https://www.faz.net/-gzg-agynk

Ebbelwei in Not : Gib ihm Saures!

  • -Aktualisiert am

Wohl bekomm’s: Seestermüher Zitronenäpfel sind sauer genug für die Produktion des hessischen Nationalgetränks. Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Zur Ebbelwei-Herstellung bedarf es besonders geschmacksintensiver und sauerer Äpfel. In der Wetterau wird im großen Stil für Nachwuchs gesorgt, auch Streuobstwiesen Besitzer steuern ihr Obst bei.

          4 Min.

          Was für ein prächtiger Anblick! Dicht an dicht hängen die Äpfel – manche leuchtend rot, andere in unauffälligen Grüntönen – an Hunderten Bäumen, die wie mit dem Lineal gezogen in Reihe und Glied stehen. Es ist Erntezeit auf der 2,7 Hektar großen Musterplantage, die der Ockstädter Obstbauer Steffen Rehde auf der Gemarkung von Rosbach vor der Höhe bewirtschaftet. Angepflanzt sind mehrere Sorten, die sich besonders für die Apfelwein- und Apfelsaftherstellung eignen. Mit der Karbener Kelterei Rapp’s hat Rehde einen Bewirtschaftungs- und Abnahmevertrag für das Obst geschlossen. Die Anlage dient als Referenz für potentielle Interessenten, die größere Flächen bepflanzen wollen. Außerdem soll sie den Menschen die Schwellenangst vor dieser für die Wetterau und Hessen neuen Anbauform nehmen.

          Manche Leute meinen, der Apfel gehöre ins Glas. Der Ebbelwei ist Frankfurter Nationalgetränk und Bestandteil hessischer Lebensart. Ein Antrag auf Aufnahme in das immaterielle Welterbe bei der UNESCO ist gestellt. Doch den Keltereien geht der Nachschub aus. Seit Jahren nimmt die Menge der angelieferten Äpfel von Streuobstwiesen ab. Viele Hobby-Anbauer sind in die Jahre gekommen, der Jugend fehlt das Interesse. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat Rapp’s 2017 ein regionales Kelterobstwiesenprojekt gestartet. Aktuell umfasst es 85 Hektar, davon 50 in der Wetterau und angrenzenden Regionen, sechs Hektar bei Wiesbaden und 27 in Nordhessen. Gepflanzt wurden bisher rund 48.000 Bäume, sagt Projektmanager Klaus-Dieter Kneip. Weitere Flächen sind vertraglich gesichert. Das Ziel sind 200.000 Bäume auf einer Fläche von 300 Hektar, sowohl im konventionellen als auch im Bio-Anbau. Als Ertrag werden 30 bis 40 Tonnen je Hektar angepeilt.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Cem Özdemir auf dem Online-Parteitag der Grünen im Mai 2021

          Cem Özdemir und die Partei : Grüne Kämpfe, grüne Ziele

          Bei den Grünen ist der Aufstand der Parteilinken gegen den Ultrarealo Cem Özdemir verpufft. Glück gehabt. Denn wenn die Partei in der Ampel fürs Klima kämpfen will, muss sie geschlossen sein.

          Kliniken bereiten Triage vor : An den Grenzen der Medizin

          Die Infektionszahlen schießen in die Höhe. Immer mehr Krankenhäuser müssen auf die Triage zurückgreifen. Etwas, das Ärzte eigentlich nur aus Kriegseinsätzen und der Katastrophenmedizin kennen. Aber was bedeutet das genau?