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Geld für mehrere Projekte : Hessen wird zur Ökomodellregion

  • -Aktualisiert am

Blühstreifen: Hummel fliegen Blumen an einem Bio-Feld im Hochtaunuskreis an. Bild: dpa

Alle hessischen Landkreise sind am Projekt Ökomodellregion der Landesregierung beteiligt. In den nächsten fünf Jahren steht den Regionen für verschiedene Projekte finanzielle Unterstützung zur Verfügung.

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          Bauern, die ihre Betriebe nachhaltig bewirtschaften und auf das Wohl der Tiere achten, regionale Schlachtereien und Käsereien, die mit den Landwirten zusammenarbeiten und Verbraucher, die diese regionalen Produkte kaufen. So lassen sich die Ziele der sogenannten Ökomodellregionen zusammenfassen, die es nun in ganz Hessen geben wird. Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Die Grünen) teilte mit, dass inzwischen alle Landkreise an den Modellregionen beteiligt sind und damit eines der Ziele aus dem schwarz-grünen Koalitionsvertrag erreicht sei. Hessen, so Hinz weiter, werde damit eine Ökomodellregion für Deutschland. „Darauf sind wir stolz“, sagt die Ministerin, die zugleich ergänzte, dass insbesondere der Anbau ökologischer Lebensmittel unterstützt werde.

          Bisher gab es in Hessen acht dieser Ökomodellregionen. Ihre Projektlaufzeit wird um fünf Jahre verlängert. Die sechs neuen Regionen nehmen an dem Projekt ebenfalls für fünf Jahre teil. Dabei handelt es sich um die Modellregion Nassauer Land, zu der Wiesbaden, der Landkreis Limburg-Weilburg und der Rheingau-Taunus-Kreis gehören. Die Region Rhein-Main besteht aus Frankfurt, Offenbach, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis und dem Landkreis Offenbach. Der Kreis Bergstraße schließt sich der bestehenden Ökomodellregion Süd an und sowohl der Main-Kinzig-Kreis als auch der Schwalm-Eder-Kreis stellen eigene Regionen dar. Hersfeld-Rotenburg ist ebenfalls eine eigene Modellregion, für die sowohl der gleichnamige Landkreis als auch der Verein „Gutes aus Waldhessen“ die Träger sind.

          Versorgung mit Nahrung sichern

          In den nächsten fünf Jahren geht es laut Hinz vorrangig darum, die nötigen Strukturen zu entwickeln, damit regional produzierte Lebensmittel auch von den Menschen in der Region gekauft werden können. Neben Zielen wie Klimaschutz, Biodiversität und Tierwohl soll so auch die wichtige Grundversorgung mit Nahrungsmitteln in Hessen gesichert werden. „Das geht nur, wenn die Landwirtschaft mitmacht, ohne sie geht es nicht“, sagte Hinz. Das lässt sich der Steuerzahler einiges kosten: 18 Millionen Euro stehen für den Ökoaktionsplan „Vermarktung in der Region“ bis 2025 zur Verfügung. 31 Millionen Euro bekommen die Bauern pro Jahr, sofern sie sich am Ökolandbau beteiligen, und weitere 18 Millionen Euro sind für die Jahre 2020 und 2021 eingeplant. Dabei geht es um das Projekt vielfältige Ackerkulturen, an dem auch konventionell erzeugende Landwirte teilnehmen können. 17 Millionen Euro stehen für strukturelle Maßnahmen zur Verfügung, etwa wenn eine Bio-Molkerei, Käserei oder ein mobiler Schlachthof gefördert werden sollen. Die Modellregionen erhalten pro Landkreis für die Umsetzung ihrer Entwicklungskonzepte einen finanziellen Zuschuss zur Einstellung eines Projektmanagers. Dieser hat eine Höhe von maximal 50.000 Euro. Zudem werden einzelne Projekte gefördert.

          „Wir fangen nicht bei null an“

          Die neuen Regionen sollen ihre Projekte nun umsetzen. Für das Nassauer Land erläuterte Karl-Eckart Mascus einige Pläne. So soll eine Plattform mit dem Namen „Neue Wege im Nassauer Land“ geschaffen werden, die sich mit dem Anbau von neuen Feldfrüchten beschäftigt. Ein runder Tisch informiert Bauern darüber, wie sie ihre Betriebe auf Bio-Anbau umstellen können. Die neue Regionalmarke „Nassauer Land“ soll helfen, die Produkte beim Verbraucher bekanntzumachen. „Wir fangen nicht bei null an“, sagte Mascus, denn Wiesbaden verfüge beispielsweise bereits über eine ausgeprägte Direktvermarkter-Szene bei Gemüse und Obst.

          Laut Hinz ist der direkte Zugang zu vielen Verbrauchern einer der großen Vorteile der Modellregion Rhein-Main, zu der Offenbach und Frankfurt gehören. Dort soll unter anderem für Ökolandbau geworben werden. Da in den vergangenen Jahren viele Fleischverarbeitungsbetriebe weggefallen seien und gleichzeitig der Wunsch vieler Bauern bestehe, ihren Tieren eine stressfreie Schlachtung zu ermöglichen, wird der Kauf einer mobilen Schlachtanlage ins Auge gefasst.

          Die acht bereits bestehenden Modellregionen haben in den vergangenen Jahren mit Hilfe der Fördergelder eine Vielzahl von Projekten auf den Weg gebracht. Claudia Zohner von Region Wetterau skizzierte einige von ihnen, etwa die Zusammenarbeit von Gaststätten und Landwirten in der Region Fulda. Dort kommen nun regional produzierte Gerichte auf den Tisch. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) begrüßte, dass ganz Hessen nun eine Ökomodellregion ist. Die Nachfrage nach Biolebensmitteln sei im Rhein-Main-Gebiet größer als das Angebot. Die Ökomodellregionen förderten Projekte, die wiederum den Anteil an ökologisch und regional erzeugten Lebensmitteln erhöhten, teilte BUND-Geschäftsführer Michael Rothkegel mit. Die SPD-Fraktion bezeichnete die Ausweitung der Ökomodellregionen als „Gebot der Fairness“, weil nun alle Regionen gleichermaßen gefördert würden.

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