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Hessen : Werbekampagne für Lehrer - trotz schlechter Chancen

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Unter dem Motto "Bildung - unser Ticket in die Zukunft" hat Kultusministerin Karin Wolff (CDU) am Donnerstag eine Informations- und Werbekampagne für den Lehrberuf vorgestellt. Die Notwendigkeit begründete ...

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          Unter dem Motto "Bildung - unser Ticket in die Zukunft" hat Kultusministerin Karin Wolff (CDU) am Donnerstag eine Informations- und Werbekampagne für den Lehrberuf vorgestellt. Die Notwendigkeit begründete sie damit, daß in den nächsten zehn Jahren in Hessen voraussichtlich 20000 Lehrerstellen frei würden. Vor allem Pädagogen mit der Lehrbefähigung für die Sekundarstufe I und für berufliche Schulen würden gesucht.

          Der Ministerin geht es nach ihren Worten ungeachtet der "Einstellungsdelle" für Lehrer im nächsten Jahr darum, den Leistungsstandard an den Schulen langfristig zu sichern. Die Oppositionsfraktionen reagierten mit heftiger Kritik. Sie erinnerten daran, daß im Zuge des Sparprogramms der Landesregierung im nächsten Jahr nur ein Teil der in Pension gehenden Lehrer ersetzt werden sollen, was eine Stellenstreichung von rund 1000 bedeutet, und daß von den gegenwärtig 2000 Referendaren 1550 nicht in den Schuldienst übernommen würden. Vor diesem Hintergrund offenbare die Werbeaktion, so sinnvoll sie grundsätzlich sei, "ein gerüttelt Maß an Zynismus", befand die FDP. "Zynisch" nannte auch die SPD die Kampagne. Die Grünen sprachen von einer "Farce". Die Bildungspolitik der CDU habe nur so lange getragen, "bis die Wahl noch einmal gewonnen war".

          Wolff argumentierte damit, daß sich die Chancen für eine Einstellung in den öffentlichen Schuldienst bis 2015 erheblich verbessern würden, und verwies auf die Altersstruktur der Kollegien an den Bildungseinrichtungen. Zwar seien seit 1999 in Hessen rund 13000 junge Lehrerinnen und Lehrer eingestellt worden. Dennoch aber seien immer noch 43 Prozent des Lehrpersonals älter als 55 Jahre. Das bedeute, daß sich in den nächsten Jahren ein Generationswechsel vollziehen werde.

          Günstig beeinflußt werde die Einstellungssitutation zudem durch Angebote wie die Hausaufgabenhilfe oder die Hochbegabtenförderung, durch Betreuungsangebote an den Grund- und den Sonderschulen, durch Ganztagsbetreuung und die Medienoffensive "Schule§Zukunft", die alle trotz des Sparzwangs unangetastet blieben.

          Einstellungsperspektiven hängen nach Darstellung der Ministerin darüber hinaus vor allem von der Lehramtswahl, der Examensnote und der Fächerkombination ab. In der Sekundarstufe I seien in erster Linie Bewerber mit den Fächern Physik, Chemie, Mathematik, Englisch und Musik gefragt. Auch bestehe ein steigender Bedarf an zweisprachig ausgebildeten Lehrkräften, die etwa neben Englisch und Französisch auch Erdkunde, Sozialkunde, Sport, Biologie und Musik in beiden Sprachen unterrichten könnten.

          In den beruflichen Schulen, so die Kultusministerin, fehlten in den nächsten vier Jahren voraussichtlich in jedem Jahr 100 bis 150 Bewerber. Besonders gefragt seien dort Lehrkräfte für die Berufsfelder Wirtschaft und Verwaltung sowie Metall- und Elektrotechnik. In Mangelfächern dürfen nach Auskunft Wolffs mittlerweile auch "Quereinsteiger" mit Universitätsdiplom unterrichten. Hingegen ist in der Sekundarstufe II das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage an Lehrkräften, wie die Ministerin sagte, "weitgehend ausgeglichen". Es gebe aber auch Mangelfächer (Mathematik, Physik, Chemie und Musik) auf der einen und ein Überangebot an Lehrkräften für Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Erdkunde auf der anderen Seite. Studenten mit dieser Kombination empfiehlt die Kultusministerin, sich an Haupt- und Realschulen und an beruflichen Schulen zu bewerben. Auch solten sie "örtlich flexibel" sein.

          Weitgehend gedeckt ist in Hessen nach Angaben Wolffs der Bedarf an Sonderpädagogen, ausgenommen für Sinnesgeschädigte und Körperbehinderte. Weniger günstig seien auch die Einstellungschancen für Grundschullehrer. Wegen der rückläufigen Schülerzahlen werde künftig in den Grundschulen nicht mehr jede freiwerdende Stelle besetzt werden, kündigte die Kultusministerin an. a.k.

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