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Hessenpark : Fast ein Drittel bleibt vor der Kasse stehen

Ganz in Weiß: Eine dicke Schneeschicht bedeckt zur Zeit den Marktplatz des Hessensparks in Neu-Anspach. Bild: Marcus Kaufhold

Wetter, Fußball, Gartenschau: Der Hessenpark verzeichnet 2010 weniger Besucher als in den Vorjahren.

          Eigentlich kennt der Hessenpark keine echte Winterpause mehr. Auch bei Schnee und Eis darf der Marktplatz täglich besucht werden, und an den Wochenenden zwischen Dezember und Ende Februar können Spaziergänger sogar das gesamte Freilichtmuseum durchwandern. Zum halben Eintrittspreis, weil die Häuser geschlossen sind, um sie vor Feuchtigkeitsschäden zu bewahren. Nicht nur wegen Glättegefahr, Dachlawinen und Eiszapfen, vor denen am Tor gewarnt wird, bleibt die Wintersaison allerdings ein Nebengeschäft des wetterabhängigen Museumsbetriebs. Insofern hat sich 2010 schon die anhaltende Kälte zu Beginn des Jahres auf die Besucherzahlen negativ ausgewirkt.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Aber auch ein Hauch von Sommermärchen zieht die Menschen eher vor Großleinwände oder den heimischen Fernseher. Die Kombination aus langem Winter und Fußballweltmeisterschaft hat nach Einschätzung der Museumsleitung zu dem Besucherrückgang gegenüber dem Vorjahr von mehr als sechs Prozent auf 178000 beigetragen. Zudem gab es mit der Landesgartenschau in Bad Nauheim eine Konkurrenz in der Nähe. Unter diesen Umständen spricht Geschäftsführer Jens Scheller von einem „blauen Auge“, mit dem der Hessenpark davongekommen sei.

          Kasse soll direkt hinter das Tor

          Die erstgenannte Zahl beruht auf den an der Kasse verkauften Eintrittskarten und ist daher leicht zu bestimmen. Wobei vor allem weniger Einzelkarten für Erwachsene verkauft wurden, während Familien- und Gruppenkarten häufiger gefragt waren. Doch der Zuspruch für das Freilichtmuseum verlangt zu einem großen Teil nach Schätzungen. Denn fast ein Drittel derjenigen, die sich zu dem Gelände zwischen Wehrheim und Anspach aufmachen, passiert gar nicht die Museumskasse.

          Diese Besucher schauen sich auf dem frei zugänglichen Marktplatz um, wo es mit dem historischen Frisörladen, der Funktechnischen Ausstellung, der Turmuhrenausstellung, dem Haus der Foto- und Filmgeschichte sowie den Läden und Gastronomiebetrieben schon ein Angebot gibt, das manchem reicht. 54.000 Personen, so die Hochrechnung, können deshalb auf die Besucherzahl noch aufgeschlagen werden. Darin sind nicht die schätzungsweise 50.000 Gäste von Veranstaltungen wie dem Käsefest oder dem kommerziellen Weihnachtsmarkt berücksichtigt. Kein Wunder also, dass eine Arbeitsgruppe derzeit an einem Konzept sitzt, nach dem die Kasse in die Scheune aus Westerfeld direkt hinter dem Tor verlagert werden soll.

          Alte Häuser allein ziehen nur wenige Besucher an

          Die Sanierung der zum Teil seit 30 Jahren wiederaufgebauten Häuser ist auch in diesem Jahr einen großen Schritt vorangekommen. Elf zeitweilig gesperrte Gebäude, darunter das Posthaus, das Dorfbackhaus und die Schule aus Frickhofen, konnten den Besuchern wieder zugänglich gemacht werden. Die 2009 eröffnete Stallscheune aus Asterode, die in ihrem Innern moderne Museumsräume beherbergt, lockte mit der Sonderausstellung „Einkaufen!“ allein 44 000 Menschen an. Auf völlig neues Terrain begab sich der Hessenpark mit dem Atelierstipendium „Von der Stadt aufs Land“. Es war vom Förderkreis des Museums mit Unterstützung der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt ausgelobt worden.

          Das türkische Künstlerpaar Özlem Günyol und Mustafa Kunt lebte und arbeitete im Frühjahr 2010 zwei Monate lang im Freilichtmuseum, lernte von den dortigen Handwerkern alte Techniken und ließ von diesen wiederum seine künstlerischen Entwürfe verwirklichen. Die Entwurfsskizzen waren zunächst im Hessenpark zu sehen. Die Ergebnisse der Arbeit werden nächstes Jahr in Frankfurt gezeigt.

          Alte Häuser allein ziehen nur wenige Besucher an, auch wenn immer neue Angebote wie zuletzt die ersten Stationen eines Walderlebnispfads hinzukommen. Deshalb haben die Veranstaltungen große Bedeutung, von denen manche, wie der Treckertreff oder das Erntefest, ein treues Publikum finden. Außerdem ist das Museum Schauplatz von Theater- und Musikveranstaltungen. Die Leitung hat auch auf Beschwerden und Anregungen von Besuchern reagiert. Bei den Sicherungsarbeiten für die Häuser etwa hat man aus der Not eine Tugend gemacht und bietet jetzt eigene Sanierungsführungen an. Und an der Kasse sitzen seit diesem Jahr nicht mehr Beschäftigte einer externen Firma, sondern festangestellte Museumsmitarbeiter, die besser Empfehlungen für den Weg durchs Museumsgelände geben können.

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