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Schule : Hanauer Gymnasien überlaufen

„Hanau ist der Schulstandort der Region und wird es auch bleiben”: Claus Kaminsky Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Hanauer Gymnasien sind bei den Eltern in den Nachbargemeinden beliebt - so sehr, dass nicht alle Anmeldungen angenommen werden können. Erstmals wurden Schüler aus dem Umland abgewiesen.

          „Hanau ist der Schulstandort der Region und wird es auch bleiben.“ Mit diesen Worten hat Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) die Situation an den Hanauer Gymnasien kommentiert. Anlass für die Äußerung vor der Stadtverordnetenversammlung gab am Montagabend ein Antrag der CDU-Fraktion an den Magistrat, den Schulstandort Hanau so zu erweitern, dass der Aufnahme von Schülerinnen und Schülern aus dem Main-Kinzig-Kreis nichts im Wege stehe.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Der dazu erforderliche Ausbau der Schulen, vor allem der Gymnasien, solle im Schulentwicklungsplan festgeschrieben werden, hieß es in dem Antrag. Konkret ging es um die sich in den vergangenen Tagen mehrenden Beschwerden von Eltern aus Nidderau, Schöneck und Bruchköbel, die im nächsten Schuljahr ihre Kinder auf ein Hanauer Gymnasium schicken wollten, aber eine Absage bekommen haben.

          Ansturm auf Schulplätze

          Vor allem auf die beiden klassischen Gymnasien, die Hohe Landesschule und die Karl-Rehbein-Schule, hat in diesem Jahr ein regelrechter Run auf die Plätze der fünften Klassen stattgefunden. Den betroffenen Eltern und ihren Kindern – es handelt sich laut CDU um 126 Schülerinnen und Schüler – wurde als Lösung eine Dependance des Albert-Einstein-Gymnasiums in Maintal angeboten. Weitere Möglichkeit wäre die Kopernikusschule in Freigericht, wo eine zusätzliche Klasse eingerichtet werden soll. Für den Transport der Jungen und Mädchen will der Main-Kinzig-Kreis als Schulträger eine zusätzliche Buslinie von Nidderau über Bruchköbel nach Maintal einrichten.

          Für die Hanauer CDU stellt diese Situation einen Traditionsbruch dar. Seit dem Zweiten Weltkrieg stelle Hanau für seine eigenen und für die Schüler des Umlands ein attraktives Angebot in den vielfältigsten Schulformen bereit, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Franz Ott. Ott regte an, über die Frage nachzudenken, ob Hanau neben der Hola und der Rehbeinschule ein drittes klassisches Gymnasium benötige. Dies lehnte der Oberbürgermeister ab. Er verwies darauf, dass in Hanau außer den beiden klassischen Gymnasien noch zwei Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe sowie zwei berufliche Gymnasien bestehen. Der Landkreis halte bei einer viel größeren Einwohnerzahl nur vier Gymnasien vor.

          Schaffert: Ausbau der Gymnasien nicht erforderlich

          Dazu komme, dass der benachbarte Wetteraukreis keine Kinder aus dem Main-Kinzig-Kreis mehr aufnehme. Dies habe den Druck auf die Gymnasien in Hanau stark erhöht. Wenn es ein Unterangebot im Kreis gebe und die Wetterau die Türen dichtmache, könne es nicht der richtige Weg sein, in Hanau mit Bauprogrammen darauf zu reagieren. Sollte Hanau jedoch dafür verantwortlich sein, jedem Kind aus dem Umland einen Gymnasialplatz anzubieten, müsse über eine Schulträgerschaft der Stadt auch für den Altkreis Hanau nachgedacht werden – mit den entsprechenden staatlichen Zuschüssen.

          Um eine langfristige Lösung zu finden, müssten weitere Gespräche mit dem Schuldezernat des Landkreises sowie mit dem Staatlichen Schulamt stattfinden. Diese kündigte der künftige Schuldezernent Ralf-Rainer Piesold (FDP) an. Er werde demnächst mit Kreisschuldezernent Günter Frenz (CDU) über die künftige Gestaltung der Schülerlenkung sprechen.

          Für Wolfgang Schaffert, Stadtverordneter der SPD-Fraktion, könnte sich die Frage der Überbelastung der Hanauer Gymnasien von selbst lösen. Angesichts der demographischen Entwicklung handele es sich in diesem Jahr um eine wahrscheinlich einmalige Spitze. Deshalb sei ein Ausbau der Hanauer Gymnasien derzeit nicht erforderlich. Der Antrag der CDU wurde einstimmig zur weiteren Beratung in den Kultur- und Schulsenat überwiesen.

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