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Rückkehr nach Hessen : Heimat für Biber, Waschbär und Wolf

  • Aktualisiert am

Auch in Hessen wieder heimisch: Der Biber Bild: ZB

Einige Tiere sind schon immer hier, andere erst vor Kurzem wieder zurückgekehrt. Doch das freut nicht jeden. Für Landwirte gefährdet die Rückkehr ihre Produktion.

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          Sie sind Jäger, Baumeister, Allesfresser. Biber, Waschbär, Wolf und Co haben in Hessen eine Heimat gefunden. Einige von ihnen sind geschützt, andere werden gejagt. Der einst in Hessen ausgerottete Biber hat nach seiner Auswilderung in den achtziger Jahren einen Siegeszug angetreten. Mittlerweile sind die scheuen Baumeister wieder in ganz Hessen aktiv. „Fast alle hessischen Gewässer von der Mümling im Süden bis zur Eder im Norden sind zumindest mit Einzeltieren besiedelt“, sagt eine Sprecherin des Umweltministeriums. In etwa 300 Biberrevieren leben heute rund 1000 Tiere, und die Population wachse jedes Jahr um 20 Prozent.

          Nicht immer machen die Bauarbeiten unter den Tieren Anwohnern Freude. Im Seligenstädter Stadtwald mussten unlängst wegen Unfallgefahr Wege gesperrt werden. Angenagte Bäume könnten umstürzen, Wege seien unterhöhlt. Auch andere Gemeinden und Landwirte haben immer wieder mit den Hochwasser-Konsequenzen der Dammarbeiten von Bibern zu kämpfen.

          „Das Problem besteht für die Landwirte darin, dass die bewirtschafteten Flächen überflutet werden und das Grünland beziehungsweise Ackerflächen nicht nutzbar sind. Zum Teil nehmen auch Pflanzen Schaden, wenn sie zu lange dem Wasser ausgesetzt sind“, sagt die Sprecherin des Hessischen Bauernverbandes, Miriam Dangel.

          Bei solchen Problembibern werden die Bauern vom Kreis oder vom Land entschädigt, Flächen werden getauscht oder gekauft. Der Biber ist streng geschützt und hat keine natürlichen Feinde. Das war früher anders: Fisch galt als Fastenspeise. Die Tiere wurden aufgrund ihres schuppenartigen Ruderschwanzes einfach zu Fischen erklärt und landeten im Topf oder in der Pfanne.

          Vier Wölfinnen in Hessen

          Canis lupus ist ebenfalls streng geschützt und erst seit kurzem wieder in Hessen. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs war auch für den Wolf wieder der Weg nach Westen frei. In Hessen leben mittlerweile laut Hessischem Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie vier sesshafte Wölfinnen. Nach Ansicht von Naturschützern dürfte ihre Zahl jedoch steigen. Und je mehr Wölfe es gibt, desto größer ist das Konfliktpotential. „Alle vier ansässigen Wölfe haben nachgewiesen Nutztiere angegriffen“, sagt der Sprecher des Hessischen Verbandes für Schafzucht, Burkhard Ernst. Es bestehe die Gefahr, dass sich Rudel bildeten und die Situation sich potenziere.

          „Wenn es darauf ankommt, wird sich für den Wolf entschieden und nicht für die Weidetierhaltung“, kritisiert Ernst die Politik. Es müsse Schutz her, und das dürfe nicht immer an den Weidetierhaltern hängenbleiben. Nicht von hier, aber trotzdem heimisch ist der Waschbär. Die Tiere sind auch in den Städten aktiv. Dem Landesjagdverband und dem Naturschutzbund Nabu zufolge gelangten im vergangenen Jahrhundert einzelne Tiere in Freiheit. Heute ist die Population so groß, dass Tausende Tiere jährlich geschossen werden.

          „Der Waschbär ist ein Überlebenskünstler. Den werden wir nicht mehr los“, sagt Nabu-Sprecherin Kathrin Kaltwaßer. Die Tiere können Schäden an Häusern verursachen, sind aber auch eine Gefahr für andere Arten. Sie stehlen die Eier von Bodenbrütern – auch Amphibien stehen auf dem Speiseplan. „Viele Wildtiere haben verstanden, dass man auch in menschlichen Siedlungen gut leben kann und nicht gejagt wird“, sagt Kaltwaßer. Wildschweine verwüsten nicht nur Maisfelder, sondern fressen sich auch in Gärten satt oder pflügen Fußballfelder um. Tausende Tiere werden jährlich erlegt. Sie gelten auch als Gefahr einer Übertragung der Afrikanischen Schweinepest.

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