https://www.faz.net/-gzg-si9y

Hessisch Lichtenau : Regen und Proteste zum Auftakt des Hessentages

  • -Aktualisiert am

Cabriofahrt im Regen: Teilnehmer der Oldtimer-Rallye Bild: dpa

Der Hessentag hat begonnen - begleitet von unübersehbaren Studentenprotesten und anhaltendem Regen. Während des Landesfestes sind mehr als 1000 Veranstaltungen vom Popkonzert bis zum Vertriebenentreffen angekündigt.

          2 Min.

          Nach eineinhalb Stunden des Wartens im Landregen unter einem Meer wiegender Schirme sprach Ministerpräsident Roland Koch (CDU) auf dem Kirchplatz endlich die erlösenden Sätze: „Damit ist der Hessentag 2006 in Hessisch Lichtenau offiziell eröffnet.“ Die Lichtenauer gaben - zum ersten Mal am gestrigen Freitag nachmittag - die Schirme zum Beifallklatschen aus den Händen, und die Studenten, die zum Protest gegen die Studiengebühren angereist waren, blieben stumm. Koch hatte auch sie willkommen geheißen, denn der friedliche Protest gehöre in der Demokratie dazu.

          Bis zum 4. Juni soll die kleine Stadt am Fuß des Hohen Meißners nun die heimliche hessische Hauptstadt sein. Die mehr als 1000 Veranstaltungen sollen aber auch Besucher aus den Nachbarländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Thüringen anlocken. 650.000 bis 800.000 Besucher werden erwartet, sofern das Wetter mitspielt. Die Voraussagen lassen nichts Gutes erwarten. Koch riet den Lichtenauern zu Pragmatismus: „Nehmen Sie das Wetter, wie es ist. Das schaffen wir zusammen.“ Auch für die Ruhesuchenden wußte der Ministerpräsident guten Rat: „Es wird gefeiert werden in diesen Tagen. Feiern Sie mit, gehen Sie raus, und Sie haben keine Last, daß Sie beim Schlafen von Lärm gequält werden.“

          „Aufwertung“ des Werra-Meißner-Kreises

          Trotz Regens schienen alle, vom Landrat über den Bürgermeister bis zum Hessentagspaar, glücklich zu sein. Landrat Dieter Brosey (SPD), der mit dem Hessentag am 5. Juni aus dem Amt scheiden wird, freute sich über die „enorme Aufwertung“, die sein Werra-Meißner-Kreis durch das Fest erfahre. Mit der Lossetalbahn, der Straßenbahnverbindung von Kassel nach Hessisch Lichtenau, sei die Hessentagsstadt an das „internationale Verkehrsnetz“ angeschlossen worden. Brosey ließ Goethe schwärmen, die Landschaft um den Hohen Meißner sei überherrlich. Die Frankfurter und die Wiesbadener, die lieber in den Süden führen, lud der Landrat ein, sich - wie Goethe - den Meißner zu erschließen. Wer ihn einmal erwandert habe, sei begeistert.

          Wetterfeste Demonstranten

          Bürgermeister Jürgen Herwig (SPD) dankte dem Ministerpräsidenten mehrfach und herzlich. Die Lichtenauer seien stolz, Koch und sein Kabinett „unter uns zu wissen“. Er dankte aber auch den Bürgern und seiner Verwaltung. Die sei schlank und zähle nur 95 Mitarbeiter.

          Martina Kistner, der weibliche Part des Hessentagspaares, zitierte Landgraf Heinrich I., der 1289 die Stadt begründete: „Auf dieser lichten Aue soll mir eine Stadt entstehen.“ Könnte er die Stadt heute sehen, sagte Kistner, wäre er stolz darauf. An Koch gewandt, sagte sie: „Ohne die Unterstützung der hessischen Landesregierung wäre das nicht möglich gewesen. Dafür möchte ich herzlich danken.“ Koch war soviel des Dankes offenkundig nicht gewohnt: „Man freut sich, wenn dafür gedankt wird. Aber es ist alles Ihr Geld.“ 11,4 Millionen Euro wurden aus öffentlichen Kassen zum Hessentag investiert.

          Weitere Themen

          Der Kampf im Exil

          Tomislav Kezharovski : Der Kampf im Exil

          Der mazedonische Journalist Kezharovski hat Aufnahme in Darmstadt gefunden. Er berichtet von seiner Haft und Verfolgung in seiner Heimat.

          Topmeldungen

          Trump während seiner Pressekonferenz im Weißen Haus zum Coronavirus.

          Coronavirus in Amerika : Wenn das mal gut geht

          Das Coronavirus stellt Amerikas Gesundheitssystem auf eine schwere Probe. Testkits taugen nichts – und viele Amerikaner können sie sich ohnehin nicht leisten.
          Was nun?

          Scherbaums Börse : Was können Anleger jetzt tun?

          Das Coronavirus dominiert das Geschehen an den Börsen. Die heftigen Kursverluste von Aktien und der im Gegenzug gestiegene Goldpreis überrascht Experten nicht. Und nun?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.