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Hessischer Erfinder : So soll der Teebeutel verschwinden

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Erfinder Simon Schmidt zeigt einen Spender mit Teaballs. Bild: dpa

Ein Tüftler aus Hessen hat eine neue Form der Teezubereitung entwickelt, die ohne den Beutel auskommt. Doch der Ingenieur hat noch weitere Pläne.

          Einfallsreichtum ist seine Stärke. Für das Ergebnis seiner nicht alltäglichen Arbeit wurde Simon Schmidt bereits mit dem Hessischen Gründerpreis prämiert. 2017 präsentierte der Wirtschaftsingenieur für den Wettbewerb ein Reparaturverfahren für Bahnschienen-Teile. Und das Erstaunliche an dem erst 35 Jahre alten Erfinder aus Gründau (Main-Kinzig-Kreis) ist: Er tüftelt nicht nur in einer Branche an Innovationen. Sie betreffen diverse Fachgebiete.

          Schmidt hat bereits einige Produkte und Geschäftsideen entwickelt. Mal geht es um Batterien für Elektro-Autos, um eine Verkaufsplattform für Videospiele und Konsolen oder um ein Werkzeug, mit dem lotrechte Bohrlöcher und Gewinde ohne aufwendige Maschinen gelingen sollen. Seine neueste Idee dreht sich um Tee. Wenn es nach ihm geht, sollte das Aufbrühen schneller gehen – ohne Teebeutel, Filter oder Sieb. „Unpraktisch“, findet er.

          Auf die Idee gekommen ist Schmidt bei einem Hotel-Frühstück: Er ärgerte er sich über einen Fleck von schwarzem Tee auf der Kleidung. Da kam ihm der Geistesblitz: „Gibt es da nichts Praktischeres als Teebeutel“? Dessen Erfindung sei immerhin schon älter als 90 Jahre.

          Teekügelchen als Ersatz zum Beutel

          Schmidt führt das Resultat seiner Entwicklungen in der heimischen Küche vor: Er greift zu einem kleinen Behälter, der an einen Süßstoffspender erinnert. Aus ihm gibt er ein paar kleine Kügelchen in eine Tasse mit heißem Wasser. „Kurz umrühren, einen Moment warten, schon haben sie sich aufgelöst – fertig“, demonstriert Schmidt.

          Schmidt hat seiner Idee den Namen Teaballs gegeben. Das Produkt plant er am 14. Mai vorzustellen und dann auf den Markt zu bringen. Die Teaballs hat er zusammen mit einer Partnerfirma in mehreren Geschmacksrichtungen entwickelt. Das Marken-Aussehen ist entworfen. Der Markenname ist geschützt. Aber Fragen zur maschinellen Großproduktion müssen noch geklärt werden, wie Schmidt sagt.

          Werden sich Käufer für Tee-Kügelchen begeistern lassen? „Bei der Marktforschung kommt das Produkt schon mal gut an“, betont er. Er habe auch bereits positive Gespräche mit dem Handel geführt. „Da gibt es einige Interessenten. Aber ich darf noch nichts verraten.“ Die Teaballs bestehen aus reinen Pflanzenextrakten ohne Zusatzstoffe, wie Schmidt erklärt. 60 Milligramm pro Kügelchen. Pro Tasse verwendet er zwei, drei Kügelchen. Dosiert wird je nach Geschmack.

          Weniger Abfall, mehr Nachhaltigkeit

          Schmidt sagt: „Ich habe nicht die Absicht, das Teetrinken zu revolutionieren. Aber es wird sicher viele Konsumenten geben, die auch die Vorteile entdecken werden: weniger Abfall, mehr Nachhaltigkeit, praktisch transportierbar in der Hosentasche.

          Für Experten ist die Verwendung von Extrakten zur Teezubereitung zwar nicht neu, aber sie halten das Konzept für interessant. „Die Idee finde ich toll und innovativ“, sagte Joachim Schmitt, Professor für Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Fulda. Die Teaballs trügen mehreren Trends Rechnung: weniger Abfall, mehr Nachhaltigkeit.

          Generation To-Go

          Auch Harald Seitz, Sprecher beim Bundeszentrum für Ernährung (Bonn), sagte, das Produkt passe zum Zeitgeist der To-go-Generation – dem schnellen, zwanglosen Konsum im Vorbeigehen. Doch kritisch sieht der Oecotrophologe: „Ich kann mir kaum einen Teetrinker vorstellen, der auf ein solches Produkt umsteigt, da es bei Teezeremonien mit Aufgießen eher um Ent- statt um Beschleunigung geht.“ Dennoch hält auch er das Konzept für technologisch beachtenswert.

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