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Hessen sagt Unterstützung zu : 500.000 Schnelltests in einer Woche

Eine Altenpflegekraft mit einem Antigen-Schnelltest bei einer Bewohnerin Bild: dpa

Eigentlich sollen sich Bewohner, Mitarbeiter und Besucher von Pflegeeinrichtungen regelmäßig einem Antigen-Test unterziehen. Aber für die Einrichtungen wird es immer schwerer, Test-Nachschub zu organisieren. Das Land Hessen will helfen.

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          Weil die Tests für die Einrichtungen, in denen ältere, behinderte oder pflegebedürftige Menschen betreut werden, auf dem Markt mitunter schwer zu bekommen sind, stellt das Land von diesem Montag an 500.000 Antigen-Schnelltests pro Woche zur Verfügung. Dafür sei ein Vertrag mit einem Dienstleiter geschlossen worden, der sich um die Beschaffung der Tests kümmere, sagte Sozialminister Kai Klose (Die Grünen). „Das Verfahren entlastet die Einrichtungen davon, den Markt der Testangebote zu durchforsten, Preise zu vergleichen und sich um die Logistik zu kümmern.“
          Besonders kleine Einrichtungen hätten in der Vergangenheit über Probleme geklagt. „Der Markt ist eng geworden“, sagte Klose. Die Einrichtungen, die vergleichsweise nur geringe Mengen bestellten, mussten nach Aussage des Sozialministers oft einen zu hohen Preis für die Tests bezahlen. Dabei werden ihnen laut der am 15. Oktober bundesweit geltenden Testverordnung lediglich neun Euro je Antigen-Schnelltest erstattet.

          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Der Einkaufspreis für einen solchen lag laut Klose aber in den vergangenen Wochen oft viel höher. Manch eine Einrichtung habe es sich deshalb kaum leisten können, im großen Umfang zu testen. Durch die große Abnahmemenge von zwei Millionen Antigen-Schnelltests je Monat könne der Dienstleister sicherstellen, dass jeder einzelne maximal so viel kostet, wie auch über die Verordnung erstattet wird. Das Angebot bezieht ausschließlich solche Tests ein, die laut Liste des Bundesamts für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen sind.

          Besuchsverbot soll verhindert werden

          Das vermehrte Testen von Bewohnern, Mitarbeitern und Besuchern von Einrichtungen, in denen  Menschen voll- oder teilstationär betreut werden, gehört zu einer vom Bund geförderten Strategie, vulnerable Gruppen zu schützen. Infektionsketten sollen schnell erkannt und unterbrochen werden. „Wir wollen die Pflegeeinrichtungen nicht noch einmal abschotten und die soziale Isolation riskieren“, sagte Klose.

          Garantieren, dass in den nächsten Wochen nicht doch ein komplettes Besuchsverbot verhängt werde, kann der Sozialminister angesichts der steigenden Infektionszahlen jedoch nicht. „In der jetzigen Situation kann das niemand vollkommen ausschließen.“ Ziel müsse es sein, ein abermaliges Besuchsverbot zu verhindern – notfalls durch strengere Regeln. Dass Bewohner und Angehörige sich weiterhin sehen können, sei sein „dringlicher Wunsch“, sagte Klose.

          Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration will durch einen Berechnungsschlüssel festlegen, wie viele Tests eine einzelne Einrichtung bestellen darf. Jeder Person, die vollstationär in einer Einrichtung betreut wird, teilt das Ministerium 30 Tests je Monat zu. Diese teilen sich dann auch auf die Angehörigen oder die pflegenden Mitarbeiter auf. Bei ambulant zu betreuenden Personen wird mit 15 Tests je Monat kalkuliert. Eine maximale Lieferzeit von 36 Stunden nach Bestelleingang sei mit dem Dienstleiter vereinbart worden, sagte Klose.

          Mit diesem Angebot beschreite das Land „neue Pfade“, zeigte sich der Sozialminister zufrieden. „Die Einrichtungen können sich so auf ihre wichtigen Aufgaben konzentrieren und müssen nicht den überhitzen Markt der Antigen-Tests durchforsten.“

          Dass auch anderen Berufsgruppen auf das Projekt und die Möglichkeit, sich öfter testen zu lassen, schielen dürften, ist Klose bewusst. „Das Modell ist theoretisch skalierbar. Wir haben uns aber erst einmal um die vulnerabelsten Gruppen gekümmert.“ Parallel bestehe weiterhin die Möglichkeit für Erzieher und Lehrer, sich alle zwei Wochen anlasslos auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus testen zu lassen. „Das werden wir auch bis März oder April fortsetzen.“

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