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: Hanauer Straßenbahn AG stellt Strafantrag gegen früheren Vorstand Hoffmann

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Wegen des Verdachts der Untreue stellt die Hanauer Straßenbahn AG (HSB) in Absprache mit dem Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Stadtbaudezernent Ulrich Müller beim Hanauer Landgericht Strafanträge gegen ihren früheren Vorstandsvorsitzenden Ulrich Hoffmann und den Prokuristen Eckart Rosenmann.

          Wegen des Verdachts der Untreue stellt die Hanauer Straßenbahn AG (HSB) in Absprache mit dem Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Stadtbaudezernent Ulrich Müller beim Hanauer Landgericht Strafanträge gegen ihren früheren Vorstandsvorsitzenden Ulrich Hoffmann und den Prokuristen Eckart Rosenmann. Die HSB wird vertreten durch die derzeitigen Vorsitzenden Michael Schweitzer und Michael Budig. Hoffmann und Rosenmann wurde außerdem fristlos gekündigt.

          Wie Aufsichtsratsvorsitzender Müller und Vorstandsvorsitzender Schweitzer in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz mitteilten, haben Sonderprüfungen ergeben, daß die HSB-Tochter Kraftverkehr Kinzigtal GmbH (KVK), die unter anderem den Stadtbusverkehr in Bad Hersfeld und für die HSB eine Buslinie von Hanau nach Bruchköbel betreibt, entgegen den Ankündigungen Hoffmanns in diesem Jahr keine schwarze Null oder sogar Gewinne erwirtschaften, sondern ein Defizit von rund einer Million Euro einbringen wird. Dieses Defizit muß von der HSB übernommen werden.

          Es sei nachgewiesen, daß die Kalkulationen bei der KVK bewußt falsch gewesen seien. Auch in den nächsten Jahren sei mit ähnlichen Ausfällen zu rechnen, weshalb die HSB für die nächsten fünf Jahre Rückstellungen von drei Millionen Euro bilden müsse. Das Defizit der HSB wachse damit in diesem Jahr von erwarteten 5,7 Millionen Euro auf insgesamt neun Millionen Euro - Verluste, die von der Beteiligungsholding Hanau GmbH (BHG) aufgefangen werden müssen.

          Laut Müller stellt dies für die HSB auch deshalb einen schweren Rückschlag dar, weil die in diesem Jahr eingeleitete Wende beim HSB-Defizit damit außer Kraft gesetzt werde. Die realistische Verlustprognose habe für 2005 auf 5,7 Millionen Euro gelautet gegenüber 6,9 Millionen im Vorjahr. Müller übernahm den Aufsichtsratsvorsitz Mitte vergangenen Jahres. Seitdem habe man die HSB konsequent auf ihr Kerngeschäft zurückgeführt.

          Hoffmann, der wegen einer schweren Erkrankung zur Jahresmitte aus dem Dienst geschieden ist und dessen Vertrag zum Jahresende ausgelaufen wäre, soll insbesondere Ende 2004 und Anfang 2005 gemeinsam mit Rosenmann eine Reihe von "fragwürdigen Geschäften" über die KVK getätigt haben. Die Schadenshöhe stehe noch nicht genau fest. Ob die Unregelmäßigkeiten mit dem Ziel geschahen, über komplizierte Verrechnungen Verluste zu verschleiern oder, um sich selbst zu bereichern, müßten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben, meinte Müller.

          So habe Hoffmann in Frankreich als Vorsitzender des Bildungswerks für Nahverkehrsbeschäftigte eine Wohnung dieser Einrichtung für die HSB gemietet, möglicherweise um diese an HSB-Mitarbeiter für Urlaubsaufenthalte weiterzuvermieten. Es habe überflüssige Auto- und Grundstückskäufe gegeben. Die HSB habe zudem mit 16 Bussen im Wert von 1,5 Millionen Euro unnötig viele besessen. Diese seien zum Teil schon verkauft worden. Über Leistungen der KVK an die HSB sei zudem ein doppelter Vertrag ans Licht gekommen. Der ursprüngliche Vertrag sei vom Aufsichtsrat genehmigt worden, den zweiten über die gleichen Leistungen, allerdings zu anderen Konditionen, habe der Aufsichtsrat nie zu Gesicht bekommen. Außerdem hätten Hoffmann und Rosenmann eine Vip-Lounge im Frankfurter Fußballstadion auf zwei Jahre für jeweils 41 000 Euro gemietet. Es sei inzwischen gelungen, diesen Mietvertrag in Dauerkarten umzuwandeln, die einem wohltätigen Zweck zugeführt würden.

          Hoffmann selbst prozessiert nach Angaben Müllers gegen die HSB wegen seiner Versorgungsbezüge. Deren nach Auffassung des Aufsichtsrats weit überzogene Höhe beruhe auf einem älteren Vertrag mit der HSB, der auf bisher ungeklärte Weise zustande gekommen sei. lu.

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