https://www.faz.net/-gzg-pxhz

Hanau : Randale aus Protest gegen Hartz IV

  • Aktualisiert am

Zwei Tage vor der Übernahme der Zuständigkeit für die Langzeitarbeitslosen in Hanau und im Gebiet des Main-Kinzig-Kreises durch die Landkreisverwaltung haben Unbekannte in der Silvesternacht ihren Protest gegen die Hartz-IV-Reformen durch Verwüstungen am Landratsamt in Hanau zum Ausdruck gebracht.

          2 Min.

          Zwei Tage vor der Übernahme der Zuständigkeit für die Langzeitarbeitslosen in Hanau und im Gebiet des Main-Kinzig-Kreises durch die Landkreisverwaltung haben Unbekannte in der Silvesternacht ihren Protest gegen die Hartz-IV-Reformen durch Verwüstungen am Landratsamt in Hanau zum Ausdruck gebracht. Nach Mitteilung des Kreises ist das neue Regionalzentrum für Arbeit der kreiseigenen "Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung" Ziel von Sachbeschädigungen geworden. Mit Pflastersteinen wurden Scheiben im Erdgeschoß eingeschlagen, die Fassade des Amts wurde von Farbbeuteln getroffen. Über den Haupteingang und auf eine Hinweistafel sprühten die Randalierer mehrere gegen die Reformen gerichtete Parolen. Außerdem beschmierten sie den Eingang mit lila Farbe. Alle Schäden entstanden an der Außenseite, in das Innere drangen die Unbekannten nicht ein.

          Zur Vorbereitung hatte die Verwaltung das Erdgeschoß des Hochhauses erst kürzlich modernisiert und ein Kundenbüro für die Empfänger des Arbeitslosengeldes II eingerichtet. Sozialdezernent Erich Pipa (SPD), der die Schäden zusammen mit Landrat Karl Eyerkaufer (SPD) am Neujahrstag in Augenschein nahm, bezeichnete die Verschmutzungen als dumme und kriminelle Tat. Mit dem Projekt könne am Montag trotz der Vorfälle pünktlich und ohne Einschränkungen begonnen werden, da technische Einrichtungen nicht betroffen seien. Die Kreisverwaltung bemühte sich noch am Wochenende, die Schäden soweit wie möglich zu beseitigen, hieß es.

          Laut Landratsamt ist der Main-Kinzig-Kreis der erste der sogenannten Optionskreise in Hessen, die die Zusammenfassung von Sozialhilfe und der Arbeitslosenhilfe für erwerbsfähige Menschen zum Arbeitslosengeld II unter eigener Regie betreiben. Wie das Amt mitteilte, bemühte sich der Main-Kinzig-Kreis als größter hessischer Landkreis zwei Jahre lang, seine Beschäftigungspolitik in eigener Verantwortung fortsetzen zu können. Als einem von 69 Kreisen wurde ihm dies zugestanden. Von heute an wird es statt der bisherigen gemeinnützigen Berufsbildungs- und Beschäftigungszentrum GmbH als Nachfolgeunternehmen die Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung geben. In dieser Gesellschaft faßt der Kreis die Aktivitäten aller bisherigen Beschäftigungs-, Ausbildungs- und Vermittlungsaktivitäten mit den Leistungen, die bisher das Sozialamt der Kreisverwaltung für die Arbeitsintegration erbrachte, zusammen. Bisher war die Kreisverwaltung für rund 3500 arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger zuständig. Jetzt kommen die Sozialhilfeempfänger aus dem Hanauer Stadtgebiet und die bisherigen Empfänger von Arbeitslosenhilfe hinzu. Insgesamt rechnet der Kreis mit rund 12000 erwerbsfähigen Langzeitarbeitslosen. Um diese Mehrarbeit zu bewältigen, wurden bei der kreiseigenen Gesellschaft rund 150 zusätzliche Stellen eingerichtet.

          Die Betreuung der Betroffenen übernehmen Mitarbeiter in den vier Regionalzentren für Arbeit in Hanau, Maintal-Dörnigheim, Gelnhausen und Schlüchtern. Zweigstellen dieser Zentren gibt es in Langenselbold und Wächtersbach. An drei weiteren Standorten - Hanau-Wolfgang, Gründau-Rothenbergen und Schlüchtern - werden gewerblich-technische Qualifizierungsmaßnahmen organisiert. Außerdem wirbt der Kreis, wie berichtet, in einem Job-Vermittlungsbüro in Frankfurt um Arbeitsstellen für die Langzeitarbeitslosen. Alle Regionalzentren verfügen über Servicebüros, die montags bis freitags von 9 bis 12Uhr sowie montags, dienstags und donnerstags von 13.30Uhr bis 15Uhr geöffnet sind. Nähere Informationen gibt es unter anderem unter der Telefonnummer 06181/292 8173.

          Die Anträge für das Arbeitslosengeld II seien bis zum Jahresende von der Agentur für Arbeit Hanau angenommen, bearbeitet und entschieden worden, heißt es weiter. Diese konnten nach Angaben der Agentur durchweg fristgerecht bearbeitet werden. Neue Antragsteller wenden sich an ihre jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltungen. Von dort werden die Unterlagen an das zuständige Regionalzentrum weitergeleitet. lu.

          Weitere Themen

          Wie im Film

          Musical „Bodyguard“ : Wie im Film

          Liebe in Zeiten der Gefahr: „Bodyguard – Das Musical“ kommt zur Weihnachtszeit nach Frankfurt. In der Alten Oper wird die Geschichte vom Personenschützer und der Diva aufgeführt.

          „Ich glaube an das Buch“

          Deutsche Buchbranche : „Ich glaube an das Buch“

          Auf den Tübinger Buchhändler folgt die Verlegerin aus Mainz: Karin Schmidt-Friderichs ist die neue Chefin der deutschen Buchbranche. Sie ist erst die zweite Frau an der Spitze des Vereins.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.