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Bald 100.000 Einwohner : Hanau auf dem Weg zur kleinen Großstadt

Herrschaftlich: Der Kreis soll in der alten Residenzstadt der Grafschaft Hanau künftig nichts mehr zu sagen haben. Bild: Wonge Bergmann

Viele neue Wohngebiete: Oberbürgermeister Kaminsky rechnet damit, dass die Stadt bald 100.000 Einwohner zählen wird.

          Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) hat einen neuen Lieblingsspruch. Hanau sei auf dem besten Weg von Hessens größter Kleinstadt zu Hessens kleinster Großstadt, pflegt er neuerdings zu sagen. Tatsächlich weist die Einwohnerstatistik kontinuierlich nach oben. Die Zahl der Bürger mit Erstwohnsitz in der Stadt bezifferte Kaminsky am Montagabend in der Haushaltsrede auf 98450. „Sehr bald“, so der Oberbürgermeister, werde die maßgebliche Marke von 100.000 Bewohnern überschritten.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Der Anstieg sei mit neuen Wohngebieten zu erklären. In den vergangenen zehn Jahren seien vor allem mit den Konversionsprojekten zum Beispiel auf den Arealen der einstigen New Argonner Kaserne, der Cardwell Housing und im Lehrhöfer Park mehr als 2000Wohnungen geschaffen worden. Weitere 4000 Wohneinheiten seien für die nächsten Jahre geplant, darunter das Großvorhaben in der einstigen Pioneer-Kaserne im Stadtteil Wolfgang. Klar sei, dass Hanau als Großstadt den Status als Sonderstatusstadt aufgeben und sich in die Kreisfreiheit verabschieden werde. Kreisfreie Städte erledigen in der Regel neben den Aufgaben einer Gemeinde auch die des Landkreises in eigener Regie.

          Vorbereitung auf Weg in die Kreisfreiheit

          Sobald der Doppelhaushalt für die Jahre 2018 und 2019 verabschiedet sei, werde die Stadt den Weg in die Kreisfreiheit konzentriert und entschlossen beschreiten. Da es sich dabei nicht nur um eine Verwaltungsangelegenheit handele, sondern auch um eine politische Frage, sollte nach Kaminskys Ansicht eine Arbeitsgruppe oder ein Ausschuss gebildet werden, um sich mit den Folgen zu befassen. Außerdem will Kaminsky den Sachverstand des hessischen Städtetags einbeziehen, denn ein Beispiel für den Prozess gebe es bisher nicht. Der Schritt in die Kreisfreiheit richte sich nicht gegen den Main-Kinzig-Kreis, vielmehr wolle man „Hand in Hand“ mit ihm zwei starke Gebietskörperschaften im Osten der Rhein-Main-Region schaffen, sagte Kaminsky.

          Main-Kinzig-Landrat Thorsten Stolz (SPD) will dem Hanauer Oberbürgermeister in Sachen Kreisfreiheit keine Steine in den Weg legen. „Ich würde das ganz genauso machen“, sagte er. Dass Hanau als künftige Großstadt auch eine kreisfreie Stadt sein müsse, sei allerdings kein Automatismus, auch ein Verbleib im Kreis mit Sonderstatus sei theoretisch denkbar. Doch dass Hanau ausscheren wolle, sei verständlich. Es werde weiterhin eine enge Zusammenarbeit auf vielen Gebieten geben. Den Verlust der größten Stadt werde der Kreis gut verkraften, denn er bleibe der bevölkerungsstärkste Hessens.

          Eine von sieben Städten mit Sonderstatus

          Hanau ist die größte von sieben hessischen Sonderstatusstädten. Sie besitzen eine Art Zwischenstatus zwischen kreisfreien und kreisangehörigen Städten. Sie sind eingebunden in den jeweiligen Landkreis, erfüllen aber eine Reihe von Aufgaben in eigener Regie, die in anderen Kommunen der Kreis erledigt. Das können die Jugend- und Sozialhilfe sein, die Bauaufsicht, die Ausländerbehörde und der Naturschutz. Für die Erledigung solcher Aufgaben wird die Kreisumlage, der Betrag, den eine Kommune an den Kreis jedes Jahr abführen muss, angepasst. Auch bei den finanziellen Schlüsselzuweisungen im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs spielen die vom Kreis übernommenen Tätigkeitsfelder eine Rolle.

          An der Spitze einer Sonderstatusstadt steht in Hessen ein Oberbürgermeister, der Erste hauptamtliche Beigeordnete ist in der Regel ein Bürgermeister. Das ist auch in der Stadt Hanau der Fall, die sich demnächst als sechste Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern in die Reihe von Frankfurt, Wiesbaden, Kassel, Darmstadt und Offenbach stellen will.

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