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Data in Hanau : Mit Rechenzentren zur Digitalstadt

Hohe Leistung: Das Innenleben eines Rechenzentrums (Symbolbild) Bild: Lucas Wahl

Nach Frankfurt soll nun auch Hanau ein Standort für Data Center werden. Eine von zwei Großanlagen soll im Technologiepark, dem einstigen Zentrum der Atomwirtschaft, entstehen.

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          Im Technologiepark, dessen Areal einst Keimzelle des „Atomdorfs Hanau“ war, wurde die letzte Baulücke geschlossen. Durch neue Nutzungen ersetzt ist vor allem der gewaltige Atombunker, einst Symbol der Hanauer Atomwirtschaft. Dort wurden bis Ende der Achtzigerjahre gefährliche Kernbrennstoffe, für die es keine gültige atomrechtliche Genehmigung gab, aufbewahrt. Er gehörte zu den Anlagen zur Produktion von Mischoxid-Brennelementen der Firma Siemens, früher Alkem. In dem Bunker selbst wurde aber nicht produziert.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Doch das ist Geschichte. „Noch vor zwei Jahren hat hier ein großer Bunker gestanden, von dem niemand angenommen hat, dass es sich lohnt, ihn abzureißen“, sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) beim Besuch im Technologiepark. Als problematisch hatten sich die Versuche zu einer Umnutzung des Bauwerks erwiesen. Schließlich ging das Bunkerareal im Jahr 2008 auf die „1 & 1 Internet AG“ über, die dort ihre Server installieren wollte. Das Unternehmen verwirklichte die Pläne aber nicht und verkaufte das Gelände weiter. Erworben wurde es von der Garbe Industrial Real Estate GmbH („Garbe“) in Hamburg und der Bremer Projektentwicklung GmbH („Bremer“) in Bochum. In ihren Besitz kam das 3,5 Hektar große Areal mit der aus mehreren Gebäuden bestehenden Anlage.

          Dann kam der schwierige Abriss, denn die bis zu zwei Meter dicken Stahlbetonwände machten die Arbeiten für das Abbruchteam der Hagedorn GmbH aus Gütersloh und der Deutschen Sprengunion kompliziert. Eingesetzt werden mussten schweres Gerät und 6,5 Tonnen Sprengstoff. Übrig blieben nach den Angaben der Eigentümer eine Menge Stahl sowie 120.000 Tonnen Bauschutt, die am Ort recycelt und für die Nachnutzung verwendet wurden. Nötig war zudem eine Schadstoffsanierung.

          Vom Atom- zum Digitalzeitalter

          Jetzt steht anstelle des Bunkers auf einem zwei Hektar großen Grundstück ein vierstöckiges Gebäude. Auf einer Nutzfläche von einem Hektar soll Platz für Server eines Rechenzentrums in rund 20 Kilometern Entfernung vom Internetknoten DE-CIX in Frankfurt entstehen. Bis Weihnachten wird das erste Modul voraussichtlich fertig sein, kündigte Peter Pohlschröder, Managing Director der NDC-GARBE Data Centers Europe, an. Auf einer Fläche von rund 15.000 Quadratmetern entstand schon ein Logistikzentrum mit einer Gesamtnutzfläche von 8000 Quadratmetern. Mieter ist die Hanauer Firma „Tesa – Nie wieder Bohren“.

          Mit dem Rechenzentrum werde der Schritt vom Atomzeitalter in die digitale Zukunft für Hanau getan, sagte Kaminsky. Zudem zeige sich zum zweiten Mal, dass die Ansiedlung von Rechenzentren große Chancen für Kommunen biete, denn Altstandorte könnten wiederverwertet werden, die ansonsten vielleicht dauerhaft brachlägen, weil ihre Aufbereitung zu teuer wäre. Zudem erhöhe sich im Umfeld von Rechenzentren die Chance, dass sich weitere attraktive Unternehmen aus der IT-Branche ansiedelten.

          Zwei Großprojekte sind geplant

          Kaminsky lobte „Garbe“ und „Bremer“ auch für ihr Engagement in Sachen Nachhaltigkeit bei dem Bau und dem Betrieb auf einer Brachfläche. Der Strombedarf des Rechenzentrums soll laut Betreiber mit sauberer Energie gedeckt werden. Bei der Kühlung des Rechenzentrums habe man sich für eine flexible Kombination zweier Kühlweisen entschieden, die sparsam mit Wasser umgingen. Garbe betreibt nach seinen Angaben schon Rechenzentren in Großstädten wie Frankfurt, Berlin, München und Hamburg und nutzt erneuerbare Energien sowie Speicherkonzepte für Rechenzentren in Österreich, Deutschland und Schweden.

          Das Rechenzentrum im Technologiepark ist eines von zwei Großprojekten, die den Weg Hanaus zur Digitalstadt ebnen soll. Wie berichtet, wird auf dem Areal der Großauheim-Kaserne in der Nähe des Kraftwerkszentrums Staudinger ein großes Rechenzentrum errichtet, das voraussichtlich zu den größten in Europa zählen wird. Investor ist die Projektgesellschaft P3 Hanau.

          Nach einem mit der Stadt geschlossenen städtebaulichen Vertrag soll ein Großteil der gewaltigen Energiemengen aus erneuerbaren Quellen stammen. Dazu beitragen soll eine Solaranlage auf dem Gelände. Geplant sind nach Angaben der Stadt mehrere Gebäude, die das Rechenzentrum bilden. Gerechnet wird mit einem jährlichen Stromverbrauch von 180 Megawatt. Außerdem werden die Hanauer Stadtwerke zusammen mit ihrer Muttergesellschaft, dem Frankfurter Energieversorger Mainova, für rund fünf Millionen Euro ein Gasmotoren-Blockheizkraftwerk auf dem Areal der früheren Kaserne errichten, das die Fernwärme von Staudinger zur Versorgung von Haushalten und Industriebetrieben in Hanau ersetzen soll, wenn der Vertrag im Jahr 2024 ausgelaufen ist.

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