https://www.faz.net/-gzg-qd4h

Hanau : 55 Millionen Euro für die Abwasserbeseitigung

  • Aktualisiert am

Als Umweltminister Wilhelm Dietzel zusammen mit Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtrat Ulrich Müller am Montag die monumentalen Schnecken des Zulaufhebewerks in Gang setzten, öffnete auch der Himmel seine Schleusen.

          Als Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) zusammen mit Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtrat Ulrich Müller (beide SPD) am Montag die monumentalen Schnecken des Zulaufhebewerks in Gang setzten, öffnete auch der Himmel seine Schleusen. Daß ein Platzregen bei der Eröffnungsfeier der sanierten Hanauer Kläranlage die rund 150 Gäste aus Politik und Wirtschaft in das Festzelt trieb, ist allerdings nicht als böses Omen für die Zukunft des Millionenprojekts zu werten. Schließlich ist eine solche Anlage dazu gebaut worden, die Abwässer aus Industrie und Haushalten sowie das Regenwasser aufzunehmen und in gereinigter Form in das nächste Fließgewässer, in diesem Fall den Main, zu leiten.

          In Hanau geschieht das künftig, nach sechsjähriger Umbau- und Sanierungszeit, auf hohem technischen Niveau. Die Stadt verfügt jetzt, wie alle Festredner hervorhoben, über eine der größten und funktionalsten Gruppenkläranlagen Hessens. Die Stadt, so Dietzel, habe gezeigt, daß sie es mit dem Umweltschutz ernst nehme. Die verschärften EU-Richtlinien zur Behandlung von kommunalen Abwässern könnten eingehalten werden. Zudem leiste die Anlage einen weiteren wichtigen Schritt, um dem Algenwachstum im Main und letztlich damit in der Nordsee entgegenzuwirken.

          Mit der offiziellen Inbetriebnahme der Anlage am Main zwischen der Hanauer Weststadt und dem Maintaler Stadtteil Dörnigheim ist das größte Investitionsprojekt in der jüngeren Geschichte Hanaus vorläufig abgeschlossen. Rund 55 Millionen Euro flossen in die Sanierung und in den Ausbau. Wie bisher werden dort die Abwässer aus Hanau, Bruchköbel sowie dreier Maintaler Stadtteile behandelt. Über einen neuen Düker unter dem Main sind nun auch die Hanauer Stadtteile Steinheim und Klein-Auheim angeschlossen.

          Mit gut 73 Prozent trägt die Stadt Hanau den Hauptteil der Kosten. Maintal übernimmt knapp 15 Prozent und Bruchköbel rund 12 Prozent. Circa 5,2 Millionen Euro steuerte das Land Hessen bei. Dieses beteiligte sich auch mit 51000 Euro an der Einrichtung eines Museums im historischen Pumpwerk der Kläranlage. Dort dokumentiert eine Ausstellung mit Fotos, Dokumenten und technischen Relikten die Geschichte der Anlage, die seit der Inbetriebnahme des ersten Absatzbeckens und des Schlammpumpwerks im Jahr 1910 viermal erweitert wurde. Mit der zweiten Ausbaustufe im Jahr 1969 durch eine neue Kläranlage mit einer Schlammbehandlung in Faultürmen wurde das alte Schlammpumpwerk stillgelegt und unter Denkmalschutz gestellt.

          Während Oberbürgermeister Kaminsky gestern die Anstrengungen der Stadt Hanau zur Bewahrung der Umwelt herausstellte, konzentrierte sich Umweltdezernent Müller auf die technischen Details. Die dritte Ausbaustufe war nach seinen Worten im Jahr 1980 fertig. Sie ersetzte die rein mechanische Reinigung der Abwässer durch eine biologische Stufe. Schon 13 Jahre später begannen dann die Planungen für die jetzt vollendete vierte Ausbauphase. Ihr Ziel war die Erreichung der gesetzlich geforderten weitgehenden Entfernung von Nährstoffen, Stickstoff und Phosphor. Herzstück der neuen Anlage ist daher die Denitrifikation zur Stickstoffelimination. Dieses Verfahren wird laut Müller bisher nur in rund 20 Kläranlagen in Deutschland angewandt. Es habe unter anderem den Verzicht eines zusätzlichen Nachklärbeckens ermöglicht und erheblich zur Senkung der Investitionskosten beigetragen.

          Außer der Erweiterung der Anlage um die Stickstoffelimination wurden - während des laufenden Betriebs - fast alle Teile der Anlage modernisiert. Die Sanierung umfaßte unter anderem das Regenüberlaufbecken, die Faulbehälter, die biologische Abwasserreinigung, die Schlammbehandlung und die Gasverwertung sowie die Filteranlage zur Denitrifikation. Hand angelegt wurde zudem an die Betriebsgebäude.

          Die Hanauer Kläranlage ist nun in der Lage, das Abwasser von rund 200000 sogenannten Einwohnergleichwerten zu behandeln. Im Durchschnitt kommen dabei täglich 42000 Kubikmeter zusammen.

          Weitere Themen

          Nackte Haut stört niemanden mehr

          70 Jahre FSK : Nackte Haut stört niemanden mehr

          Seit 70 Jahren gibt es in Wiesbaden die FSK, die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Sie legt fest, ab welchem Alter Filme für Kinder und Jugendliche freigegeben werden. Die Institution muss mit dem Wandel der Zeit umgehen.

          Topmeldungen

          Erntete zuletzt mehrfach Kritik für seine Äußerungen auf Twitter: Uwe Junge

          Äußerungen von Uwe Junge : Kein Interesse an Mäßigung

          Für gemäßigte Aussagen ist Uwe Junge definitiv nicht bekannt. Im Gegenteil: Er nutzt die Sozialen Netzwerke regelmäßig, um unter seinen Anhängern Stimmung zu machen – mit Erfolg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.