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Hanau : Gewerbepark oder Wohnen in der Pioneer-Kaserne

Nutzflächen: In Hanau wird überlegt, was aus der leerstehenden Pioneer-Kaserne werden soll. Bild: Rainer Wohlfahrt

Für die meisten früheren Militäranlagen in Hanau ist schon eine neue Nutzung gefunden worden. Für die übrigen liegt jetzt ein Konzept vor.

          Während im neuen „Argonnerpark“, der einstigen New Argonner Kaserne, eifrig an einem neuen Wohngebiet gearbeitet wird, liegt auf der anderen Seite der Aschaffenburger Straße in Hanau- Wolfgang die Pioneerkaserne seit dem Abzug der Amerikaner noch brach. Sonst hat sich aber viel seit dem Abschied der Soldaten in Sachen Konversion in Hanau getan: Auf dem Gelände der Hutier-Kaserne im Lamboygebiet wächst die künftige Hauptfeuerwache ihrer Vollendung entgegen, ein neues Gewerbegebiet entstand in Großauheim, in der Wolfgang-Kaserne werden die Voraussetzungen für eine gewerblich-industrielle Nutzung geschaffen, in der Old Argonner Kaserne wird bald das Förderschulzentrum bezogen und auf Campo Pond, dem früheren Übungsplatz der Soldaten, grasen Wildpferde im Rahmen eines ausgefallenen Naturschutzprojekts.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          All diese Entwicklungen hat die Stadt mit Elan vorangetrieben und stets zugegriffen, wenn sich eine erfolgversprechende Möglichkeit ergab. Dabei war die Eigentümerin der Flächen, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), ein optimaler Partner, wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) am Montagabend in der Sitzung der Stadtverordneten ausführte. Anlass gab die Vorlage der Konzeptstudie zur Konversion militärischer Liegenschaften in Hanau.

          Handeln statt abwarten

          Dieses von der HA Stadtentwicklungsgesellschaft sowie der Albert Speer & Partner GmbH in Zusammenarbeit mit städtischen Dienststellen erarbeitete Gutachten soll der dynamischen Umnutzung der Armeeflächen einen Rahmen geben. Dies war vom Magistrat im Juni vergangenen Jahres beschlossen worden. Damit soll die Entwicklung laut Kaminsky aus einem Gesamtüberblick heraus gesteuert werden, gleichzeitig wird damit aber auch eine wichtige Voraussetzung für die Gewährung von Fördermitteln des Landes Hessen für die Konversion geschaffen.

          Dass das Konzept auf viele bereits vorhandene Tatsachen trifft, verteidigte Kaminsky. Es habe sich bewährt, zu handeln statt abzuwarten. Bei der Konversion handele es sich um ein „atmendes System“. Konzepte seien da schnell überholt, weshalb die Studie auch regelmäßig aktualisiert werden solle. Sie stelle keine starre Handlungsvorgabe dar, sondern solle helfen bei der Überprüfung und Bewertung von Entwicklungsmöglichkeiten. Im Blick sei dabei auch die Beobachtung von Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Standorten und der Gesamtstadt.

          Städtebauliche Struktur muss erhalten bleiben

          Gegliedert ist die Untersuchung in fünf Kernthemen unter den Überschriften: Wohnstadt Hanau, attraktive Innenstadt, Wirtschaftsstandort Hanau, Grüne Stadt Hanau sowie Verkehr. Die räumlichen Konversionsschwerpunkte sind die Innenstadt, das Lamboygebiet sowie die Stadtteile Wolfgang und Großauheim, für die verschiedene Entwicklungsszenarien skizziert werden. So sind für die New und Old Argonner Kaserne vor allem Wohnnutzungen genannt, wie sie in der Realität schon auf den Weg gebracht sind. Für die noch brachliegende Pioneer-Kaserne stehen hingegen drei Varianten im Konzept: die Schaffung einer „Gartenstadt Bulaubogen“, die Einrichtung eines Gewerbeparks für kleine und mittlere Unternehmen sowie der Bau eines Industrie- und Logistikparks Pioneer auf einer Baufläche von gut 42 Hektar.

          Der dritte Vorschlag würde allerdings den Zielen der Denkmalpflege für das Areal widersprechen. Die Gesamtanlage der Pioneer-Kaserne steht unter Schutz als „Kulturdenkmal aus geschichtlichen Gründen“. Daher muss ihre städtebauliche Struktur erhalten bleiben. Außerdem sollen von den zehn vorhandenen Kasernenbauten dort mindestens zwei zur Dokumentation in ihrer äußeren Form erhalten bleiben. Die anderen Kasernenbauten können abgerissen werden, allerdings müssen neue Bauten die Höhe und die Ausrichtung der heutigen Bebauung wiederaufnehmen. Vollkommen weichen dürfen die Fahrzeughallen, Verwaltungsgebäude und Lagerhäuser. Die „Gartenstadt Bulaubogen“ würde den Abriss der Kasernengebäude wie vorgegeben erfordern.

          Fläche für Sport

          Neben den beiden alten Gebäuden würden eine Sporthalle, die Heizzentrale und eine Kantine erhalten bleiben. Als Herzstück der Siedlung werden ein „kompaktes Quartier“ mit Geschosswohnungsbauten, ein ausgestalteter Quartiersplatz, eine Kindertagesstätte sowie Einzelhandel zur Nahversorgung vorgeschlagen. Auf dem Gelände soll es viel Grün geben, vor allem als Verbindung nach Nordosten in das Waldgebiet Bulau und zu den Kinzigauen. Auch mögliche Gewerbebauten, wie in Variante 2 aufgezeigt, würden die alte Struktur aufgreifen. Gedacht ist an die Ansiedlung kleiner und mittlerer Betriebe insbesondere der Material- und Oberflächentechnik, um den entsprechenden Cluster in Hanau zu stärken. Eine halbrunde Freifläche in der Mitte des Pioneer-Geländes wird wie in der ersten Variante als sechs Hektar großes Sondergebiet für Sport und Freizeitnutzungen beschrieben.

          Der „Gesamtstädtische Entwicklungsrahmen“ zur Konversion soll nach dem einstimmigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung im „Konversionsforum“ mit Mitgliedern verschiedener Stadtverordnetenausschüsse weiter beraten werden.

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