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Hessen und die Windenergie : Abermals Streit um Windräder

Drehmoment: In Lützelbach im Odenwald stehen seit Jahren Windräder – weitere sollen hinzukommen. Bild: Picture-Alliance

Wie viel Fläche Südhessens soll für Rotoren bereitstehen? Einigen reichen 1,5 Prozent – anderen nicht. Die Mehrheit der Regionalversammlung will das Kapitel einfach nur noch abschließen.

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          Bürgermeister Uwe Olt hätte sich etwas anderes für seine Gemeinde Lützelbach im Odenwald gewünscht. In der 7500-Einwohner-Kommune an der Grenze zu Bayern steht seit Jahren ein Windpark mit neun Anlagen. „Das ist unser lokaler Beitrag für die Energiewende.“ Seit 2012 in Südhessen begonnen wurde, anhand eines für alle Kommunen gleichermaßen geltenden Kriterienkatalogs „Vorranggebiete“ für Windkraftanlagen zu suchen, fiel der regionale Blick auf Lützelbach. Nach dem Inkrafttreten des „Sachlichen Teilplans Erneuerbare Energien“ im März 2020 verfügt Lützelbach mit 650 Hektar über eines der größten Windvorranggebiete in Südhessen. Doch auch die bayerische Nachbarstadt Wörth will die Anhöhen in Richtung Lützelbach, auf denen der Wind so prächtig weht, nutzen und fünf weitere Anlagen genehmigen. „Dann könnten sich hier Windräder auf mehr als 1000 Hektar drehen“, sagt SPD-Politiker Olt. „1000 Hektar – das ist schon ein Wort.“

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch die Gemeinde fühle sich langsam umzingelt. Müsse sie jetzt allein den Ausbau der Windenergie übernehmen, während andere Kommunen sich verweigerten? Im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main sind nur 1300 Hektar für Windenergie vorgesehen. An diesem Freitag steht Lützelbach abermals auf der Tagesordnung der Regionalversammlung Südhessen. Die 99 Kommunalpolitiker müssen abschließend darüber entscheiden, was aus 0,8 Prozent der Fläche Südhessens wird. Die Areale hatten Planer und Regionalpolitiker zu „Weißflächen“ erklärt und sie damit aus dem 2020 abgeschlossenen Teilplan-Verfahren ausgeklammert. Es galt, den größten Teil des Plans nach fast zehn Jahren endlich abzuschließen. Den Beteiligten schwirrte damals längst der Kopf, wenn sie nur an die zu berücksichtigenden Ausschlusskriterien dachten.

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