die widerstandsfähigste im Klimawandel sei. Deshalb werden derzeit in der Baumschule rund 15 Tonnen Saatgut aus der aktuellen Ernte ausgebracht für 1,5 Millionen Eichen. „Wir müssen Rekordmengen bereitstellen, doch unser Angebot deckt die Nachfrage bei weitem nicht“, sagt Schaefer.

          Einen Ansturm erlebt derzeit auch der Wildpark Alte Fasanerie in Hanau Klein-Auheim, der ebenfalls vom Forstamt Wolfgang geführt wird. Trotz Corona-Pause wird die Zahl von rund 220.000 Besuchern im vergangenen Jahr wahrscheinlich gehalten oder sogar noch übertroffen werden. Die 107 Hektar große Anlage ist weitläufig und bietet den Besuchern in der Corona-Krise die Möglichkeit, sich aus dem Weg zu gehen. Rund 40 mittel- und nordeuropäische Tierarten können sie dort bestaunen. Die Umweltbildung für Kinder und Erwachsene ist laut Schaefer ein Hauptanliegen der Fasanerie. Das angegliederte Forstmuseum ist allerdings etwas in die Jahre gekommen, es soll bald umgestaltet werden.

          Mit großem Interesse beobachten

          Auch mit Geld hat ein Forstamtsleiter zu tun, nicht nur für den laufenden Betrieb, sondern auch für notwendige Projekte. Derzeit neigt sich die Sanierung des malerischen Forstamtsgebäudes in Wolfgang dem Ende zu, rund 1,5 Millionen Euro wurden von Hessenforst investiert. Rund 1,7 Millionen fließen in die Teilsanierung des alten Jagdhauses an der Alten Fasanerie, wo es wieder eine Innen- und Außengastronomie geben soll. Die anstehende Modernisierung der Samendarre soll etwa 1,5 Millionen Euro kosten. Ein weiterer Millionenbetrag wird die Erneuerung des Forstmuseums erfordern. Den Fortgang all dieser Vorhaben wird Schaefer mit großem Interesse aus seinem Ruhestand beobachten, wenn er nicht gerade im Ausland weilt.

          Jahrelang war Schaefer in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tätig. So unterstützte er unter anderem in Kenia den Aufbau eines Forstsaatgutzentrums. Dieses Engagement will er fortsetzen, auch mit der Absicht, den Menschen in Afrika den Gedanken einer nachhaltigen Forstwirtschaft zu vermitteln. Mit gespanntem Interesse wird Schaefer zudem die wirtschaftliche Entwicklung der hiesigen Forstwirtschaft verfolgen.

          Eine Ungewissheit bedeutet die Überführung der Holzvermarktung des Kommunalwalds in die Verantwortung neuer Verkaufsorganisationen. Das Forstamt, dessen Betreuungsfläche zu rund 70 Prozent in kommunalem Besitz ist, will diese Areale weiter mit allen Dienstleistungen versorgen, darf das erwirtschaftete Holz aber nicht mehr selbst verkaufen, was zu erheblichen Einnahmeverlusten führt. Das könnte eine Flächenreduktion und damit verbunden einen Stellenabbau zur Folge haben, fürchtet Schaefer. Dabei sei eine konstruktive Waldbewirtschaftung unbedingt auf gut ausgebildete Fachleute angewiesen. Mit dieser Frage wird sich nun Schaefers Nachfolger befassen müssen. Der 59 Jahre alte Forstwissenschaftler Lutz Hofheinz aus Marburg ist seit 32 Jahren für Hessenforst tätig. Auch er sammelte Erfahrungen in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in Namibia, zuletzt engagierte er sich in Indonesien.

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