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Hessen : Mehr Licht und Transparenz für Hessens Landtag

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Hessens Gesetze werden seit Anfang des Jahres im Wiesbadener Rathaus beschlossen. Voraussichtlich noch bis Anfang des Jahres 2007 tagen die 110 Landtagsabgeordneten im Sitzungssaal der Stadtverordneten.

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          Hessens Gesetze werden seit Anfang des Jahres im Wiesbadener Rathaus beschlossen. Voraussichtlich noch bis Anfang des Jahres 2007 tagen die 110 Landtagsabgeordneten im Sitzungssaal der Stadtverordneten. Auf der anderen Straßenseite haben indes die grauen Betonwände des neuen Plenargebäudes bereits die vorgesehene Höhe erreicht. Heute, zehn Monate nachdem die Abrißbagger damit begannen, die Mauern des alten Plenarsaals niederzudrücken, wird das Richtfest für den laut Landtagsbeschluß maximal 27,5 Millionen Euro teuren Neubau gefeiert. Ein Anlaß zur Freude für Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU), nicht nur, weil das Projekt im Zeit-und Kostenrahmen liegt: "Ich kenne keinen, der mit dem Vorhaben nicht zufrieden ist."

          Dabei gehörte Kartmann selbst ursprünglich zu jenen, die sich einen wesentlich größeren Neubau für 50 Millionen Euro stark gemacht hatten und sich erst durch den Protest der Anwohner eines Besseren belehren ließen. Heute sagt Kartmann, er weine dem ursprünglichen Entwurf keine Träne nach. "Was wir jetzt bauen, ist architektonisch, preislich und aus Sicht der Stadtentwicklung die bessere Lösung." Der Landtag und die Stadt Wiesbaden gehörten gleichermaßen zu den Gewinnern.

          So sehen es wohl auch die meisten Anwohner, denn laut Landtagssprecher Matthäus Friederich halten sich die Beschwerden über die Belästigungen in engen Grenzen. Aus Rücksicht auf Handel und Gastronomie sei der Abriß auf die Wintermonate Januar, Februar und März verlegt worden. Man habe die Anlieger regelmäßig über den Baufortschritt informiert und Lärm- und Staubschutzwände hochgezogen, im Einzelfall habe man auch schon einmal die verschmutzten Fenster eines Nachbarn reinigen lassen. Schüler der Gutenbergschule und der Martin-Niemöller-Schule bemalten schließlich den Bauzaun an der Grabenstraße mit Motiven aus Anlaß des sechzigjährigen Bestehens des Landes Hessen.

          Doch vor allem die 160 Beschäftigten im Landtag waren wegen des Neubaus zeitweise Belastungen ausgesetzt: Lärm, Staub, Umzüge. Da im Inneren der nicht von Abriß und Neubau betroffenen Gebäude ebenfalls Arbeiten erforderlich waren, sah sich der CDU-Abgeordnete Roger Lenhart beispielsweise unversehens seines angestammten Büros beraubt. Man habe den Raum kurzfristig zum Notausgang eines Fluchtweges umfunktionieren müssen, heißt es im Landtag. Der Abgeordnete nahm es gelassen und bezog, wie einige seiner Kollegen auch, ein neues Büro im Gebäude des ehemaligen Verwaltungsgerichts, das im Sommer dem Landtagskomplex zugeschlagen wurde.

          Das neue Plenarsaalgebäude wird, im Gegensatz zum Vorgängerbau, dank Fenstern und einer lichtdurchlässigen Kuppel mit Tageslicht erhellt. Zudem wird die Technik auf einen modernen Stand gebracht, und es entsteht an der Grabenstraße eine Lobby für Ausstellungen und den Empfang von Besuchergruppen. Nicht zuletzt ist auch die Neugestaltung der Grabenstraße und die Öffnung des Prinzengäßchens zwischen Marktstraße und Grabenstraße Teil des Projekts "neuer Landtag". Die Grabenstraße wird durch das zurückversetzte neue Landtagsgebäude ein ganzes Stück breiter, auf der früher als Parkplatz des Landtags genutzten Fläche am Prinzengäßchen entsteht ein neuer öffentlicher Platz. Das Plenargebäude ersetzt einen flächenmäßig etwas größeren Betonbau aus den sechziger Jahren mit einem fensterlosen Sitzungssaal. Der neue kreisrunde Plenarsaal werde nicht größer als der bisherige, biete den Abgeordneten aber mehr Raum, sagen die Architekten. Das Gebäude paßt sich dem Grundriß einer hölzernen Reithalle der Herzöge von Hessen-Naussau an, die früher an dieser Stelle stand. "Mehr Licht, mehr Transparenz" lautet das Motto für den Neubau. "Der Landtag will sich öffnen", sagt Matthäus Friederich.

          Wurden in dem Gebäude bisher jährlich 40 000 bis 50 000 Besucher empfangen, sollen es künftig noch deutlich mehr sein. Sicherheitsaspekte stehen bei den Planungen nicht an erster Stelle. "Die Abgeordneten", sagt Landtagssprecher Friederich, "wollen sich nicht abschotten und nehmen dafür in Kauf, daß sie nicht in einem Hochsicherheitstrakt sitzen."

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