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Hessische Polizei gegen Terror : Sturmgewehre statt Maschinenpistolen

Schusssicher: Beamte des Polizei-Notiterventionsteams üben mit neuer Ausrüstung auf der Schießanlage in Lorch. Bild: Cornelia Sick

Die hessische Polizei saniert eine frühere Schießstätte der Bundeswehr, um sich für den Ernstfall zu wappnen. Hinter der Maßnahme steckt der Kampf gegen Terrorismus.

          Ein Wechsel des Kalibers von neun auf 5,56 Millimeter klingt für den Laien vielleicht nach Abrüstung. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die hessische Polizei rüstet auf, um sich bei einer veränderten Sicherheitslage unter anderem gegen eine Bedrohung islamistischer Terroristen besser zu wappnen. Sie mustert daher sukzessive die vor mehr als 50 Jahren eingeführte Maschinenpistole MP-5 mit dem Kaliber 9 mal 19 aus und greift zum Gewehr. Die höhere Präzision, Durchschlagskraft und Reichweite sind es, die laut Polizei angesichts neuer Bedrohungslagen für eine „Mitteldistanzwaffe“ sprechen.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          „Noch vor drei bis vier Jahren war das für mich undenkbar“, gibt der Präsident des Polizeipräsidiums für Technik, Karl-Heinz Reinstädt, zu. Doch auch er ist ein Verfechter der neuen Waffe, weil er die hessischen Beamten bestmöglich gerüstet und ausgestattet in den Einsatz schicken will. Und weil diese Polizisten im Fall der Fälle nicht immer warten können, bis die stets bestens ausgerüsteten Spezialeinsatzkräfte am Einsatzort sind, müssen auch die regulären Beamten in die Lage versetzt werden, angemessen einzuschreiten.

          Dazu kann es auch gehören, gezielte Schüsse aus größerer Distanz abzugeben, beispielsweise im Einsatz gegen Terroristen oder Amokläufer. Präzise und „chirurgisch“ will die Polizei dank des neuen Gewehrs vorgehen können. Polizeitaktisch wäre die Maschinenpistole dann überfordert. Es gehe darum, wie die Guten gegen die Bösen gewinnen können, sagt Waffenexperte Jürgen Sohnemann. Für die Beweissicherungs- und Festnahme-Einheiten wurden deshalb schon 130 G36-Gewehre von Heckler und Koch im Kaliber 5,56 mal 45 beschafft. Ob die Standardwaffe der Polizei von diesem Hersteller stammen wird, ist noch nicht entschieden. Für weitere 1400 Gewehre läuft derzeit die Ausschreibung.

          Intensiveres Schießtraining nötig

          Der Wechsel von einer veralteten Maschinenpistole zu einem modernen Gewehr mit Zieloptik setzt allerdings auch ein regelmäßiges und intensiveres Schießtraining voraus. Zwar hat die Polizei etliche Raumschießanlagen, doch dort lassen sich nur Einsatzdistanzen bis 25 Meter realistisch üben. Reinstädt ist daher froh über die Schießanlage im Wald bei Lorch, die auch über eine 300-Meter-Schießbahn verfügt. Die Anlage war in den sechziger Jahren von der Bundeswehr für das in Lorch stationierte Flugabwehrregiment 5 errichtet worden.

          Nach dessen Auflösung 1993 sicherte sich die Polizei die Anlage, auch als Trainingsgelände für Sondereinheiten und Spezialeinsatzkräfte. Nun wächst die Bedeutung der Schießstätte „Hölzerner Himmel“ wieder, und das Polizeipräsidium für Technik investiert rund 2,2 Millionen Euro in seine Ertüchtigung. Dazu gehören Betonwände statt Erdwällen zwischen den Schießbahnen, Granulat statt Sand in den Geschossfangkammern, neue Zäune gegen Wild und Mensch, neue Elektrotechnik und Hochblenden über der Schießbahn. Seit Juli ruht der Ausbildungs- und Schießbetrieb wegen der Arbeiten, im März soll es wieder losgehen.

          Die Besonderheit ist, dass die Polizei die Anlage nicht für sich allein beansprucht. An den Abenden und an den Wochenenden üben dort die Reservisten der Bundeswehr und die Mitglieder der Lorcher Schützenvereine. Im Gegenzug pflegen sie für die Polizei die Anlage, deren Unterhaltung aufwendig ist, weil sie nicht an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen ist. Die Lorcher Feuerwehr bringt Wasser im Tankwagen, den Strom erzeugt ein großer Generator. Reinstädt spricht von einer „optimalen Nutzung“.

          Neuer Einsatzwagen muss her

          Eine neue, drei Kilogramm schwere Waffe zieht aber weitere Investitionen nach sich. So bedarf es einer neuen Schutz- und Einsatzkleidung, die einen Kompromiss zwischen dem maximalen Schutz des Trägers und dessen größtmöglicher Beweglichkeit bedeutet. Die Polizei hat schon 2000 Exemplare der neuen, jeweils 2200 Euro teuren Schutzausrüstung beschafft.

          Doch weil auch ein versehentlicher Gewehr-Treffer eines Kollegen der Maßstab ist, wird dieser Schutz aufwendiger und schwerer. Das wiederum bedeutet, dass die Polizei wohl auch ihren Standard-Einsatzwagen, einen Opel Zafira, austauschen muss, weil dessen Zuladekapazität erschöpft ist, wenn auch noch ein Art Tresor eingebaut wird, der Diebe dann abhalten muss, wenn Beamte das Fahrzeug einmal ohne das rund 3000 Euro teure Gewehr verlassen wollen. Derzeit werden drei Autos anderer Hersteller auf ihre Tauglichkeit getestet.

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