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Hessen-SPD : Walters Kehrtwende: Kandidatur gegen Koch doch möglich

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Landtagsfraktions-Chef Walter kann sich nun doch vorstellen, anzutreten Bild: ddp

Hessens SPD-Landtagsfraktionschef Walter denkt nun doch darüber nach, sich gegen die Parteichefin Ypsilani um die Spitzenkandidatur zur Landtagswahl zu bewerben. Im Frühjahr hatte er noch abgewinkt.

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          Einen Tag, nachdem die SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti ihre Bereitschaft erklärt hat, bei der Landtagswahl 2008 gegen Ministerpräsident Roland Koch (CDU) anzutreten, ist in der Partei ein offener Führungsstreit ausgebrochen. Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Jürgen Walter, setzte sich an die Spitze der Ypsilanti-Kritiker, indem er bekräftigte, daß er sich bessere Kandidaten - unter anderen auch sich selbst - vorstellen könne. Es sei wichtig, daß die SPD mit dem Bewerber zur Landtagswahl antrete, der die größten Chancen habe, gegen Koch zu gewinnen, sagte Walter. Ypsilanti sei das aus seiner Sicht nicht.

          Walter steht mit seinem Urteil nicht allein: Ypsilanti, die die Partei seit drei Jahren führt, gilt vielen in der SPD als zu farblos und nicht eloquent genug, um im direkten Vergleich mit dem Polit-Profi Koch bestehen zu können. Ausdruck dieser latenten Unzufriedenheit war ihr Ergebnis bei der Wiederwahl zur Parteivorsitzenden vor zwei Jahren, mit nur 69,3 Prozent.

          Walter will gegen Ypsilanti antreten

          Er könne sich vorstellen, daß eine Person „aus der Bundespartei“ gegen Ypsilanti antreten werde, äußerte Walter. Er schloß im Hessischen Rundfunk aber auch eine eigene Bewerbung auf dem Landesparteitag am 11. November nicht aus. Er habe zwar im Februar zugunsten des früheren Offenbacher Oberbürgermeisters Gerhard Grandke auf eine Kandidatur verzichtet, nun stehe dieser aber nicht zur Verfügung: „Das ist eine neue Situation.“ Eine Kampfkandidatur könne der Partei nutzen, um inhaltliche Positionen zu klären. Der SPD-Landesvorstand will am 19. September die programmatischen Grundlinien für den Landtagswahlkampf festlegen und einen Spitzenkandidaten vorschlagen. Unabhängig davon sind weitere Bewerbungen möglich.

          Nicht jeden in der SPD begeistert Ypsilanti mit ihrer Bereitschaft, 2008 gegen Koch anzutreten
          Nicht jeden in der SPD begeistert Ypsilanti mit ihrer Bereitschaft, 2008 gegen Koch anzutreten : Bild: F.A.Z. / Foto Sick

          Der frühere hessische SPD-Vorsitzende und Ministerpräsidentenkandidat Gerhard Bökel, mit dem die Partei vor drei Jahren das schlechteste Wahlergebnis ihrer Geschichte hinnehmen mußte, forderte Walter auf, sich gegen Ypsilanti zu stellen. (Bökel fordert Walter zur Kandidatur gegen Ypsilanti auf.)

          Walter sei schon kraft seines Amtes als Fraktionsvorsitzender die zweite herausragende Persönlichkeit der Partei neben der Parteivorsitzenden: „Auch er sollte antreten.“ Vor allem in Nord- und Mittelhessen kann man sich offenbar nur schwer mit einer Spitzenkandidatin Ypsilanti anfreunden. Bei einer Befragung äußerten sich die Unterbezirksvorsitzenden der Landkreise Kassel, Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner, Fulda, Marburg-Biedenkopf, aber auch Main-Kinzig kritisch. „Wir möchten darüber beim Parteitag mitreden“, sagte beispielsweise der Kreisvorsitzende der SPD Waldeck-Frankenberg, Karl-Heinz Stadtler.

          Wieczorek-Zeul stellt sich hinter Ypsilanti

          Der Vorsitzende des SPD-Bezirks Hessen-Süd Gernot Grumbach sieht dagegen keine Alternative zur Landes-Chefin. „Sie ist derzeit die stärkste Kandidatin, die die SPD aufbieten kann.“ Als Linke und Frau mit einem klaren sozialen Profil stelle sie das genaue Gegenbild zum Konservativen Roland Koch dar, lobte der Hersfelder Bundestagsabgeordnete und Unterbezirksvorsitzende Michael Roth. Ypsilanti werde das Problem der mangelnden Mobilisierung der SPD-Stammwähler lösen. Auch von anderer Seite gab es Unterstützung: Die frühere Vorsitzende des SPD-Bezirks Hessen-Süd und jetzige Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul stellte sich hinter Ypsilanti: „Es wird Zeit, daß es in Hessen eine Ministerpräsidentin gibt.“

          Ypsilanti selbst demonstrierte angesichts des Führungsstreits Gelassenheit. „Die Partei steht hinter mir“, äußerte sie. Zahlreiche ermutigende Anrufe und Mails zeigten ihr, daß ihre Bereitschaft, gegen Ministerpräsident Koch anzutreten, breite Unterstützung finde. Eine Kampfkandidatur von Walter wäre aus ihrer Sicht „kein Drama“, sondern brächte Bewegung in die Partei. „Voraussetzung ist aber, daß es sauber bleibt und alles politisch ausgetragen wird.“

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