https://www.faz.net/-gzg-a57r1

Kultur fordert Neustart : Hessen lockert Corona-Beschränkungen für Sport und Musikschulen

  • Aktualisiert am

Wieder möglich: Musikschulen dürfen nun doch unter Auflagen unterrichten. Bild: dpa

Das hessische Corona-Kabinett reagiert auf Kritik an zu scharfen Auslegungen der Vorgaben zur Eindämmung der Pandemie. Sport ist nun zu zweit wieder möglich. Auch Musik- und Kunstschulen dürfen wieder öffnen. Nun stellt die Kultur Forderungen.

          2 Min.

          Nach breiter Kritik hat das hessische Corona-Kabinett die beschlossenen Beschränkungen für Sport sowie Kunst- und Musikschulen gelockert. Ab sofort ist es für Amateur- und Freizeitsportler wieder möglich, allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Hausstands auf Sportanlagen im Freien, aber auch  in „gedeckten Anlagen (Hallen, Schießsportanlagen)“ wieder aktiv zu sein. Die Musik- und Kunstschulen können wieder geöffnet werden.

          Hessen habe den Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz „konsequent umgesetzt“, heißt es in einer Mitteilung der Landesregierung. Allerdings hatten die anderen Bundesländer weniger strenge Regeln erlassen. Mit ihnen will Hessen nun „im Gleichklang bleiben“.

          Man habe intensiv mit dem Landessportbund beraten, berichtete Innen- und Sportminister Peter Beuth (CDU). Nach dem neuen Beschluss könnten die bislang geschlossenen Sportanlagen umgehend wieder öffnen. Auch Individualsport im öffentlichen Raum wie etwa Joggen, Radfahren, Wandern, Reiten, Rudern oder Segeln sei möglich. Der Landessportbund habe zugesagt, dass die verbindlichen Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen in den Vereinen auch eingehalten würden, so Beuth.

          Angela Dorn (Die Grünen), Ministerin für Wissenschaft und Kunst, berichtete, dass alle neuen Regelungen mit den kommunalen Spitzenverbänden besprochen worden seien. Sie könnten also umgehend verwirklicht werden.

          Frankfurts Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) lobt die Entscheidung aus Wiesbaden. „Zur Bekämpfung der Pandemie sollte nur dort Verzicht geübt werden, wo es wirklich sinnvoll ist. Bewegung an der frischen Luft ist gut für die Gesundheit; für viele Kinder und Jugendliche ist Sport ein wichtiger Teil ihres Lebens. Ich freue mich, dass sie darauf nicht mehr komplett verzichten müssen, sondern in kleiner Runde weiter trainieren können“, sagte die Dezernentin.

          Birkenfeld fühlt sich von der Entscheidung, Sportstätten und Musikschulen wieder zu öffnen, bestätigt, denn die Stadt hatte anders als andere Kommunen entschieden, dass auch Kinder- und Jugendhäuser und ähnliche Einrichtungen geöffnet bleiben sollen. „Die Lockerung der landesweiten Corona-Regeln bestärkt mich in meiner Entscheidung, Bildungsangeboten für Kinder oberste Priorität einzuräumen“, sagte Birkenfeld weiter.

          Kultur hofft auf Neustart

          Derweil hoffen Museen, Theater, Opern, Konzerthäuser und freie Ensembles auf einen baldigen Neustart. In Frankfurt unterstützt das Kulturdezernat diese Forderung. Kultureinrichtungen sollten bei den nächsten Lockerungen als erstes wieder öffnen dürfen, sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) am Freitag. Kultur werde bei den laufenden Beschränkungen in der Corona-Krise zu Unrecht zu Freizeit gezählt: „Kultur hat aber auch einen Bildungsauftrag. Wir müssen Wege finden, Kultur unter Corona-Bedingungen zu ermöglichen“.

          „Die Hygienemaßnahmen sind gut und haben sich bewährt“, sagte Hartwig. Es sei keine einzige Infektion aus Kultureinrichtungen bekannt. „Museen sind die sichersten Orte in Deutschland“, sagte der Direktor des Historischen Museums, Jan Gerchow. Es gebe große Räume, gute Lüftung, Aufsicht und niemand fasse etwas an. Bei Musik sitze das Publikum auf Abstand, alle Kontaktdaten lägen vor, die Klimaanlagen filterten die Luft, ergänzten die Intendanten der Oper und der Alten Oper, Bernd Loebe und Markus Fein. Allein für die Museen rechnet die Stadt in diesem Jahr mit Einnahmeverlusten von einer Million Euro.

          2021 könnte das Defizit im gesamten Kultur-Budget der Stadt 10 Millionen Euro betragen, sagte Hartwig. Mit einem Notfallfonds unterstützt die Stadt freischaffende Künstler; 220.000 Euro wurden dem Dezernat zufolge bisher an 150 Antragsteller ausgezahlt, 150.000 Euro seien noch verfügbar.

          Das Schauspielensemble des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden wandte sich in einem Offenen Brief an die Politik: Die Schließung aller Theater sei „unverhältnismäßig und ineffektiv“, heißt es in dem Schreiben. „Wir appellieren an Sie, die Theater und alle anderen öffentlichen Kultureinrichtungen ab dem 1. Dezember wieder zu öffnen!“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Marylyn Addo und ihr Team arbeiten an einem Corona-Impfstoff.

          Forscherin Addo im Interview : „Ich erwarte im Frühjahr eine Entspannung“

          Infektiologin Marylyn Addo forscht mit ihrem Team selbst an einem Corona-Impfstoff, hat dabei aber gerade einen Rückschlag erlebt. Im Interview spricht sie über ihre Arbeit, mangelnde Impfbereitschaft, Virus-Mutationen und Lockdown-Effekte.

          Nach Laschets Wahl : Der knappe Sieg des Merkelianers

          Der künftige CDU-Vorsitzende Armin Laschet steht nun vor zwei Herausforderungen. Zum einen muss er Friedrich Merz einbinden, zum anderen seine Umfragewerte verbessern. Nur dann dürfte er Kanzlerkandidat werden.
          Das Symbol für Ethereum

          Digitalwährung Ether : Besser als Bitcoin

          Alle Welt ist im Bitcoin-Rausch. Dabei gibt es eine Alternative, die viel interessanter ist: Ether. Doch was macht die Digitalwährung so besonders?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.