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Heinrich XIII. Prinz Reuß : „Verwirrter Mann“ mit „verschwörungstheoretischen Irrmeinungen“

Zugriff am Mittwochmorgen: Der Beschuldigte, Heinrich XIII. Prinz Reuß, sitzt in einem Polizeifahrzeug. Bild: dpa

Ein Adliger mit Firmen- und Wohnsitz in Frankfurt soll Anführer der Gruppe gewesen sein, die laut Generalbundesanwalt einen Staatsstreich plante. Nach dem Umsturz sollte Heinrich XIII. Prinz Reuß die Übergangsregierung der Aufrührer anführen.

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          Die Umsturzpläne waren, wenn es zutrifft, was die Ermittler des Generalbundesanwalts zusammengetragen haben, weit ausgereift: Eine Gruppe von sogenannten „Reichsbürgern“ und Anhängern der QAnon-Verschwörungstheorie soll einen Staatsstreich und einen „Systemwechsel auf allen Ebenen“ geplant haben. Ein „militärischer Arm“ der Vereinigung sollte den Umsturz durchführen. Tote wollte man dabei bewusst in Kauf nehmen.

          Ewald Hetrodt
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.
          Alexander Jürgs
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kopf der Verschwörung war anscheinend ein Immobilienunternehmer und Adliger aus Frankfurt: Heinrich XIII. Prinz Reuß, dessen Unternehmen an der Fichardstraße im Frankfurter Nordend seinen Sitz hat. Der Einundsiebzigjährige soll den Sicherheitsbehörden seit Langem bekannt sein und wird der „Reichsbürger“-Szene zugeordnet. Am Mittwochmorgen wurde er als einer von 25 Beschuldigten festgenommen, die Großrazzia der Polizei lief in mehreren Bundesländern. Es heißt, dass der Adlige die Übergangsregierung der Umstürzler hätte anführen sollen. Die Gruppe hatte eine Art Schattenkabinett gebildet, das die Macht im Land übernehmen sollte.

          Prinz Reuß soll dem sogenannten „Rat“, dem zentralen Gremium der Gruppe, vorgestanden haben. Der Adlige soll zwischen Frankfurt und Thüringen, wo er laut MDR ein Jagdschloss in der Nähe von Bad Lobenstein besitzt, gependelt sein. Prinz Reuß war schon länger durch Äußerungen, die seine Sympathien für die „Reichsbürger“-Ideologie deutlich machten, aufgefallen. Das Fürstenhaus Reuß hatte sich deshalb von ihm öffentlich distanziert. Er sei ein „verwirrter Mann, der „verschwörungstheoretischen Irrmeinungen“ aufsitze, hieß es aus der Familie.

          Aus den Reihen von Bundeswehr und Polizei rekrutiert

          Die Gruppe, die er mutmaßlich an­führte, hat sich laut Generalbundesanwalt spätestens seit November 2021 intensiv auf den geplanten Umsturz vorbereitet. Diskutiert worden sein soll auch ein Angriff auf den Bundestag. Ausrüstung wurde angeschafft, mit dem Aufbau einer abhörsicheren Kommunikations- und IT-Struktur soll begonnen worden sein, Schießtrainings fanden statt. Mitkämpfer sollten aus den Reihen der Bundeswehr und Polizei rekrutiert werden. Es kam zu mindestens vier geheimen Anwerbetreffen in Baden-Württemberg. Ein früherer Elitesoldat, der ein Fallschirmbataillon der Bundeswehr geführt hatte, sollte die Untergrund-Armee anführen. Auch eine frühere Bundestagsabgeordnete der AfD soll Teil der Verschwörung gewesen sein.

          Insgesamt kam es am Mittwoch bei den Razzien in Hessen zu drei Festnahmen: Prinz Reuß wurde in Frankfurt festgesetzt, weitere Zugriffe gab es im Kreis Bergstraße und im Lahn-Dill-Kreis. Bundesweit wurden 25 Personen festgenommen. Bei 22 von ihnen soll es sich um Mitglieder der Gruppe gehandelt haben, drei Personen wurden als Unterstützer eingestuft.

          Die Razzia gegen die mutmaßlich zum Staatsstreich entschlossene „Reichsbürger“-Gruppierung war am Mittwochmorgen auch Thema im Hessischen Landtag. Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach im Plenum zu Beginn der turnusmäßigen Beratungen über den Einzelhaushalt des Innenministeriums von dem Versuch einer terroristischen Vereinigung, die staatliche Ordnung zu überwinden. Beuth sagte, dass die Festnahmen auch ein Verdienst des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz und des Landeskriminalamtes seien. „Die Mitarbeiter hatten den richtigen Riecher und sind drangeblieben“, erklärte der Innenminister. Sie hätten ihre Erkenntnisse verdichtet und mit den Partnerbehörden geteilt. „So konnte ein Gesamtbild des mutmaßlichen Netzwerks herausgearbeitet werden und das wohl größte Ermittlungsverfahren im Bereich der politisch motivierten Kriminalität der jüngeren Vergangenheit entstehen.“

          An der bundesweiten Razzia seien aus Hessen knapp 300 Einsatzkräfte, da­runter auch die Spezialeinheiten, beteiligt gewesen. Die Festnahmen seien, so der Innenminister, ein starkes Signal des Rechtsstaates und der wehrhaften Demokratie. Als große Gefahr werden die „Reichsbürger“ schon länger angesehen. Das Gros der Szene ist dem rechtsextremistischen Milieu zuzuordnen. „Reichsbürger“ lehnen die Bundesrepublik und ihre demokratischen Strukturen ab und berufen sich stattdessen auf das Deutsche Reich. Auch in die Proteste gegen die Corona-Politik waren viele von ihnen involviert. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass es mittlerweile 21 000 Anhänger der Ideologie in Deutschland gibt, in Hessen soll es rund 1000 „Reichsbürger“ geben.

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