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4,35 Millionen Euro vom Land : Hessische Hochschulen bündeln Kräfte in der Corona-Forschung

  • -Aktualisiert am

Gegen Corona: Unter anderem der Marburger Virologe Sandro Halwe soll vom Pandemienetzwerk profitieren. Bild: dpa

Hoffen auf neue Erkenntnisse: Die Universitäten Frankfurt, Marburg und Gießen arbeiten künftig noch enger zusammen. Das Land unterstützt das neue „Pandemienetzwerk hessische Universitätsmedizin“ mit 4,35 Millionen Euro.

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          Insbesondere Menschen, die das Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken, sollten sich zügig gegen das Virus impfen lassen. Das hat der Sprecher des neuen „Pandemienetzwerks hessische Universitätsmedizin“, Professor Stephan Becker, am Dienstag empfohlen. Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Die Grünen) hatte den Marburger Virologen gemeinsam mit der Frankfurter Professorin Sandra Ciesek und dem Gießener Professor John Ziebuhr eingeladen, um das im September gegründete Netzwerk vorzustellen. Das Land Hessen unterstützt die koordinierte Forschung der drei Universitäten mit 4,35 Millionen Euro, um Mittel im Kampf gegen das Corona-Virus zu entwickeln. Weitere drei Millionen Euro stellt die EU für Forschungsgeräte und Laborausstattung zu Verfügung.

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          Während des Gesprächs über Forschungsansätze zur Bekämpfung der Pandemie reagierte der Marburger Forscher auf die aktuelle Impfdiskussion mit dem Hinweis, dass im Rahmen der Tests und klinischen Studien von Unternehmen wie Moderna oder Biontech viele tausend Personen mit den neuartigen Impfstoffen behandelt wurden. So hätte alleine das Unternehmen Biontech mehr als 40.000 Menschen mit dem Impfstoff immunisiert und die Nebenwirkungen beobachtet. Dabei habe man festgestellt, dass die Nebenwirkungen durch die Impfung relativ milde verlaufen würden.

          „Es ist keineswegs so, dass ein völlig ungetesteter Impfstoff auf die gesamte Bevölkerung losgelassen wird“, sagte Becker. Er schränkte indes ein, dass sehr seltene Nebenwirkungen, die beispielsweise nur ein Mal pro 100.000 Menschen auftreten, derzeit noch nicht entdeckt werden könnten. „Die wird man erst dann sehen, wenn wirklich viele Menschen mit diesem Impfstoff behandelt werden, aber das ist bei allen Impfstoffen so“, ergänzte der Wissenschaftler. Auf die Frage, wie er das Risiko beurteile, sich bereits jetzt impfen zu lassen, antwortete Becker: „Ich glaube, für die Menschen, die unter einem hohen Risiko leiden, an einer Corona-Infektion schwer zu erkranken oder möglicherweise auch daran zu sterben, für die wäre es sicherlich sinnvoll, sich bald impfen zu lassen, sobald genügend Impfstoff da ist.“

          Dorn stellt sich vor Wissenschaftler

          Das Netzwerk der Frankfurter Goethe-Universität, der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Philipps-Universität Marburg hat sich mit dem Ziel gegründet, das Sars-CoV-2-Virus und die Covid-19-Erkrankung gemeinsam zu erforschen und die wissenschaftliche Arbeit zu koordinieren. Eine Zusammenarbeit der drei Hochschulen bei „infektiologischen Notfällen“ gibt es laut Becker allerdings schon seit Jahren. Sie soll mit Hilfe des Pandemienetzwerks verstärkt werden. Die drei Professoren sind Mitglieder einer gemeinsamen Steuerungsgruppe des Netzwerks.

          Die hessischen Forscher haben indes nicht nur bei der Erforschung des Virus eine Herkulesaufgabe vor sich, sondern müssen auch kontroverse gesellschaftliche Diskussionen aushalten. „Wissenschaftler werden leider auch zum Ziel von Hass und Drohungen, weil Menschen ihnen die Schuld an den Beschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie geben“, sagte Dorn. Daher, so die Ministerin, sei es Aufgabe der Politik, klar zu sagen, wer für die Entscheidungen verantwortlich ist. Dies seien die Politiker und nicht die Wissenschaftler.

          Die Welt braucht klare Fakten, verständlich erklärt“, stellte Dorn klar und machte deutlich, dass die Forschungsergebnisse „über Leben und Tod entscheiden“. Von den Leistungen der Wissenschaftler hänge die Sicherheit der „noch nicht Erkrankten“ ab. Mit der Förderung wolle das Land auch die wichtige Rolle der Forscher in der Pandemie unterstreichen. Die Universitäten in Frankfurt, Marburg und Gießen bündeln ihre Kompetenzen neben der Virologie und Infektiologie auch in den Bereichen Pharmakologie, Mikrobiologie und Krankenhaushygiene.

          Laut Dorn verfüge Hessen über eine „besondere Kompetenz“ in der Erforschung des Virus. So habe die Frankfurter Universitätsklinik bereits im Februar dieses Jahres die Betreuung von evakuierten Deutschen aus dem chinesischen Wuhan übernommen. Das von Professorin Ciesek geleitete Institut für medizinische Virologie habe nachweisen können, dass auch symptomfreie Personen Träger des Covid-Virus sind.

          Die Philipps-Universität hat laut Becker mit der Entwicklung eines Impfstoffes begonnen, der derzeit in der klinischen Erprobung sei. Mitte nächsten Jahres könnte für den Impfstoff der Marburger Forscher die Zulassung beantragt werden. Dabei sei es interessant zu erproben, ob der hessische Impfstoff mit den neuartigen mRNA-Impfstoffen kombiniert werden könne und ob das die Immunität der Geimpften verlängere. Zudem werde in Marburg an antiviralen Wirkstoffen geforscht, die Menschen helfen sollen, die bereits an Covid-19 erkrankt sind.

          In Frankfurt, so erläuterte Ciesek, werde unter anderem untersucht, wie das Virus den Menschen als Wirt nutze und welche therapeutischen Ansätze sich daraus ergeben, um Covid-19 gezielter zu bekämpfen. Die Gießener Forscher arbeiten an der Entwicklung von Substanzen, die die Vermehrung des Virus stoppen sollen und wollen zudem neue Therapien entwickeln, um etwa Lungenentzündungen besser behandeln zu können.

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