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Grüne verlieren : Hessen-CDU legt in der Krise zu

Auf und ab: Die CDU von Volker Bouffier (rechts) legt stark zu, die Grünen von Tarek Al-Wazir verlieren derzeit an Boden Bild: dpa

Im Schlepptau von Regierungschef Volker Bouffier verzeichnet die hessische Union in einer Umfrage starke Gewinne. Die Grünen verlieren, die AfD hofft auf die Zeit nach der Krise.

          2 Min.

          In der Corona-Krise hat sich das öffentliche Ansehen des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) signifikant erhöht. Wäre am nächsten Sonntag Landtagswahl, würde die CDU erheblich davon profitieren und 36 Prozent der Stimmen erhalten. Die Grünen würden verlieren und nur noch auf zwanzig Prozent kommen.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Das ergibt eine repräsentative Umfrage des Instituts Infratest dimap. Weil es im Februar dieses Jahres im Auftrag des hessischen Rundfunks schon einmal dieselben Fragen stellte, erlaubt der Vergleich Antworten auf die Frage, wie die Hessen die Rolle der Politiker und Parteien im Kampf gegen das Virus beurteilen.

          Bouffier befindet sich im Zenit seines Ansehens. 69 Prozent der Bevölkerung sind mit seiner Arbeit zufrieden. Vor der Corona-Krise verbuchte er fünf Punkte weniger. Hingegen muss der stellvertretende Ministerpräsident Tarek Al-Wazir (Die Grünen), einst der beliebteste Politiker Hessens, Einbußen von zehn Punkten hinnehmen. Nur noch die Hälfte der Bevölkerung ist mit ihm einverstanden.

          Der Abstand vergrößert sich

          Auch bei der Sonntagsfrage zeigt sich ein großer Abstand zwischen den Koalitionspartnern. Während die CDU um zehn Prozentpunkte zulegt, verlieren die Grünen fünf. Nachdem die beiden Parteien im Februar noch ungefähr gleichauf lagen, beträgt der Abstand wenige Monate später 16 Punkte. Die SPD gewinnt auf niedrigem Niveau zwei Punkte hinzu. Die AfD sackt abermals etwas ab und liegt jetzt bei zehn Prozent. Die FDP hält sich stabil oberhalb der Fünf-Prozent-Hürde. Die Linke bleibt darunter.

          Die Bürger wurden auch nach ihrer Meinung zur konkreten Politik in der Krise befragt. Die Hälfte hält das aktuelle Tempo bei der Rückkehr zur Normalität für richtig. Jedem Dritten geht es zu schnell. Die Befürworter größerer Erleichterungen sind deutlich in der Minderheit.

          AfD-Anhänger als Masken-Gegner

          60 Prozent sind für die allmähliche Wiederöffnung von Schulen und Kindertagesstätten. Je höher der Bildungsabschluss, desto größer ist in dieser Frage allerdings die Ungeduld. Die Maskenpflicht, zu der die Politiker sich erst nach längerem Zögern durchgerungen haben, findet die Zustimmung von 77 Prozent der Bürger. Die Akzeptanz ist über fast alle Parteigrenzen hinweg zu beobachten. Nur Anhänger der AfD lehnen die Verpflichtung zum Mund-Nasen-Schutz überwiegend ab.

          Nicht geheuer sind vielen die Einschränkungen der Grundrechte. 35 Prozent treibt die Sorge um, dass ihre Freiheiten längerfristig eingeschränkt werden könnten. Die Angst, sich mit Covid-19 anzustecken, steigt mit zunehmendem Alter leicht. Sie ist bei den über 65-Jährigen mit 31 Prozent größer als bei den unter 40-Jährigen mit 24 Prozent.

          Drei Viertel aller Hessen glauben, dass sich die Lage im Land verschlechtern werde. Aber nur jeder Vierte befürchtet ernsthaft persönliche Nachteile. Jeder Siebte macht sich Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz. Besonders ausgeprägt ist die Furcht, dass es wirtschaftlich bergab geht, in der Anhängerschaft der AfD.

          In einer Bewertung ihres Abschneidens weisen die Grünen darauf hin, dass sie im Vergleich zur Umfrage vom Februar zwar „noch Luft nach oben“ hätten, aber das Landtagswahlergebnis bestätigt worden sei. „Neben der Bewältigung der Corona-Pandemie sind der Klimaschutz und der Erhalt der Artenvielfalt sowie eine soziale Gestaltung Hessens unsere zentralen Aufgaben.“ Daran wolle man weiter arbeiten.

          „Möglicherweise hat die Grünen auch die schwache Performance ihres Sozialministers Kai Klose Zuspruch gekostet“, heißt es in einer Stellungnahme der SPD. Die AfD hofft auf die Zeit nach der Krise. Dann würden die Fehler der Landesregierung deutlich, und die AfD werde „zu alter Stärke zurückfinden“. Die Linke findet ihr Ergebnis „richtig bitter“. Sie glaubt, dass die Hessen ihr Vertrauen auf die Parteien setzten, die in Berlin regierten.

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