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Heinrich Eduard von Lade : Anführer der Rheingauer Wutbürger

  • -Aktualisiert am

Stammsitz: Lades Schloss Monrepos ist heute Teil der Hochschule Geisenhei Bild: Cornelia Sick

Vor 200 Jahren wurde Heinrich Eduard von Lade geboren. Mit Waffengeschäften reich geworden, tat er sich als Widerständler gegen die Rheinregulierung hervor.

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          Seine Triebfeder war der Drang nach öffentlicher Anerkennung und Wertschätzung. Heinrich Eduard von Lade war ein nimmermüder Kämpfer für seine vielfältigen Anliegen. Mit seinem Mangel an Kompromissbereitschaft allerdings machte sich der Sohn eines Geisenheimer Weinhändlers das Leben nicht immer leicht. Dennoch gilt von Lade heute als bedeutendster Geisenheimer. Den meisten Bürgern ist er sogar noch bekannter als Peter Joseph Blum, der immerhin mehr als 40 Jahre als Bischof das Bistum Limburg prägte. Das liegt vor allem am wichtigsten Erfolg aller Bemühungen von Lades: der Gründung der Königlichen Lehranstalt für Obst- und Weinbau, die nach der Fusion mit der Geisenheimer Dependance der Hochschule Rhein-Main heute Hessens jüngste Hochschule ist.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Die Gründung der Lehranstalt erlebte von Lade als Privatier. Geboren am 24.Februar 1817 im Osteinschen Palais, ging er schon im Alter von 18 Jahren zunächst nach Paris und anschließend nach London. Beruflich reüssierte er in Hamburg mit einem großen Bank- und Exportgeschäft. Respekt wurde ihm als Diplomat und Generalkonsul für die italienischen Staaten in Norddeutschland zuteil, reich wurde er als Waffenhändler durch den amerikanischen Sezessionskrieg. Schon 1861, im Alter von 44 Jahren, setzte er sich in Geisenheim zur Ruhe und baute Schloss Monrepos.

          Erbitterten Widerstand gegen die geplante Rheinkorrektur

          Es war ein „Unruhestand“, denn der vielseitig interessierte und talentierte von Lade wandte sich nun mit großem Engagement seinen Leidenschaften zu: der Gartenkunst, dem Obstbau und der Astronomie. Kaum hatte Preußen 1866 das Herzogtum Nassau in Besitz genommen, erhielt der König aus Geisenheim eine Sendung mit elf Kisten Obst und der Forderung, im Rheingau eine pomologische Forschungsanstalt zu gründen, weil der untere Rheingau besseres Obst erzeugen könne als irgendein anderer Teil Deutschlands. Von Lades beharrliches Drängen und nicht zuletzt seine guten politischen Verbindungen nach Berlin – unter anderem zu Bismarck – blieben nicht ohne Erfolg: 1872 wurde die Königliche Lehranstalt für Obst- und Weinbau offiziell gegründet, und von Lade war am Ziel.

          Ein heute weniger bekanntes und für von Lade auch weniger erfolgreiches Engagement hat der Geisenheimer Stadtarchivar Oliver Mathias in Vorbereitung seiner Dissertation erforscht: 20 Jahre lang führte von Lade den teils erbitterten Rheingauer Widerstand gegen die geplante Rheinkorrektur an, die nach dem Siegeszug der Dampfschifffahrt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer dringlicher geworden war, um die gefahrlose Schiffbarkeit des Stroms zu gewährleisten.

          Als einen „frühen Kämpfer für den Erhalt der Kulturlandschaft“ und einen der ersten „Wutbürger“ des Rheingaus charakterisiert der Wissenschaftler Mathias den 1877 geadelten von Lade. Ihn und seine Mitstreiter trieb nach den Archivrecherchen von Mathias die Furcht an, der Rhein werde durch die Begradigung und durch ein schmaleres Flussbett an den Ufern eine Sumpflandschaft hinterlassen, die für die Gesundheit der Bürger bedrohlich sei. Von Lade malte das Schreckensbild vom Rhein als einem tiefen Kanal ohne landschaftliche Reize an die Wand, der das Klima verändern und dem Weinbau Schaden zufügen werde. Der Fremdenverkehr werde leiden, die Gefahr durch Hochwasser werde wachsen, so lauteten die wichtigsten Argumente, die in zahlreichen Petitionen dem König vorgelegt wurden.

          Stadt ernannte von Lade 1901 zu ihrem ersten Ehrenbürger

          Zwar konnte die zunächst von allen einflussreichen Rheingauer Familien und Persönlichkeiten unterstützte Bewegung den Stopp der Arbeiten am Rhein erzwingen, doch von Lades sture, kompromisslose Haltung isolierte ihn in den Folgejahren zunehmend, und der obere Rheingau um Eltville nahm schließlich eine andere, kompromissbereitere Haltung ein, was von Lade verbitterte. 1884 war der lange Kampf schließlich zu Ende. Der Rheinausbau war beschlossene Sache und vertraglich geregelt, und von Lade stand auf der Seite der Verlierer, wie Mathias kürzlich im Rüdesheimer Rathaus in einem Vortrag auf Einladung der Hochschule erläuterte.

          In Geisenheim büßte von Lade dennoch nichts von seinem großem Ansehen ein. Die Stadt ernannte ihn 1901 zu ihrem ersten Ehrenbürger, und Kaiser Wilhelm II. erhob ihn im gleichen Jahr zum Freiherrn. Drei Jahre später starb er in seinem Schloss Monrepos, das heute zum Campus der Hochschule gehört. Ein Einschlagkrater auf der Mondvorderseite ist seit 1935 nach von Lade benannt und ebenso ein Asteroid des Hauptgürtels, der schon 1892 in Heidelberg vom deutschen Astronomen Max Wolf entdeckt worden war.

          Am 24. Februar beginnt um 10 Uhr eine Gedenkfeier auf dem Geisenheimer Friedhof, um 11 Uhr eine akademische Feier in der Hochschule.

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