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Hessischer Spessart : Balance zwischen Umweltschutz und Tourismus

Für Anwohner und Touristen interessant: Der hessische Spessart Bild: Rainer Wohlfahrt

Der hessische Spessart soll Hessens erstes „Nachhaltiges Reiseziel“ werden. Nicht nur als Erholungsraum soll das Gebiet ausgebaut werden, vielmehr sollen Konflikte zwischen Bürgern und Touristen geschlichtet werden.

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          Viel hat die Spessart Tourismus und Marketing GmbH seit ihrer Gründung vor rund fünf Jahren für den Tourismus im Spessart und dem Main-Kinzig-Kreis angestoßen. Dazu zählen die Wanderwege Spessart-Spuren und der Ausbau von Mountainbike-Routen ebenso wie das Spessart-Magazin und der moderne Internetauftritt, die vielen Ausflugstipps der Spessartbotschafter und vieles mehr. Der Main-Kinzig-Kreis und die regionale Industrie- und Handelskammer, die die Gesellschaft tragen, können mit der Arbeit und den Ergebnissen der Gesellschaft zufrieden sein. Vor allem während der Pandemiewellen, als ein Auslandsurlaub für die Menschen nicht infrage kam, stieg die Zahl der Tagesausflügler aus der Region in den Spessart an. Doch je mehr Besucher in die Kurorte und die Naturlandschaft des Spessarts strömen, umso mehr Ressourcen werden verbraucht. Das ist Geschäftsführer Bernhard Mosbacher und seinem Team bewusst. Vorgenommen hat man sich, das erste als nachhaltig zertifizierte Reiseziel in Hessen zu werden. Das Land Hessen begleitet das Vorhaben, da es für andere Regionen Erfahrungen sammeln will, sagt Mosbacher.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          In vielfältiger Weise verfolgt die Tourismusgesellschaft ihr Ziel, die Marke „Spessart“ zu vermarkten, die vorhandenen touristischen Angebote zu koordinieren und regionale Akteure zu einem Netzwerk zusammenzuschließen. Als Grundlage dient ein strategischer Entwicklungsplan und seit dem Jahr 2020 die Teilnahme an dem vom Bund geförderten Forschungsprojekt „NaTourHuKi“ (Nachhaltiges Tourismuskonzept für Hanau und den westlichen Teil des Main-Kinzig-Kreises im Kontext des Regionalparks Rhein-Main). Es ist zunächst auf drei Jahre angelegt und wird gefördert im Rahmen der Initiative „Stadt-Land-Plus“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

          In den Blick genommen wird dabei das Kinzigtal von Steinau bis Hanau. Das Gebiet soll nicht nur als Erholungsraum vorankommen. Es geht auch darum, Nutzungskonflikte zwischen Bürgern und Touristen sowie zwischen wirtschaftlichen Aspekten und den Erfordernissen der Natur zu vermeiden. Den Spessart als erste Region in Hessen den Prozess zum nachhaltigen Reiseziel durchlaufen zu lassen ist ein Projekt im Rahmen von „NaTourHuKi“. Da als Förderpartner die Initiative „Spessart regional“ eingestiegen ist, wird der Umkreis der Aktivitäten auf dessen Kerngebiet begrenzt.

          Netzwerk von Teilnehmern muss aufgebaut werden

          Wenigstens wird dadurch das Projektgebiet ein Stück überschaubarer, denn auf die Tourismusgesellschaft wartet eine Menge zusätzlicher Arbeit. Unterstützt wird die Gesellschaft von den Fachleuten von „TourCert“, einer internationalen Zertifizierungsorganisation. Sie verleiht abschließend die Destinationszertifizierung „Nachhaltiges Reiseziel“. Zunächst muss Mosbacher zufolge ein Netzwerk von engagierten Teilnehmern aufgebaut werden. Das kann die Bäckerei sein, die umweltschonende Becher für den Kaffee to go ausgibt und keine Plastikfolien verwendet, oder ein Unverpacktladen. Gastronomen, Hoteliers, Ladenbetreiber, Eisdielenbetreiber, Regionalvermarkter und viele andere, die im weitesten Sinne mit dem Tourismus in der Region befasst sind, sollen angesprochen werden.

          Wer mitmachen will, der füllt eine Online-Checkliste aus. Dabei geht es nicht nur um direkte Umweltbelange. Gefragt wird beispielsweise auch nach der Mitarbeiterzufriedenheit, nach einer gerechten Bezahlung, nach der Wirtschaftlichkeit des Betriebs, nach der Verwendung von Ökostrom oder nach dem Verkehrsmittel der Beschäftigten auf dem Weg von und zum Arbeitsplatz. Selbst Fragen nach den benutzten Reinigungsmitteln fehlen nicht.

          Bei der Auswertung wird nach Stellschrauben gesucht, um mögliche Defizite zu beheben, so Mosbacher. Erstellt werden soll zudem ein Unternehmensleitbild, bei dem die Nachhaltigkeit eine tragende Rolle spielt. Erforderlich sind außerdem ein kontinuierliches Verbesserungsprogramm sowie ein Nachhaltigkeitsbericht.

          Weitere Ergebnisse des Zertifizierungsprozesses sollen die Einbindung der Bevölkerung und die Sensibilisierung der Reisenden für einen nachhaltigen Tourismus sein, der Mensch, Tier und Umwelt gleichermaßen zugutekommt. Zu der organisatorischen Seite gehört der Einsatz eines Nachhaltigkeits-Beauftragten sowie der Aufbau eines Nachhaltigkeits-Beirats als strategisches Gremium, das zweimal jährlich tagen soll. Mosbacher geht davon aus, dass der Prozess in etwa einem Jahr abgeschlossen sein und der hessische Spessart zur „Pilot-Destination in Hessen“ erklärt wird. Der Beweis ist ein entsprechendes Gütesiegel. Der Spessart zählte dann zu den ersten fünf Mittelgebirgen bundesweit, die ein zertifiziertes „Nachhaltiges Reiseziel“ sind. Der hessische Spessart wird damit zugleich Mitglied der „Exzellenzinitiative Nachhaltige Reiseziele“, in der schon zertifizierte und interessierte Destinationen zusammenarbeiten.

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