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Impfzentren in Hessen : Gegen den weiten Weg zur Impfung

Weiter Weg zum Pieks: Noch sind die Impfzentren verschlossen - auf dem Land wohl noch länger als bis zum 19. Januar. Bild: Frank Röth

Der zum Teil weite Weg für Hochbetagte ins Frankfurter Impfzentrum beschäftigt die Kommunen im Umland, nicht alle können den Senioren einen Fahrdienst zur Verfügung stellen. Eine Petition fordert die Öffnung aller Zentren.

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          Sobald mehr Impfdosen geliefert werden können, sollen alle vorhandenen 21 Impfzentren in Hessen geöffnet werden. Diese Zusage hat der Hanauer Landtagsabgeordnete Heiko Kasseckert (CDU) vom hessischen Innenminister Peter Beuth erhalten. Einen Termin dafür gibt es aber weiterhin nicht. Außerdem gebe es für hochbetagte Menschen die Möglichkeit, die mobilen Impfteams nach Hause zu bitten, wenn der Weg ins zuständige Impfzentrum für sie zu beschwerlich oder nicht zu organisieren sei. Die Impfung von Menschen im Alter von mehr als 80 Jahren, die nicht in einer Pflegeeinrichtung leben, soll am 19. Januar beginnen. Der Ärger darüber, dass die Senioren dafür nicht in bereitstehende Impfzentren in ihrer Nähe kommen können, hat sich in den vergangenen Tagen fortgesetzt.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Im Main-Kinzig-Kreis stehen zwei Zentren in Hanau und in Gelnhausen zur Verfügung. Sie zählen aber zu den hessischen Impfzentren, die wegen des knappen Impfstoffes den Regelbetrieb noch nicht aufnehmen sollen. Nur sechs Zentren sollen nach jetzigem Stand öffnen. Impfwillige aus dem Main-Kinzig-Kreis müssen deshalb bis zur Frankfurter Festhalle fahren. Gleiches trifft auf die hochbetagten Bewohner des Hochtaunuskreises zu. Die Landräte der beiden Kreise, aber auch viele der dortigen Bürgermeister halten die Fahrt für die mehr als 80 Jahre alten Menschen, die als erste geimpft werden sollen, nicht für zumutbar. Gegenüber den Bewohnern Frankfurts hätten sie das Nachsehen.

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          Damit sich das ändert, hat ein Stadtverordneter aus Limburg im Internet eine Petition an die Hessische Landesregierung auf den Weg gebracht, in der für die nächste Woche die Öffnung aller regionalen Impfzentren gefordert wird. Sowohl der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky als auch Main-Kinzig-Landrat Thorsten Stolz (beide SPD) beteiligen sich an der Petition. Kaminsky fordert darüber hinaus die Bürger auf seiner Facebook-Seite dazu auf, die Petition (https://www.openpetition.de/petition/online/oeffnung-aller-impfzentren-in-hessen-am-19-01-2021) ebenfalls zu unterstützen. Die Forderung, alle Zentren zu öffnen, sei richtig, so Landrat Stolz. Sie werde nicht nur von den hessischen Landräten erhoben, sondern jetzt auch von den Kommunalparlamenten. Das belege den hohen Handlungsdruck. Die Leute wollten schnell und unkompliziert ihre Impfungen erhalten, und das gehe vor allem durch eine dezentrale Struktur, auch wenn die Impfdosen noch knapp seien. Wenn die Initiative Zuspruch erhalte, dann könne das Land möglicherweise zum Umdenken bewegt werden, hofft der Landrat. Neben dem Impfstoff fehle wahrscheinlich bloß das Vertrauen des Landes in die Stärke der Landkreise und Städte.

          Kein Fahrdienst von Kommunen für Senioren

          Wie Senioren geholfen werden kann, die weder selbst nach Frankfurt gelangen noch für die Fahrt auf Verwandte oder Bekannte zurückgreifen können, beschäftigt viele Städte und Gemeinden. Der Königsteiner Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) hat sogar einen offenen Brief an Innenminister Peter Beuth (CDU) und Sozialminister Kai Klose (Die Grünen) verfasst, weil in dem Anschreiben an die Senioren auf Fahrdienste der Kommunen verwiesen wird. Damit würden falsche Erwartungen geweckt, denn man habe weder Fahrer noch Fuhrpark dafür, schreibt Helm. Am ehesten seien Taxiunternehmen geeignet, die ohnehin unter der Pandemie litten und sich neun Monate auf die hygienisch einwandfreie Beförderung der Fahrgäste hätten einstellen können. Wegen der Kostenübernahme regt der Bürgermeister eine Rahmenvereinbarung mit den Krankenkassen an.

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