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Luise Glaser-Lotz (lu.)

Haus des Jugendrechts : Ein Projekt mit Potential

Noch im Bau: Das „Haus des Jugendrechts“ am Hanauer Schlossplatz Bild: Sandra Schildwächter

Die Hanauer Innenstadt ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden und wird seit Jahren nach und nach saniert. In ihrer Mitte soll ein „Haus des Jugendrechts“ gegen Kriminalität vorgehen.

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          Die Hanauer Innenstadt mitsamt der Altstadt ist in der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs vollständig zerstört worden. Das Goldschmiedehaus, einst Rathaus der Stadt, wurde wiederaufgebaut, sonst blieb von den hübschen Fachwerkhäusern im historischen Kern nichts übrig. Um den Überlebenden, Kriegsheimkehrern und Geflüchteten ein Dach über dem Kopf zu geben, wurden in der Altstadt einfache und zweckmäßige Mehrfamilienhäuser errichtet.

          Die städtische Baugesellschaft hat in den vergangenen Jahren viele Millionen Euro in die Sanierung dieser Bauten gesteckt und damit viel zur Attraktivitätssteigerung dieses Teils der Innenstadt beigetragen. Auch die Aufwertung des am Goldschmiedehaus gelegenen Altstädter Markts mit neuen gastronomischen Angeboten ist gelungen.

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          Das Konzept sollte entlang der Graf-Philipp-Ludwig-Straße, dem Verbindungsweg von Altstädter Markt und Schlossplatz, fortgesetzt werden. Läden im Untergeschoss und moderne Wohnungen darüber: Das hätte weiteren Schwung in die Altstadt gebracht. Deshalb ist es besonders ärgerlich, dass wegen der sich hinschleppenden Verwirklichung des „Hauses des Jugendrechts“ eine große Baustelle das Bild prägt, noch dazu eine, auf der längere Zeit keinerlei Fortschritt zu erkennen war.

          Schwerpunkt Prävention gegen Rechtsextremismus

          Zudem lassen die Umgestaltung des Schlossplatzes und die neue Nutzung des historischen Kanzleigebäudes auf sich warten, die Pläne dafür haben sich einmal mehr zerschlagen. Immerhin ist jetzt endlich der Mietvertrag zwischen Baugesellschaft und Land Hessen unterschrieben und ein neues Eröffnungsdatum in Aussicht gestellt. Hoffentlich geht es nun voran mit dem Projekt, hoffentlich auch mit ansehnlicher Architektur.

          Noch wichtiger ist der Inhalt. Die Erfahrungen mit bisherigen Einrichtungen zeigen, dass ein „Haus des Jugendrechts“ offenbar einem klugen und nutzbringenden Konzept folgt. Das kann Hanau gut gebrauchen. Schlossplatz und Altstadt waren im Frühjahr Schauplatz von Ausschreitungen großer Mengen überwiegend junger Männer, unter ihnen viele minderjährige Flüchtlinge. Zugleich haben Gewalt und Rassismus in Hanau eine zusätzliche, schmerzhafte Bedeutung erfahren.

          Es ist, besonders mit Blick auf den 19. Februar vergangenen Jahres, als ein Hanauer neun Menschen mit Migrationshintergrund erschoss, eine gute Idee, der künftigen Gemeinschaftseinrichtung den Schwerpunkt Prävention gegen Rechtsextremismus zu geben. Sichergestellt werden sollte, dass die geplante Besetzung mit Fachleuten verschiedener Kompetenzen wie vorgesehen verwirklicht wird. Stutzig macht im Moment, dass zunächst von 26 Polizeibeamten die Rede war und es jetzt nur noch zwölf sein sollen.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

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