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Naturschutz : Hessen schafft ein Zentrum für Artenvielfalt

Wird Teil des Zentrums: Die staatliche Vogelschutzwarte ist derzeit im Frankfurter Stadtteil Fechenheim angesiedelt. Bild: Wonge Bergmann

Die hessische Landesregierung führt unterschiedliche Einrichtungen des Naturschutzes in einer großen Fachbehörde zusammen. Dafür werden im neuen Haushalt 1,5 Millionen Euro eingeplant.

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          In einem Zentrum für Artenvielfalt bündelt das hessische Umweltministerium unterschiedliche Einrichtungen zu einer großen Fachbehörde. Angesiedelt ist sie beim Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, das seinen Hauptsitz in Wiesbaden hat. Der Standort des Zentrums steht noch nicht fest. Formal ist der Zusammenschluss schon am 1. Januar wirksam geworden. Thomas Schmid, der Leiter des Landesamtes, verspricht sich davon vor allem synergetische Effekte.

          Ewald Hetrodt
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          In einer Pressekonferenz wies Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen) am Freitag darauf hin, dass die Standorte in Gießen und Wetzlar „aus allen Nähten platzen“ und man schon von daher nach einer neuen Lösung habe suchen müssen. Aber sie unterlegte die Bündelung der Naturschutzexpertise auch politisch. Das Artensterben sei „die zweite große ökologische Krise“, die man als Herausforderung betrachte.

          „Wir bündeln den Sachverstand“

          Künftig würden alle Informationen über die Tiere und Pflanzen in Hessen an einer Stelle zusammenlaufen. Wissenschaftliche Experten sollen die Fakten auswerten, ihre Schlüsse für den Naturschutz ziehen und mit weiteren Forschungseinrichtungen kooperieren. „Wir bündeln so den Sachverstand, verzahnen Verwaltung, Wissenschaft und Ehrenamt und stellen zusätzliche Mittel und Personal zur Verfügung“, so die Ministerin. 1,5 Millionen Euro sind eingeplant. Zusätzlich zu den 53 Mitarbeitern sollen im Laufe des Jahres noch fünf hinzukommen. Das ist jedenfalls der Wunsch, den die Regierungsfraktionen von CDU und Grünen in die noch laufenden Haushaltsberatungen einbringen.

          „Wir haben nun erstmals alle Arten und sämtliche dazugehörigen Daten unter einem Dach“, stellte Schmid fest. Er betonte, dass auch die staatliche Vogelschutzwarte, die ihren Sitz gegenwärtig noch in Frankfurt habe, integriert sei. Sie gehörte seit 1973 zur früheren hessischen Landesanstalt für Umwelt, war aber 1989 ausgegliedert worden. Dort werden Daten zu bedrohten Vogelarten in Hessen gesammelt, Artenhilfskonzepte entwickelt und laufend Berichte über die Entwicklung der Schutzgebiete erstellt. Hinzu kommen beispielsweise das Wolfszentrum und der Forschungsverbund zur Biodiversität. Er integriert im Lore-Steubing-Institut die einschlägige Expertise der hessischen Hochschulen. Schmid kündigte an, dass vor allem die praxisorientierte Forschung ausgebaut werde.

          Von der Schweinepest bis zum Insektensterben

          In einem weiteren Dezernat geht es um die wildbiologische Forschung. Sie erfasst die Bestände, erstellt Vegetationsgutachten und beschäftigt sich mit dem Wanderverhalten des Wilds in seinen unterschiedlichen Lebensräumen. Auch aktuelle Themen wie die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest sind künftig Sache des Zentrums für Artenvielfalt.

          „Wir müssen wissen, auf welcher wissenschaftlichen Grundlage wir arbeiten“, erklärte Hinz. Darum würden qualitätsgeprüfte Daten bereitgestellt. Die Biodiversitätsdatenbank umfasse inzwischen mehr als eine halbe Million Einzelinformationen. Auch Satellitenbilder würden für ein Auskunftssystem ausgewertet, in dem interaktive Karten und Informationsmaterial zu vielen Themen des Naturschutzes jederzeit abrufbar seien. Hinz betonte den Wissenstransfer zwischen Haupt- und Ehrenamt. Die Naturschutzakademie soll in diesem Zusammenhang weiterhin eine große Rolle spielen. Seminare für Ehrenamtliche fänden auch künftig dezentral statt, versicherte Hinz.

          Die Stärkung der Fachbehörde für Naturschutz müsse weitergehen, meinte Thomas Norgall vom hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz. Die immer wieder geforderte Beschleunigung von Genehmigungsverfahren könne nur gelingen, wenn die Datenbestände über gefährdete Lebensräume und geschützte Flächen zeitnah aktualisiert würden. Auch der Kampf gegen das Insektensterben erfordere wissenschaftliche Analysen, um die Wirkung der Maßnahmen fortwährend zu verbessern.

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